|
Zusammenfassung Durchschnittlich haben
die von uns geprüften Webseiten den wertvollen
Bildschirmplatz gleichmässig zwischen Inhalt,
Navigation, leeren Bereichen und Belegungen durch das System verteilt. Die
für die Anwender interessanten Bereiche sollten aber
mehr als die momentan zur Verfügung stehenden 39%
ausmachen.
|
Corporate Websites sind die wichtigste Immobilie der Welt.
Der Platz auf einer grossen Firmenhomepage ist etwa 1300 mal
wertvoller als der Boden im Geschäftsviertel von Tokyo. Sie
fragen sich,
wie diese wertvolle Immobilie aufgeteilt wird? Sehr ineffizient. Die
meisten Pixel gehen nämlich ungenutzt verloren.
Eine Homepage hat eigentlich zwei Hauptziele: Dem Anwender
Informationen zur Verfügung zu stellen und als Top-Level
Navigation für die auf der Site aufgeführten
Detailinformationen zu dienen. Diese beiden Ziele nahmen quer durch
die 50 von uns geprüften Sites nur gerade 39% des Bildschirmplatzes ein.
Ein drittes wichtiges Ziel der Homepage ist, dem Anwender
das Ziel der Website und deren Einbettung ins Internet bekannt
zu geben. Websites erreichen dies durch die Platzierung eines
Logos oder einer so genannten "Tagline". Auf
einigen
Beispielsites waren diese Elemente viel zu gross,
aber im Durchschnitt wurden etwa 5% des Platzes fürs
Begrüssen und das Einordnen des Anwenders verwendet. Doch
auch wenn man diese Elemente mit einschliesst, wurden auf den
Beispielsites weniger als die Hälfte des Bildschirmplatzes
mit sinnvollen Pixel genutzt.
Verbrauchsabbildungen
Die nachfolgende Liste und das Kuchendiagramm zeigen die
durchschnittlichen Pixel-Prozentanteile für jede Kategorie
der 50 Homepages:
- Betriebssystem und Browser: 19%
- Navigation: 20%
- für den Anwender interessanten Inhalt: 20%
- Reklamen: 2%
- Eigenwerbung (Werbung für eigenes Material): 9%
- Willkommen, Logo, "Tagline" und andere
Identifikationsmerkmale: 5 %
- Füllmenge (unbrauchbare Kunst, wie zum Beispiel
"eine lächelnde Frau"): 5%
- Unbenutzt: 20%

Durchschnittliche Verteilung des
Platzes
Wir führten so genannte "Usage Mappings" auf Screenshots
von 800 x 768 Pixel durch.
Diese Grösse stimmt zwar mit den meisten
Monitorgrössen überein, behält aber das Browserfenster auf
der Grösse der meist verbreiteten Webseitenbreite, anstatt
auf der maximalen
Bildschirmbreite.
Die Verwendung der oben erwähnten Hauptkategorien war eine sehr
aufschlussreiche Übung. Sie können es auch selbst machen:
Nehmen Sie einen Screenshot ihrer Homepage und legen Sie
halb-transparente farbige Kästchen auf jedes Designelement.
Verwenden Sie dabei eine Farbkodierung für jede wichtige
Bildschirmkategorie. Sie werden häufig erschreckend kleine
grüne (nützlicher Inhalt) oder orange (Navigation) Bereiche
auffinden.
Das oben abgebildete Kreisdiagramm stellt eine durchschnittliche Homepage
dar, aber eine solche gibt es selbstverständlich nicht.
Reklamen zum Beispiel können auf einer
Seite zwischen 0 bis 10% einnehmen; auch andere Kategorien
können drastisch
von einer Site zur anderen variieren.
Fünf verschiedene Arten von Bildschirmelementen
Das Kuchendiagramm zeigt eine überraschend ausgeglichene
Verteilung zwischen fünf Arten von Bildschirmelementen von
denen jedes ungefähr einen fünftel des Bildschirms belegt:
- Zwei sind für den Anwender äusserst interessant:
Navigation und Inhalt
- Zwei beinhalten Kleinigkeiten, welche Anwender für
gewöhnlich ignorieren: alle Arten von Werbung, Site
Identifikationen, füllende Cliparts und auch Pixel, die
buchstäblich unbenutzt sind. (Bitte beachten Sie, dass
die Definition von "ungenutztem" Platz in diesem
Fall nicht die Pixel für weisse Flächen oder Separatoren
beinhaltet, die innerhalb oder neben einer Kategorie
aufgeführt wurden. Mit "ungenutzter Fläche"
meine ich Bereiche des Bildschirms, die einfach leer
waren, oftmals durch fest fixierte Layouts)
- Schliesslich ist es auch überraschend, wie viel Platz
für den Browser, die Scrollbars und anderen Systemüberschuss
verwendet wird. Der typische Website-Designer kann an der
zur Verfügung stehenden Anzahl Pixel nichts ändern,
ausser vielleicht sich an Bill Gates zu wenden mit der
Bitte in Zukunft die Toolbars einfacher zu gestalten.
Empfohlene Platzverteilung
Es ist unmöglich, für jedes einzelne Bildschirmelement
eine Empfehlung abzugeben. Die klassische kooperative Website
zum Beispiel mischt den Inhalt und die Navigation und hebt die
letztere hervor. Zeitungs- und Zeitschriftenhomepages
andererseits benötigen normalerweise eine Menge Platz für
den Inhalt, während Portale oftmals viel mehr Raum für die
Navigation benötigen.
In den meisten Fällen sollte der Inhalt und die
Navigationen den Löwenanteil des zur Verfügung stehenden
Platzes füllen. Es ist eigentlich eine Schande, dass sie nur ca. 39%
der zur Verfügung stehenden wertvollen Pixel einnehmen. Die Site Identifikation und
das Begrüssen sind sicher nicht nutzlos, sollten aber
auf ein Minimum reduziert werden -- es reich aus, den Anwender
darüber zu informieren, wo er sich gerade befindet und klar
zu stellen,
welches Ziel die Website hat. Der vertiefte Zweck ist meist am
besten durch die Navigation und den Inhalt abgedeckt, aber
eine gut ausgewählte "Tagline" kann dem Anwender die Deutung
der Elemente erleichtern.
Obwohl ich Ihnen nicht genau sagen kann, wie viele Pixel
für welchen Bereich verwendet werden sollten, möchte ich Sie
dazu anregen, die Platzverteilung Ihrer Homepage zu
überprüfen. Wenn Sie irgendwo nahe beim Durchschnitt liegen,
dann
ist es kein gutes Zeichen.
Mehr darüber
Mein kürzlich erschienenes Buch Homepage Usability: 50
enttarnte Websites beinhalten die Screenshots der 50
Homepages, welche wir für diese Analyse benutzten. Das Buch
zeigt auch die "Usage Mappings" mit den farbigen
Klarsichtabdeckungen, die zeigen, welche Bereiche der Seiten für welchen Zweck
genutzt worden sind.
|