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Zusammenfassung Übertriebene Medieneinsätze fallen bei Anwendertests
typischerweise durch. Einfacher Text und klare Fotos treten nicht nur besser mit dem Anwender in
Verbindung, sie steigern auch das Gefühl der Steuerbarkeit
und stützen folglich die Mission des Webs als ein Umfeld
unmittelbarer Zufriedenstellung.
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Praktisch jede Web-Usability Studie, die wir durchgeführt
haben belegt, dass Low-End Medieneinsätze den High-End
Medieneinsätzen überlegen sind. Sogar die wenigen Ausnahmen
bestätigen das Phänomen der Überlegenheit von Low-End
Medien: Die Anwender möchten die Kontrolle über das System
haben.
Low-End Medien funktionieren in den meisten Situationen
besser. Zum Beispiel:
- Investor Relations. Als wir die Informationen
über Investor Relations auf Unternehmenswebseiten
prüften, haben wir herausgefunden, dass Investoren
selten auf Webcasts, Multimediaarchive mit Präsentationen und
jährliche Meetings zugegriffen haben. Statt dessen
bevorzugen sie geschriebene Statements über die
finanziellen Ergebnisse und die Visionen des Managements.
Vor allem Laien-Investoren brauchen einfache, einseitige
finanzielle Übersichten, so dass Sie nicht mit Details
zugeschüttet werden.
- E-Commerce. Beim Beobachten von Anwendern
bei Online-Einkäufen haben wir
herausgefunden, dass sich die Anwender häufig die Produkte
näher ansehen wollten, dass aber die Zoom-Funktionalität
und die sich drehenden Multimedia-Darstellungen nur selten
funktionieren. Wenn Anwender detailliertere Informationen
wünschen, sind einfache und klare Fotos viel besser, so zum
Beispiel Hypertextlinks von kleinen zu grossen Bildern.
- Werbung. Anwender klicken weit häufiger auf die
kleinen Textkästchen als auf die animierten
Werbebanner.
Über die High-End Webcasts hatten die Benutzer unserer Investor
Relations Studie Folgendes zu sagen:
"Ich nehme nie an Telefonkonferenzen teil, weil sie zu
lang dauern. Ich möchte die Zeit dafür nicht
aufbringen. Ich bevorzuge es, die Veröffentlichungen der
Presse zu überfliegen, um zu sehen was mich interessiert und
was nicht."
"Ich würde keinem Webcast zuhören und auch nicht
irgendwelchen anderen Audio- Online-Angeboten. Es ist
frustrierend. Die Anwender verkrampfen sich und der Ton ist
nicht gut. Ich würde es bevorzugen, die Informationen einem
Artikel zu entnehmen ... Webcasts sind enttäuschend und
Downloads brauchen ewig lange."
"Webcasts zuhören, ich glaube nicht, dass ich das tun
würde. Ich habe es getan, aber es ist nicht etwas, das ich regelmässig
tun würde ... nur, wenn es interessant wäre. Wenn es mit einem technischen Durchbruch zu tun
hätte --
nicht mit einem Quartalsabschluss. Wenn es etwas mit
Innovativem zu tun hätte."
Warum Einfachheit gewinnt
Es sind nur einige wenige technische Hindernisse, die sich verschwören, um
komplexe Medien für die Anwender weniger ansprechend zu machen.
- Die Bandbreite und Download-Zeit bleiben
entscheidende Punkte der Web-Usability, da viele Anwender
noch immer unter Modem-Verbindungen leiden. Einfache
Medien können normalerweise schneller geladen werden, besonders dann,
wenn Websites die Bilder richtig nutzen (das heisst, wenn
die Sites kleine Bilder auf den Ausgangsseiten darstellen
und grosse nur bei Bedarf).
- Interaktions-Standards für eindrucksvolle
Medientypen fehlen. Wie soll man ein 3-D-Modell genau
drehen? Unterschiedlich auf jeder Site.
Unterschiedlich = schwierig. Im
Gegensatz dazu wissen Anwender, wie man Text liest und
Bilder anschaut.
- Die Suchfunktion funktioniert nur für
Text-Inhalt. Obwohl man
Wörter innerhalb ausgefallener Medientypen indizieren
kann, kann man Informationen, die als Bild, Audio oder
Video dargestellt werden nicht indizieren, folglich werden
sie bei einer Anwendersuche unsichtbar sein. Die
Suchfunktion ist eine der Hauptzugänge zu Websites und
die Sichtbarkeit der Suchmaschinen ist für den Erfolg
einer Website entscheidend (oder auch für Intranetseiten;
die Suchfunktion ist genauso wichtig für internen
Inhalt). Denken Sie an Googlebot als Ihren wichtigsten
Anwender -- und an einen, der für High-End Medien nicht
zugänglich ist.
- Accessibility ist für Anwender mit Behinderungen
möglich, aber für High-End Media erfordert es ein Mehr
an Arbeit.
Diese technischen Probleme werden mit der Zeit verschwinden.
Innerhalb von 10 Jahren werden die meisten Anwender
hoffentlich über einen Breitband-Anschluss verfügen und die
Schnittstellen-Standards für Website werden sich soweit stabilisiert haben,
dass fortgeschrittene Features einfacher zu nutzen sind.
Low-End Medien bleiben aber wegen eines grundlegenden
Faktors bevorzugt: Sie lassen die Anwender ihre Erfahrungen
steuern. Das Web besteht, um eine sofortige Befriedigung
zur Verfügung zu stellen. Die Anwender legen ihre Hand auf
die Maus und entscheiden, wohin sie gehen. Je einfacher es
für die Anwender ist, genau das zu bekommen, was sie
möchten, umso zufriedener werden sie sein.
Low-End Medien geben den Anwendern über folgende
3 Schlüssel-Prozesse die Kontrolle: wie sie lesen, wie einfach sie
relevante Informationen finden und wie einfach sie
Informationen herstellen können.
- Lesen. Mit einfachem Text und Bildern kann der Anwender
die Seite überfliegen und somit kontrollieren, was er liest.
Weil ihr Seiten-Zugang nicht linear ist, können sie
sich so viel oder so wenig Zeit bei einem Element aufhalten,
wie sie möchten. Sie können sich auf gewünschte
Informationen fokussieren, und irrelevante Teile
ignorieren. Demgegenüber neigt übertriebene Media dazu,
oft linear zu sein und so die Anwender zu zwingen, langweilige aufgeplusterte Sequenzen zu
durchlaufen, bevor sie zu den gewünschten Informationen
kommen.
- Den relevanten Inhalt finden. Im Durchschnitt hat Low-End
Media einen höheren Anteil an informativem Inhalt,
während High-End Medien sich meistens nur mit
unbeeindruckendem Inhalt brüsten. Low-End Media ist
sicher nicht von schnödem Inhalt befreit; schauen Sie sich die Bilder von den
"lächelnden Damen" an, wo eigentlich Fotos von
Produkten hingehören. High-End Medien schwelgen jedoch in
absoluter Schönheit und Irrelevanz. Zum Punkt zu
kommen scheint eine Nebensache zu sein, wenn Sie ein Vermögen für ausgefallene
Medien investieren. Schliesslich müssen Sie für das Geld, dass Sie ausgegeben
haben etwas
Kompliziertes zeigen.
- Schreiben. Mit einfacheren Medienformen können
Autoren, die das Material auch wirklich kennen,
wahrscheinlich auch die Inhalte selbst erstellen. Komplexe
Medienformen erfordern für gewöhnlich ein Outsourcing an
externe Teams, die nicht die gleiche tagtägliche
Auseinandersetzung mit der Produktserie haben, die sie zu
erklären versuchen. Je mehr Schichten zwischen das
Know-how und den Inhalt gestellt werden, umso schwächer
wird der Inhalt.
High-End Media führt häufig dazu, dass die Benutzer unter
dem Material, welches die Designer zur Schau stellen möchten
leiden, anstatt sie direkt zum Material zu führen, für das
sie auf die Site gekommen sind. Das widerspricht der
Bewegungsfreiheit, welche eine gute "User Experience" auf dem
Web auszeichnet.
Anstatt die Benutzer mit übertriebener Media beherrschen
zu wollen, sollte man sie mit einfachen Medienmitteln dazu
ermächtigen, die Kontrolle zu haben und ihre Bedürfnisse
unmittelbar erfüllen zu können.
Warum komplexe Medien auf Websites erscheinen
Low-End Medien sind in den meisten Fällen am besten und
sind fast immer günstiger zu implementieren als High-End
Medien. Warum verwenden denn so
viele Websites unpassende aufwendige Medien?
- Designagenturen empfehlen manchmal kompliziertere Lösungen als der Kunde
wirklich braucht,
um ihr Einkommen zu erhöhen.
- Technologieverkäufer "pushen", was
auch immer sie gerade als High-End Technologie verkaufen.
Obwohl 3-D Drehungen und Zooming selten so gut
funktionieren wie einfache "close-up"-Fotos, ist
an jeder Verkaufsshow ein Verkäufer, der 3-D an
Website-Managers verkauft.
- Website-Manager beobachten ihre Anwender nie,
wenn sie mit der Site arbeiten. Sie treffen also
Entscheidungen, ohne klares, aus erster Hand bezogenes
Verständnis der Usability. Weil fortgeschrittene
Lösungen intuitiv besser zu sein scheinen, sind diese
Manager einfache Opfer für die Befürworter der
Kompliziertheit.
Kein Verkäufer wird Web-Manager damit belästigen, Geld
zu sparen, indem sie nur wenig für gute Fotos und ein paar
wenige Seiten mit gut ausformuliertem Inhalt ausgeben.
Fotografen und Texter könnten die Einfachheit befürworten,
doch sie sind normalerweise weniger gut organisiert und
weniger einflussreich als die grossen Hersteller und
Agenturen.
Ausnahmen: Newsletter und Internet-Anwendungen
Low-End Medien bieten nicht immer die höchste Usability
an, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen.
E-Mail-Newsletter sind die erste Ausnahme. Beim Testen
einer breiten Palette von Newsletter haben wir
herausgefunden, dass HTML-Newsletter besser sind, als reine
textbasierte Newsletter. Obwohl ich immer noch empfehle,
eine ASCII-Version für Anwender mit geringen Bandbreiten oder
für Anwender, die Low-End Newsletter bevorzugen anzubieten,
bevorzugen die meisten Anwender HTML. Der Grund? Ein erweitertes Layout macht es leichter,
die Artikel zu
überfliegen und einige wenige Bilder können den kommunikativen Wert
des Newsletters erhöhen.
Internetanwendungen sind eine andere Ausnahme. Die Usability
wird erhöht, wenn ein mit vielen Features ausgestattetes System
grafische
Benutzerschnittstellen besitzt, die im allgemeinen besser
sind, als die plumpen, "page-by-page"-Präsentationen, welche
die traditionellen HTML-Seiten anbieten.
Beide dieser gegenteiligen Beispiele bestätigen meine Hauptgrundregel: Es
ist am besten, den Anwendern eine granulierte Kontrolle über
Ihre Erfahrung zu geben.
- HTML für Newsletter-Layouts zu benutzen erleichtert
das Überfliegen und macht es für die Anwender einfacher,
sich die Punkte heraus zu suchen, die sie lesen wollen.
- Anwendungen mit graphischen Benutzeroberflächen erlauben
eine synchrone Mensch-Maschine Interaktion mit einer direkten
Manipulation der Steuerung und des Feedbacks auf den
Stufen des Wortschatzes und des Alphabets.
Privat Musik und Videos herunter zu laden ist eine andere
offensichtliche Ausnahme (wie auch die entsprechenden legalen
Dienste),
aber diese Internet-Services sind keine Websites. Das gleiche
zählt übrigens auch für E-Mail und Internet-Anwendungen. Es
ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Web und das
Internet unterschiedliche Konzepte sind.
Für aktuelle Websites haben wir während unserer
Usability-Tests eine Ausnahme gefunden; sie bezieht sich auf
den Gebrauch des Webs durch Kinder. Im Gegensatz zu Diensten
für Erwachsene, profitiert eine spezielle
"Kinderecke" auf einer Website von zusätzlichen Soundeffekten und Animationen.
Für Erwachsene ist die Lösung jedoch vollkommen
klar: eine Website ermächtigt die Anwender, wenn sie Inhalt in
Form von Low-End Media liefert, die einfach "überfliegbar" ist
und die Fragen, welche die Anwender möglicherweise haben,
einfach beantwortet. Heben Sie sich die High-End Media für
die seltenen Fälle auf, in denen sie wirklich einen Mehrwert
bringen indem sie etwas zeigen, was sonst nicht darzustellen
wäre.
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