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Kürzlich habe ich einen riesigen
Haufen Berichte über Usability-Studien durchgelesen. Es war mein
Hauptziel, für meinen "Drei-Tages-Workshop über Usability-Praxis"
Statistiken über die Ergebnisse von Usability-Projekten auszurechnen, um
den Teilnehmern zu helfen, ihre Erwartungen an die Studien zu
quantifizieren, die sie starten wollen, wenn sie wieder zu Hause sind.
Eine dieser Statistiken ist wahrscheinlich von grösserem Interesse,
selbst für Leser, die keine Usability-Projekte starten.
Wettbewerbertests sind
ein Spezialtyp der Usability-Studie, bei dem die Designs diverser
Unternehmen der gleichen Branche verglichen werden.
Quer durch die Studien
konnte ich ermitteln, der durchschnittliche Unterschied der gemessenen
Usability beträgt 68%, wenn man zwei Wettbewerber miteinander
vergleicht.
(Da die Rohdaten in Form relativer
Werte vorlagen, habe ich den Durchschnitt über das geometrische Mittel
berechnet. Beim Vergleich von zwei Online-Brokern, als Beispiel, mag es in
der einen Site zwei Minuten gedauert haben, Aktien zu kaufen, in der
anderen drei Minuten. Das Verhältnis zwischen beiden Sites wäre 3/2 =
1,5 – das entspricht einem Unterschied der gemessenen Usability von
50%.)
Wie man Wettbewerbertests einsetzt
Wenn Sie Ihre eigene Site gegen die
Ihres Hauptwettbewerbers testen, werden Sie bei der gemessenen Usability
wahrscheinlich einen Unterschied von 68% ermitteln (das ist der
Durchschnittswert; die Einzelergebnisse variieren beträchtlich). Was heisst
das für Ihr Projekt?
Wenn dabei herauskommt, dass Sie um
68% besser sind als Ihr Wettbewerber, öffnen Sie eine Flasche
Champagner und lassen Sie Ihr Webteam hoch leben. Grinsen Sie genüsslich,
aber lehnen Sie sich nicht zurück.
Wenn Ihre Konkurrenz nicht völlig
inkompetent ist, wird sie ihre eigenen Usability-Studien starten, bald von
den Schwächen ihrer Site erfahren und sie beseitigen. Im Web sind alle
Vorsprünge vorübergehend, und Sie müssen weiter innovativ sein, um
vorne zu bleiben.
In der Hälfte der Fälle werden Sie
natürlich die traurige Botschaft erhalten, dass Sie um 68% schlechter
sind als Ihr Wettbewerber.
Dieses Verdikt hat eine ausgleichende
Komponente: Es ist ein sehr motivierendes Faktum, um es Ihrem oberen
Management zu zeigen. Wenn sie es gesehen haben, werden sie viel eher
bereit sein, eine grössere Wende in der Entwicklung Ihres Webdesigns zu
unterstützen, mit stärkerer Betonung auf Usability und Kundendienst.
(Leider kann man für Intranets
solche motivierenden Statistiken nicht direkt ermitteln. Messen Sie als
Ersatz Ihr Intranet und vergleichen Sie die Ergebnisse mit den veröffentlichten
Usability-Messergebnissen anderer Intranets.)
Manche Wettbewerberstudien ergeben
nur Unterschiede von wenigen Prozent in der gemessenen Usability.
Sie denken vielleicht, dass solche Studien hinausgeworfenes Geld sind,
aber sie können immer noch substanziellen Wert haben, indem sie
Einsichten in spezifische Design-Elemente geben. Auch wenn zwei Sites den
gleichen Gesamtwert erzielen, gibt es gewöhnlich grosse Unterschiede in
den Werten einzelner Komponenten. Einige Aufgaben sind vielleicht auf der
Website Ihres Wettbewerbers viel leichter zu lösen, und solche Aufgaben
zeigen die Bereiche an, in denen Sie von der Konkurrenz lernen und Ihr
Design verbessern können.
Ob der gemessene Unterschied klein
oder gross ist, positiv oder negativ, in jedem Fall lohnt es sich, die
Statistik über die Zeit im Auge zu behalten. Zurzeit sind nur
wenige Unternehmen in ihrem strategischen Usability-Denken weit genug, um
diese Zahlen im Auge zu behalten, aber einer der grössten Nutzen von
Messungen liegt in der Analyse langfristiger Trends. Ziel ist es, Ihr Meta-Design
zu verbessern – das heisst, das Design Ihres Design-Prozesses – ,
damit Ihre Fähigkeit, gute Ergebnisse zu erzielen, einer stetig
ansteigenden Kurve folgt.
Warum die Unterschiede zwischen Wettbewerbern relativ
klein sind
Sie denken vielleicht, ein
durchschnittlicher Unterschied von 68% sei eindrucksvoll. Er ist sicher
gross genug, um Vorstände aufzuregen und zu bewegen, der Usability
Beachtung zu schenken.
Aber ein durchschnittlicher
Unterschied von 68% zwischen konkurrierenden Websites ist recht klein,
wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Usability-Verbesserung beim Redesign
einer Website bei 135% liegt.
Ein paar Erklärungen mögen für diese
Diskrepanz ausreichen.
Ein gegebener industrieller Sektor
hat normalerweise etablierte beste Praktiken des Webdesigns, die alle grösseren
Mitspieler beherrschen. Die besten Praktiken der E-Commerce-Usability
zum Beispiel sind gut dokumentiert und bei den E-Commerce-Designern weit
verbreitet.
Meine Daten gehen davon aus, dass die
Variabilität zwischen Website-Sektoren meist etwa gleich gross ist wie
die Variabilität innerhalb eines gegebenen Sektors. Diese Daten sind
nicht so sicher, wie ich sie gerne hätte, deshalb möchte ich keine
spezifische Statistik darüber veröffentlichen, aber die Standardabweichungen
zwischen Sektoren scheinen etwa 4/5 der Standardabweichungen innerhalb der
Sektoren zu betragen. Folglich ist der gemessene Usability-Unterschied bei
zwei Sites des gleichen Sektors oft kleiner als nach der
Usability-Verteilung im gesamten Web zu erwarten wäre.
Der Grund dafür
ist, dass ein bedeutender Teil der Variabilität verschwindet, sobald
man einen bestimmten Typ von Websites herausgreift.
Normalerweise haben grosse
E-Commerce-Sites eine ziemlich gute Usability, weil ihre Manager wissen,
dass jede Usability-Verbesserung sich direkt in Hunderttausende von
Dollars Mehrverkauf umsetzt und deshalb von den kleinsten
Usability-Messzahlen besessen sind. Im Gegensatz dazu haben grosse
etablierte Unternehmen und Regierungsagenturen oft Sites, die Kundenbedürfnisse
vollkommen ignorieren, weil sie nicht wissen, wie oft ihre Besucher verärgert
weiterklicken.
In jedem Website-Genre wirkt etwas
von dem Phänomen, dass »Flut die meisten Schiffe anhebt«. Wenn Sie das
Glück haben, in einer Usability-bewussten Branche zu sein, können Sie
das meiste von dem, was bekannt ist, anwenden. Sie haben wahrscheinlich
auch die Unterstützung des Managements, wenn Sie Usability-Erkenntnisse
implementieren, und müssen sie nicht unter dem Teppich halten und in
glamouröses Design einwickeln.
Wettbewerberstudien tendieren dazu,
sehr enge Site-Nischen zu vermessen: Sites, die, sagen wir,
Nachschleifhalterungen für Tiefbohrköpfe verkaufen, geben normalerweise
Vergleiche mit den grössten Verkäufern von Nachschleifhalterungen in
Auftrag und keine Studie, die sie mit den Sites von Nanoröhrchenherstellern
vergleicht.
Auch neigen sie dazu, nicht gegen sehr kleine Sites der
Bohrkopfindustrie zu testen, obwohl solche Tests viel grössere
Unterschiede aufzeigen könnten als ein Test von zwei ähnlich grossen
Sites.
Innerhalb eng definierter Nischen
sickern Usability-Steigerungen schnell durch. In der Tat ist es einer der
Hauptgründe für gewöhnliche Wettbewerberstudien, dass man nicht hinter
den Verbesserungen einer Konkurrenzsite zurückbleiben will. Die Tendenz,
die besten Designs zu kopieren, erklärt, warum zwei Sites in derselben
Nische kleinere Unterschiede in der gemessenen Usability aufweisen als man
erwarten möchte.
Kann Usability nachhaltige Wettbewerbsvorsprünge
liefern?
Wenn Sie ein gründliches
Usability-Projekt durchführen, bei dem Sie die Bedürfnisse Ihrer Kunden
ermitteln und Ihre Site entsprechend gestalten, können Sie davon
ausgehen, dass sich Ihre Site im Schnitt um 135% verbessert. Ihre
Wettbewerber allerdings werden sich schnell Ihre besten Ideen »ausleihen«
und Ihren Vorsprung auf 68% verkleinern.
Warum also sollten Sie in Usability
investieren? Warum kopieren Sie nicht einfach die Usability-Ergebnisse
Ihrer Wettbewerber? Drei Gründe:
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Wenn Sie keine eigenen Usability-Studien
durchführen, wissen Sie nicht, bei welchen Design-Ideen es sich
lohnt, sie in Ihre eigene Site zu übernehmen. Eine Idee, die sich in der
Theorie gut anhört, muss in der Praxis keineswegs grossen Nutzen
produzieren. (Individuelle Ansprache in Intranet-Portalen springt ins
Auge; als wir uns eine grosse Zahl von Portalen angesehen hatten., stellte
sich heraus, dass die rollenbasierte Personalisierung besser
funktioniert.)
-
Sie können Usability-Innovationen patentieren
lassen, um die Konkurrenz davon abzuhalten, sie zu stehlen. Die
meisten Webprojekte werden von Marketing-Abteilungen gemanagt, die keine
Erfahrung mit dem Patentsystem haben. Websites sind aber Erfindungen und
sollten geschützt werden, wenn Sie in die Entwicklung von Neuerungen
investiert haben. Sprechen Sie mit den Leuten in Ihrer Rechtsabteilung.
Die könnten einen Patentanwalt kennen, der nicht beisst.
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Schliesslich ist auch ein
Wettbewerbsvorsprung von 68% etwas wert. Der längerfristige Wert der
Usability kommt zum grossen Teil nicht von leicht nachgemachten
Design-Elementen, sondern daher, dass man diese Elemente in einen
einheitlichen Umgang mit Benutzern integriert, der auf dem Verständnis
menschlichen Verhaltens beruht und auf dem Wissen, was Kunden brauchen.
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