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Die älteste Usability-Richtlinie für alle Arten von
Navigationsdesign lautet: Hilf den Benutzern zu verstehen, wo sie gerade gewesen
sind, wo sie jetzt sind und wo sie hingehen können
(Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Die drei Dinge hängen irgendwie
zusammen: Ein guter Überblick über die zurückliegende Navigation hilft
beim Verständnis der aktuellen Position, da sie der Gipfelpunkt der
bisherigen Reise ist. Wenn man seine früheren und gegenwärtigen
Positionen kennt, ist es im Gegenzug leichter zu entscheiden, wo man als nächstes
hingehen will.
Im Web sind die Links ein Schlüsselfaktor dieses
Navigationsprozesses. Die Benutzer können Links aussortieren, die sich
bei früheren Besuchen als unfruchtbar erwiesen haben. Umgekehrt können
Sie Links erneut aufsuchen, die sie in der Vergangenheit hilfreich
gefunden haben.
Besonders wichtig: Zu wissen, welche Seiten sie bereits
besucht haben, bewahrt die Benutzer davor, die gleichen Seiten
unbeabsichtigt wieder und wieder zu besuchen.
Der Preis der einheitlichen Linkfarbe
Im Allgemeinen sind die Webbrowser höchst mangelhaft
beim Unterstützen der Benutzernavigation. Gleichwohl stellen sie eine
Funktion zur Verfügung, die den benutzern hilft, sich selbst zu
orientieren: Die Browser lassen es zu, die Links in verschiedenen Farben
anzuzeigen, je nachdem, ob die Links zu neuen Seiten führen oder zu
Seiten, die die Benutzer bereits gesehen haben. Der Wechsel in der
Linkfarbe gehört zum Webbrowsen, seit Mosaic 1993 erschienen ist, es ist
also vollkommen Standard; fast alle Benutzer verstehen es.
Zurzeit benutzen 74% der Websites verschiedene
Farben für besuchte und nicht besuchte Links, was diesen Design-Ansatz zu
einer starken Konvention macht, die die Leute mittlerweile erwarten.
Die Theorie des Hypertextes, die Geschichte des
Webs und die aktuellen Design-Konventionen zeigen an, dass es
notwendig ist, die Farbe für besuchte Links zu ändern. Des weiteren
haben empirische Beobachtungen bei Benutzertests diverse schwere
Usability-Probleme auf Sites dingfest gemacht, die diese Konvention
verletzen. Wenn Sites die gleiche Farbe für besuchte und nicht besuchte
Links verwenden,
- besuchen die Benutzer ungewollt die gleichen Seiten
mehrfach
- gehen leichter Benutzer verloren, weil ihr Verständnis
für die Bedeutung jedes Links geringer ist
- missdeuten oder übersehen die Benutzer oft den
Unterschied zwischen zwei ähnlichen Links, wenn sie unsicher sind,
welchen davon sie bereits besucht haben, und
- die Besucher geben schneller auf, da ihr Gefühl,
die Site zu beherrschen, reduziert ist, wenn die Site ihre Aktionen
nicht widerspiegelt, um ihnen beim Navigieren zu helfen.
Solche Usability-Probleme sind besonders belastend für
Benutzer mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis, die ohne visuelle
Markierungen oft Schwierigkeiten haben, sich zu erinnern, was sie
angeklickt haben. Freilich ist ein »schlechtes Kurzzeitgedächtnis« eine
Schwäche, die allen Menschen zueigen ist, weshalb alle Menschen
unter gleich bleibenden Linkfarben leiden. Aber das trifft definitiv
einige Menschen stärker als andere, deshalb ist es besonders wichtig, die
Linkfarbe zu wechseln, wenn Sie viele ältere Besucher haben.
Wenn man die überaus starke theoretische und
empirische Begründung für den Gebrauch verschiedener Farben bedenkt, ist
es verblüffend, dass ein Viertel der Websites weiterhin den Leuten zusätzliche
Usability-Probleme aufbürdet, indem sie eine einheitliche Linkfarbe
verwenden.
Warum das Problem fortbesteht
Selbst Leute, die Usability richtig finden, stellen
manchmal die Notwendigkeit, die Linkfarbe zu wechseln, in Frage. Ich
denke, das liegt daran, dass sie, wenn sie ihre eigenen Benutzertests
durchführen, nicht auf die Probleme stossen, die von der unveränderten
Linkfarbe verursacht werden. Leider sind die Symptome dieser Probleme
besonders schwer zu entdecken, wenn man Benutzer beobachtet.
Benutzertests sind im Grunde einfach: Wir lehren sie
in drei Tagen. Die meisten Usability-Probleme sind so offenkundig,
dass jeder sie mit einem einfachen Test identifizieren kann. Wenn Sie
einmal die Grundlagen kennen, wie man gute Aufgaben schreibt und wie man
die Sitzung beschleunigt, ohne das Benutzerverhalten zu verfälschen, können
Sie klar und deutlich sehen, wie Benutzer in Schwierigkeiten kommen, wenn
sie auf schlecht gestaltete Elemente Ihrer Site stossen.
Sagen wir zum Beispiel, ein Benutzer klickt einen
falschen Knopf an. Für jeden Beobachter ist klar, dass ein solches
Benutzerverhalten für einen Designfehler steht. Wenn man auf die
Benutzerkommentare vor dem Anklicken hört, erfährt man, warum sie das
Design missverstanden haben, und bekommt so eine Anleitung, es beim
Redesign besser zu machen.
Fälle, in denen die Benutzer etwas nicht tun,
sind schwerer zu entdecken. Doch auch dann können die meisten Usability-Förderer
viele solcher Probleme identifizieren. Sie beobachten zum Beispiel, dass
bei Ihrem Test niemand Ihre wichtigste Funktion angeklickt hat. Die laut
gedachten Kommentare der Benutzer werden klären, ob sie (a) die Funktion
gesehen haben, ohne sie relevant zu finden; oder (b) die Funktion gar
nicht erst in Erwägung gezogen haben, weil sie zu sehr nach Werbung
aussah.
Zerstreute Usability-Probleme entdecken
Manche Usability-Probleme erfordern mehr Detektivarbeit
und werden von Leuten, die noch relativ neu sind in Sachen Benutzertests,
oft übersehen. Das trifft besonders auf Probleme zu, die aus vielfältigen
einzelnen Bestandteilen zusammengesetzt sind, die sich über die ganze
Site verteilen. Noch schwieriger ist es, solche Probleme zu entdecken,
wenn keiner der Einzelbestandteile für sich allein Schwierigkeiten macht.
Ein relativ einfaches Beispiel für ein Problem, das
auf mehrere Orte verteilt ist, liegt vor, wenn ein Link auf der
Homepage bestimmte Erwartungen weckt, die die Benutzer dazu bringt, die
Informationen auf der Zielseite fehlzudeuten. Der Linktext selbst ist
vielleicht klar, und die Benutzer beschweren sich wahrscheinlich nicht darüber.
Die Zielseite kann ebenfalls klar sein, und die Benutzer beschweren sich
auch darüber nicht, weil sie denken, dass sie sie verstehen. Das
Problem ist, dass sie sie falsch verstehen, weil sie sie im Kontext der
irreführenden Erwartungen interpretieren. Diese Art von Usability-Problem
verlangt den Testbeobachtern hochgradige Schlussfolgerungen ab, die auf
der Erinnerung aufbauen, was auf der vorigen Seite geschehen ist, und das,
obwohl scheinbar nichts von dem Geschehenen den Benutzern Schwierigkeiten
bereitet hat.
Der Schaden, den unveränderte Linkfarben verursachen,
ist eins der Usability-Probleme, die sich am trickreichsten der
Identifizierung durch Benutzertests entziehen. Auf jeder gegebenen
Seite scheinen die Benutzer die Links ganz gut zu verstehen. Die Benutzer
beschweren sich fast nie über die Linkfarben, so lange sie sich vom Rest
des Textes unterscheiden und einigermassen lesbar sind. Alles klar, so
scheint es zumindest.
Doch wenn Sie sorgfältig beobachten, bemerken Sie,
dass sich die Benutzer oft im Kreis bewegen. Sie besuchen die selbe
Seite mehrfach – nicht weil sie das wollen, sondern weil sie nicht
mitbekommen, dass sie schon einmal dort gewesen sind. Die Benutzer hören
auf, wenn sie die meisten Links einer Liste ausprobiert haben, auch
dann, wenn nur noch ein einziger Link übrig ist, den sie nicht probiert
haben; wenn die Links ihre Farbe nicht ändern, bemerken die Benutzer
nicht, dass nur noch ein unbenutzter Link übrig ist.
Ausserdem verursachen unveränderte Linkfarben navigatorische
Konfusion, weil die Benutzer nicht ganz verstehen, was sie ausgewählt
haben oder wo sie sind. Freilich könnte dieses Problem auch auf eine
verworrene Informationsarchitektur oder auf schlecht geschriebene
Etiketten hindeuten; deshalb braucht es Erfahrung, um die wirklichen
Wurzeln der Benutzerschwierigkeiten zu indentifizieren.
Obwohl die untergründigen Folgen unveränderter
Linkfarben bei Benutzertests leicht übersehen werden können, sind sie
sehr real und für die Benutzer problematisch. Viele andere
Design-Strategien, um den Benutzern beim Navigieren zu helfen, etwa Sitemaps,
machen eine Menge Arbeit. Die Möglichkeit, die Linkfarbe zu wechseln,
geben Ihnen die Browser dagegen umsonst, es gibt also keinen Grund, diesen
einfachen Weg, den Benutzern zu helfen, nicht auszunutzen.
Die Verwendung unterschiedlicher Farben für
besuchte und nicht besuchte Links macht Ihre
Site leichter zu navigieren und hebt so die Zufriedenheit der Benutzer.
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