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Werbung ist ein integraler Bestandteil im Alltag eines Internetnutzers: Beim
Surfen im Web begegnet er ihr überall, ganz egal ob er nun die grössten
Portale, etablierte Zeitungen oder gar winzige private Homepages aufsucht.
Bisher konzentrierten sich die
meisten Werbestudien auf die Frage, welchen Erfolg Werbung
erzielt, v.a., wie viel Verkehr sie zum Werber leitet. Wobei man simple
Messzahlen wie Klickraten als Kriterium verwendet.
Leider vernachlässigen dabei die meisten Studien das Benutzererlebnis im
Zusammenhang mit Werbung sträflich. Daher wissen Sitebetreiber, die Werbung akzeptieren,
im Grunde wenig darüber,
was die Werbung mit ihren Besuchern macht, und darüber, in welchem Ausmass
Werbetricks die Glaubwürdigkeit einer Site untergraben. Gleichfalls ahnen die
Werber gar nicht, wie weit ihre Reputation bei jener breiten Mehrheit der Besucher
leidet, die ihre Werbung gar nicht anklickt, sondern sich vielleicht darüber
ärgert.
Mittlerweile liegen Daten vor, mit denen wir beginnen können, diese
Fragen zu beantworten. Auf meiner letzten Konferenz, der User Experience 2004, haben
John Boyd von Yahoo! und Christian Rohrer von eBay eine Menge
Forschungsergebnisse darüber vorgestellt, wie die Benutzer Werbung wahrnehmen.
Im folgenden präsentiere ich ein paar Schlaglichter aus ihren Beiträgen (meine Kommentare
zu ihren Ergebnissen fallen allein unter meine Verantwortung).
Schlechte Werbung
Wenn die Benutzer gefragt wurden, inwieweit verschiedene Aspekte der
Online-Werbung ihr Weberlebnis in Mitleidenschaft ziehen, bewerteten sie die
folgenden Attribute am negativsten:
| Das Designelement... |
Nutzeranteil, der
"sehr negativ" oder "negativ" urteilte |
| ...erscheint als Pop-up-Fenster vor dem
gesuchten Fenster
|
95% |
| ...lädt langsam
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94% |
| ...versucht, einen zum Anklicken zu animieren
|
94% |
| ...verfügt über keinen "Schliessen"-Knopf
|
93% |
| ...verdeckt, was ich sehen will
|
93% |
| ...legt nicht offen, wozu es gut ist
|
92% |
| ...formatiert den Inhalt um
|
92% |
| ...nimmt den grössten Teil der Seite ein
|
90% |
| ...blinkt
|
87% |
| ...wandert quer über den Bildschirm
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79% |
| ...spielt automatisch eine Musik ab
|
79% |
Diese Zahlen basieren auf den Aussagen von 605 Personen aus dem Jahr 2004;
schon 2002 und 2003 wurden ähnliche Zahlen ermittelt. Die Nutzer verbinden oft
stark negative Assoziationen mit Werbung, falls sie die in der obigen
Tabelle aufgeführten Designsünden anwendet. Ein Benutzer bezog sich auf eine Werbung,
die automatisch eine Musik abzuspielen begann, und schrieb: "WENN
IRGENDWAS SCHLIMMER SEIN KANN ALS POP-UPS, DANN DIESES. ICH HASSE SOLCHE
WERBUNG. ICH HASSE, HASSE, HASSE DAS."
Ein anderer Besucher tippte den folgenden Kommentar ins Feedback-Formular einer
grösseren Website: "Leute, Ihr solltet euch schämen! Ich
habe nicht darum gebeten, dass mir 3 Pop-ups auf den Bildschirm springen, wenn
ich euch besuche. Ich besuche keine Single-Sites, und ich will auch meinen Penis
nicht um 10 cm verlängern. Tatsache ist, dass ich keine einzige der
Dienstleistungen brauche, die auf meinem Bildschirm erscheinen. Ich finde es
ekelhaft, wie ihr geldgierigen Schweine für euren egoistischen Profit in meinen
Computer einbrecht. Von nun an werde ich euch boykottieren und JEDEN, den ich
kenne, auffordern, das auch zu tun. Weg mit euch und eurer Pop-up-Werbung!"
Dieser zweite Kommentar illustriert zwar lebhaft den Frust der Benutzer über
Pop-ups, war aber deplatziert, da die Site die anstössige Werbung weder eingeladen
noch verteidigt hat. Die Werbung wurde nämlich von "Spyware" eingeblendet, die
der Besucher unwissentlich installiert hatte.
Dennoch zeugt der Kommentar nicht nur von den heftigen Gefühlen, die von aufdringlicher oder abwegiger Werbung
provoziert werden, er illustriert auch, dass Pop-ups in hohem Ausmass mit unseriösen
Inhalten assoziiert werden.
Die Benutzer haben angefangen, sich gegen Pop-ups zu wehren. Der
Prozentsatz von Benutzern, die nach eigenen Angaben Pop-up- oder
Ad-Blocker-Programme verwenden, ist von 26% im April 2003 auf 69% im September
2004 gestiegen - eine erstaunliche Wachstumsrate.
Die Benutzer hassen die Pop-ups nicht nur, sie übertragen ihren Hass auch
auf die Werbetreibenden, die hinter der Werbung stecken, und auf die
Website, die ihnen die Pop-ups anliefert. In einer Umfrage bei 18'808 Benutzern
antworteten über 50%, dass Pop-ups ihre Meinung vom Werbetreibenden sehr
negativ beeinflusst habe, und fast 40% gaben zu Protokoll, dass sie ihre Meinung
über die Website sehr negativ beeinflusst habe.
Die Leute ärgern sich immer mehr über Pop-ups: In einer 14monatigen
Testperiode von Dezember 2001 bis Februar 2003 ist die Bewertung von
Pop-up-Werbetreibenden auf einer Skala von 1 bis 7 um fast einen ganzen Punkt
negativer geworden.
Gute Werbung
Es gibt nicht viele Werbung, die die Benutzer ausdrücklich mögen, aber
manche Werbemethoden haben eine positive Auswirkung auf das Benutzererleben. Die
Benutzer begrüssen besonders solche Werbung, die klar und deutlich
- anzeigt, was passieren wird, wenn man sie anklickt,
- mit dem zu tun hat, was die Leute gerade online vor haben,
- sich als Werbung zu erkennen gibt,
- Informationen über das anzeigt, was beworben wird, und
- Zusatzinformationen liefert, ohne dass man die Site verlassen muss.
Diese Design-Elemente halten sich eng an die traditionellen
Web-Usability-Richtlinien:
- Die Optionen des Benutzers klar aufzeigen
- Sich deutlich ausdrücken und
- Die Informationen liefern, die die Benutzer haben wollen.
Lektionen für Websites
Sites, die Werbung akzeptieren, sollten es sich lieber zweimal
überlegen, bevor sie solche Werbung aufschalten, die 80-90% der Benutzer heftig
abstossen. Denn das daraus resultierende Absacken in der Kundenzufriedenheit wird
ihren langfristigen Aussichten schaden. Die Werbetreibenden selbst könnten versucht sein, mit ihren
fragwürdigen Methoden weiter zu machen, so lange sich Sites finden, die so etwas
laufen lassen. Schliesslich bringt ihnen das normalerweise höhere Klickraten
ein. Aber hohe Klickraten können nicht das alleinige Ziel sein. Benutzer
nämlich, die durch Täuschung auf einer irreführenden Site gelandet sind,
mögen zwar die Klickrate erhöhen, doch werden sie schwerlich zu zahlender
Kundschaft. Zudem leidet Ihre Marke deutlich, falls Sie sich Kunden zum Feind
machen und Methoden verwenden, die man gemeinhin mit dem übelsten Mist im Web
in Verbindung bringt.
Firmenwebsites können ebenfalls von diesen Studien lernen, auch dann,
wenn sie keine Werbung laufen lassen. Viele Elemente, die die Benutzer beim
Werbedesign hassen, sind auch im normalen Webdesign üblich - mit den gleichen
schlechten Assoziationen. Was man zum Beispiel vermeiden sollte, sind:
- Pop-up-Fenster,
- lange Ladezeiten,
- "verlockende" Links, irreführende Menüpunkte und andere
Elemente, die die Besucher zum Anklicken verführen sollen,
- Inhalte, die den Zweck einer Site oder das Thema einer einzelnen Seite
nicht klar benennen,
- Inhalte, die sich auf der Seite hin- und herbewegen,
- Ton, der automatisch abgespielt wird.
Alle diese Methoden haben bei traditionellen Usability-Studien mit Sites ohne
Werbung Probleme verursacht, und ich habe schon oft vor ihnen gewarnt. Die
Tatsache, dass sie mit den meistgehassten Werbeelementen assoziiert werden, ist
ein weiterer Grund dafür, dass respektable Sites sie unter allen Umständen
vermeiden sollten.
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