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Die Usability gewinnt, wenn die Leute weiterführende Transaktionen auf der
Seite wiederfinden, wo sie ihre erste Transaktion durchgeführt haben. Umgekehrt
geht Usability verloren, falls die ursprüngliche Seite keinerlei Hinweis auf
Dinge enthält, die die Leute in einer späteren Phase brauchen könnten.
Ein paar Beispiele dazu:
- Kürzlich haben wir im Zuge einer neuen Runde der
Intranet-Usability-Forschung den E-Learning-Bereich eines Intranets
getestet. (Die Studie ist in Arbeit; die Ergebnisse werden wir in dem neuen
Intranet-Usability-Tutorium für Fortgeschrittene während der Usability
Week 2005 Konferenzen in New York, Stockholm, London und San Francisco
diskutieren.) Eine der Aufgaben für die Benutzer im E-Learning-Bereich
bestand darin, die Anmeldung zu einem bestimmten Kurs zu annullieren.
Anstatt das Registrierungsformular des Intranets zu benutzen, gingen fast
alle Benutzer direkt zur Seite des Kurses, wo sie sich ursprünglich
angemeldet hatten. Leider gab es auf dieser Seite keinen Link für den
Kursrücktritt.
- Wenn es um E-Commerce-Usability geht, suchen die Benutzer normalerweise
auf der Hauptseite des Produkts nach allen Dingen, die mit dem Produkt zu
tun haben. Um beispielsweise Tinte für einen bestimmten Füllfederhalter zu
kaufen, gehen fast alle Leute zu der Seite, auf der der Füllfederhalter
angeboten wird, in der Hoffnung, dass dort kompatible Nachfüllpackungen
aufgelistet oder per Link angeboten werden. Die Anwender besuchen beim
ersten Anlauf sehr selten den besonderen "Zubehör"- oder "Ersatzteil"-Bereich.
Dies, obwohl viele Websites verwandte Produkte in gerade solchen Bereichen
anbieten (und so ihre Firmenstruktur widerspiegeln). Auch wenn Sie eine
unabhängige Organisationseinheit für Ersatzteile haben, sollten Sie von
der Hauptseite jedes unterstützten Produktes aus auf deren Angebote
verlinken.
- Amazon.com bietet seinen Nutzern beim Besuch einer Seite eines bereits
bestellten Produkts oben einen grossen Kasten, in dem die Bestellung
aufgeführt und ein Link zum Lieferstatus angeboten wird.
Wie diese Beispiele illustrieren, kehren die Benutzer üblicherweise zum
Ursprungsort zurück, um verwandte Handlungen vorzunehmen. Bekannte Seiten sind
nämlich leichter zu finden und erzeugen weniger mentalen Widerstand als eine
ganz neue, unabhängige Handlung oder Suche.
Was man vermeiden sollte
Hier ein kurzes Beispiel für ein gut gemeintes, aber missglücktes Design
bei der IRS (der amerikanischen Steuerbehörde):
- Die Site www.irs.gov bietet eine Überblicksseite für Kleinunternehmen,
die die relevanten Informationen für diese Zielgruppe ausführlich
auflistet. So weit, so gut.
- Einer der obersten Einträge lautet: "Neue Regeln des Schatzamtes
könnten einigen Kleinunternehmen Steuervorteile bringen." Das ist
ein schreckliches Beispiel für eine Kurzbeschreibung: bestehend aus vagen
Ausdrücken und keinen Schlüsselwörtern, die anzeigen, welche
Kleinunternehmen von den neuen Regeln profitieren. Für schwammige
Ausdrücke wie "könnten" und "einige" ist in Weblinks
und Überschriften kaum Platz. Ausserdem sind die Worte
"Kleinunternehmen" und "Steuervorteile" reine
Zeichenverschwendung: wir gehen ja davon aus, dass jede Information auf der
IRS-Website mit Steuern zu tun hat. Und da sich dieser Artikel auf der
Überblicksseite für Kleinunternehmen befindet, hoffen wir doch sehr, dass
er etwas mit Kleinunternehmen zu tun hat.
- Die IRS-Webdesigner machen das aber wieder etwas wett, indem sie auf der
eigentlichen Seite auch ein paar Extras anbieten: Die neuen Regeln des
Schatzamtes sehen bis 2006 "Sektion-179"-Abzüge bis zu einer
Höhe von $ 100.000 vor. Die Sektionsnummer 179 ist natürlich eher für
Bürokraten als für Benutzer interessant, doch deren Einbettung bringt
jenen Besuchern, die bereits von den besonderen Regeln gehört haben und
jetzt mehr darüber erfahren möchten, einen Link mit starker
Informationsfährte. Es wäre allerdings noch besser, wenn das
Bürokratenchinesisch weniger in den Vordergrund träte und die Betonung
mehr auf Schlüsselwörtern läge, die für Normalsterbliche lesbar sind
(wie z.B. "Investmentberater" und "Software").
- Wenn die Besucher dem Link folgen, gelangen sie zu einer Pressemitteilung,
die die Regeln in etwas besserer Sprache erklärt. Allerdings lässt auch
sie die Leute darüber im Unklaren, was sie nun tatsächlich abziehen
können.
- Am Ende der Pressemitteilung stehen Links zur vollständigen Information,
was etlichen Richtlinien für Pressemitteilungen in Websites Folge leistet.
- Und hier folgt nun aber der Fusstritt, der dieses bisher mittelmässige
Nutzererlebnis in einen üblen Fehlschlag verwandelt: Der oberste Link
verweist auf einen Entwurf der Regeln vom Juli 2004 - obwohl die
Pressemitteilung als ausgewiesener Link auf der Kleinunternehmerseite vom
Dezember 2004 stand. (Um der Kränkung gleich auch noch eine Beleidigung
hinzuzufügen, wird dieser Entwurf im PDF-Format angeboten; das verstösst
gegen die Ergebnisse unserer Benutzerforschung mit Journalisten, die klar
festhalten, dass Journalisten PDFs als Bestandteil von Online-Pressearbeit
hassen.)
- Was zu tun ist: Das mindeste ist, dass die Designer den Link zur
veralteten Information in der Pressemitteilung durch einen Link zur
aktuellen Information ersetzen. Noch besser wäre, die Überblicksseite für
Kleinunternehmen zu einem Artikel zu verlinken, der die neuen Regeln klipp
und klar in allgemeinverständlicher Sprache darlegt, anstatt bloss auf eine
sechsmonatige Pressemitteilung zu verweisen.
Wenn Sie eine Ankündigung online stellen, planen Sie ein, dass Sie sie nach
dem Ereignis aktualisieren. Die meisten Benutzer sind an verwertbaren, für sie
relevanten Informationen interessiert (in diesem Fall, wie sie $ 100.000
abziehen können) - und nicht an der Geschichte eines Projekts. Stellen Sie
Folgemeldung online und verlinken Sie von der ursprünglichen Geschichte aus
darauf.
Kontextlinks
Globale Navigation hat zwar einen begrenzten Nutzen, wird aber überschätzt.
Kontextnavigation hat einen bedeutend höheren Wert, weil sie direkte Links zu
Elementen liefert, die für den Benutzer an seinem aktuellen Ort gerade
besonders relevant sind (und vermutlich in seinem aktuellen Interesse liegen).
Weiterführende Informationen sind eine naheliegende Form von Kontextlinks.
Bieten Sie also mehr Links zu weiterführender Information an.
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Institut für Software-Ergonomie und Usability
Silvia Zimmermann, Managing Director
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www.usability.ch
Datum: 07.01.2005
URL: www.usability.ch/Alertbox/20041220.htm
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