|
Kürzlich habe ich 258 Usability-Spezialisten befragt, auf welche Art sie die
Ergebnisse ihrer Studien kommunizieren:
- 42% produzieren einen formellen schriftlichen Testbericht
mit allen methodischen Details
- 36% verfassen ein Ergebnisprotokoll auf die Schnelle
- 24% lassen eine E-Mail zirkulieren, die die wichtigsten
Ergebnisse der Studie auflistet
- 15% kreieren eine Tabelle mit den Ergebnissen
- 14% erfassen die Usability-Ergebnisse in einer Fehler-Datenbank
- 21% präsentieren die Ergebnisse formell in einer Sitzung
- 27% diskutieren die Ergebnisse bei einem informellen Treffen
oder einer Abschlussbesprechung
- 1% zeigen Videos von den Testsitzungen in voller Länge
- 4% zeigen Videos mit den Highlights der Testsitzungen
- 3% entwerfen und zeigen Poster oder andere physische
Exponate.
Es gibt keinen klar überlegenen Ansatz, um die Ergebnisse von
Usability-Studien zu kommunizieren. Die meisten Leute verwenden mehr als eine
Methode, je nach Firmenkultur oder und Ansatz im Usability-Lifecycle.
Wie dem auch sei, die Befragung hat ergeben, dass formelle Berichte und
Kurzberichte die beiden häufigsten Mittel sind, Usability-Ergebnisse
bekanntzumachen. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung.
Wann verwendet man Kurzberichte?
Man kann die Qualität von Benutzeroberflächen maximieren, indem man als
Teil eines iterativen Designprozesses viele Testrunden durchführt. Um
schnell zu sein und die meisten Tests innerhalb eines gegebenen Zeitrahmens
und Budgets abzuwickeln, sind informelle Berichte die beste Option.
Eine formelle Präsentation auf Folienbasis anzulegen, zieht die Sache in die
Länge. Ebenso, wenn man Videos oder Statistiken verwendet. Halten Sie
stattdessen eine schnelle Abschlussbesprechung gleich nach dem Test ab und
strukturieren Sie sie anhand der informellen Testnotizen zum Benutzerverhalten.
Lassen Sie dem Treffen eine kurze E-Mail an das ganze Team folgen (je kürzer
sie ist, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie gelesen wird).
Manche Organisationen halten sich an formelle Präsentationen oder daran,
Folienpräsentationen zirkulieren zu lassen. Aus meiner Sicht ist das eine
schlechte Methode, Usability-Ergebnisse zu dokumentieren. Man kann die
Feinheiten des Benutzerverhaltens nicht in Aufzählungszeichen fassen, und es
ist bereits wenige Monate nach ihrer Erstellung fast unmöglich, eine
Folienpräsentation zu interpretieren.
Extrem kurze Mitschriften eignen sich bei Studien, die zum Ziel haben, in
wiederholten Designschritten jeweils die gröbsten Fehler einer Oberfläche zu
finden. Solche Studien müssen meist nicht lange halten; sobald man die nächste
Designversion erstellt hat, sind die Ergebnisse nur noch selten von Nutzen.
Solange Sie nicht vorhaben, Material mit langfristigem Lerneffekt zu erstellen,
verlieren Sie nicht viel, wenn Sie zu diesen höchst informellen Berichten
greifen.
Zudem kommt es vor, dass ein altes Usability-Thema im letzten Stadium des
Projektes noch einmal sein hässliches Haupt erhebt. Wenn das passiert, ist es
viel nützlicher, eine kurze Beschreibung des Problems aus einer alten Studie
zur Verfügung zu haben als bloss einen Punkt in der Präsentation, der das
Thema anschneidet, ohne aber irgendein Detail des Benutzerverhaltens zu
verraten.
Videoclips und Poster sind relativ selten, aber sie haben natürlich grossen
propagandistischen Wert und helfen deshalb dabei, in der Organisation Usability-Anhänger
zu gewinnen. Ich möchte Sie dazu ermutigen, solche nicht-schriftlichen
Berichtsformate auszuprobieren.
Wann sollte man formell berichten?
Der formelle Bericht bleibt das meistverbreitete Format, aber ich denke, er
wird überstrapaziert, und bevorzuge persönlich rascheres Berichten und
häufigeres Testen. Gleichwohl hat der formelle Bericht seine Berechtigung in
Fällen wie den folgenden:
- Benchmark-Studien oder andere quantitative Tests. Wenn Sie die
Messmethoden nicht im Detail dokumentieren, können Sie die Zahlen nicht
beurteilen. Ausserdem misst man ein Benchmark (einen Indikator)
hauptsächlich deshalb, um ihn später noch einmal zu messen und die
Ergebnisse zu vergleichen. Wenn man das tut, muss man alles über die
ursprüngliche Studie wissen.
- Wettbewerbsstudien. Wenn Sie eine breite Stichprobe alternativer
Designs testen, sind die daraus gewonnenen Lektionen gewöhnlich so
fundamental und interessant, dass sie einen kompletten Bericht mit vielen
Screenshots und tiefgehenden Analysen rechtfertigen.
- Feldstudien. Die meisten Organisationen führen nur selten Studien
an den Aufenthaltsorten der Kunden durch; wenn sie es doch tun, erheischen
die Ergebnisse einen archivierbaren Bericht, auf den man jahrelang
zurückgreifen kann. Zudem ergeben sich aus Feldstudien meist wichtige
Einsichten, die zu komplex sind, als dass man sie in einer kurzen Mitschrift
erläutern könnte.
- Beratungsprojekte. Wenn Sie einen teuren Berater engagieren, um das
Erlebnis Ihrer Benutzer zu bewerten, sollten Sie für längere Zeit von den
gewonnenen Einsichten zehren können. Die Aussensicht ist aber nur dann von
Wert, wenn sie in der Organisation verbleibt, nachdem der Berater weg ist.
Um das sicher zu stellen, brauchen Sie einen Bericht, der sowohl umfassend
ist als auch voller Einsichten.
Alle diese Fälle erfordern eine archivierbare Version der Ergebnisse,
die dem Zahn der Zeit widersteht. Tiefgehende und umfassende Studien enthalten
nicht bloss eine Liste von Korrekturen an der letzten Designversion. Wenn neue
Leute ins Team kommen, sollten sie diverse konzeptionelle Berichte dieser Art
lesen, um etwas über die Hintergründe der aktuellen Design-Richtungen zu
erfahren. Wenn sie das grosse Ganze in Sachen Usability verstehen, hilft das den
Neuen, eine Menge Fehler zu vermeiden.
Die besten Usability-Berichte sind Lernwerkzeuge und können einem ganzen
Team helfen, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Die Anstrengung lohnt
sich, jedes Jahr ein paar formelle Berichte zu produzieren. Ein Weg, Ressourcen
dafür frei zu bekommen und einige Berichte speziell gut hinzukriegen, liegt
darin, Ihre Ambitionen für die alltäglichen Berichte herunterschrauben und sie
informell auf die Schnelle machen.
|