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In den letzten fünf Jahren habe ich einige hundert Intranets überprüft und
dabei einen eindeutigen Trend beobachtet: Intranet-Designs werden sich mit
der Zeit immer ähnlicher. Wir haben einen Punkt erreicht, an dem ein
spezifisches Layout so verbreitet ist, dass es Sinn macht, es zum „de facto
Standard“-Design zu erklären.
Die folgende Grafik habe ich erstellt, indem ich Screenshots von zehn
grösseren Intranet-Homepages übereinander gelegt habe. Jeder Screenshot weist
ein paar Abweichungen auf, aber die Grafik zeigt deutlich eine Tendenz zur
Uniformität bei den Layouts. Und so sieht das allgemeinverbindliche Layout für
Intranet-Homepages aus:

zusammengesetztes Bild aus 10 Intranets
- Waagerechter Balken oben: farbiger Hintergrund, 100 Pixel hoch.
Normalerweise verwendet für das Logo, eine globale Navigation (oft in Form
von Tabs) und eine Suchbox.
- Linke Spalte: farbiger Hintergrund, 200-250 Pixel breit.
Normalerweise verwendet für eine Navigationsleiste mit Untermenüs und/oder
Kontextmenüs zu Optionen des aktuellen Intranet-Teilbereichs.
- Mittlerer Bereich: weisser Hintergrund, 400-600 Pixel breit.
Üblicherweise einspaltig (manchmal auch zwei schmalere Spalten), enthält
ein paar Fotos oder Illustrationen, eine paar aktuelle Schlagzeilen und
Boxen mit Portlets zu den wichtigsten Funktionen und Anwendungen im
Intranet.
- Rechte Spalte: weisser Hintergrund, 200-250 Pixel breit.
Normalerweise verwendet für Boxen, manche mit farbigen Inhalten oder
Bildern.
Ist die Uniformität der Intranets gut oder schlecht?
Ist es schlimm, dass die meisten Intranets gleich aussehen? – Nicht
wirklich, zumal die Benutzer nur das Design ihrer eigenen Firma zu sehen
bekommen. Es besteht also keinerlei Verwechslungsgefahr.
Ausserdem ist eine gewisse Übereinstimmung verständlich: In gewissem Sinn lösen
alle Intranets das gleiche Problem, nämlich die internen Informationen und
Anwendungen des Unternehmens den Mitarbeitern leicht zugänglich zu machen. Je
mehr wir die Usability von Intranets studieren, desto häufiger entdecken wir
gute Lösungen für häufig auftauchende Designfragen.
Viele Intranets werden auf Basis von Portal-Software Plattformen erstellt.
Diese legen nahe, dass man die Intranet-Homepage aus einer Reihe von so
genannten Portlets zusammensetzt. Das Erscheinungsbild dieser Designvorlagen ist
zwar nicht besonders attraktiv, aber es funktioniert. Das ist ein weiterer Grund
für die festgestellte Uniformität der Intranets.
Bei einem meiner jüngsten Intranet-Usability-Seminare fragte mich ein
Teilnehmer, ob Intranet-Designer überhaupt eine Zukunft hätten. Seine Sorge
war, dass die zunehmende Verbreitung von Portal-Plattformen den Intranet-Teams
immer mehr Arbeit abnehmen. Wird es also dort in der Zukunft überhaupt noch
Jobs geben?
Ja, davon bin ich überzeugt. Intranet-Designer haben brillante
Karriereaussichten, auch wenn das Oberflächendesign immer stärker
vereinheitlicht wird und viele Funktionen nicht mehr von Hand kodiert sondern
standardmässig bereitgestellt werden.
Derzeit haben die meisten Intranets eine schlechte Usability, weil das
Projekt für das zur Verfügung stehende Personal zu gross ist. Die Unternehmen
sollten dafür sorgen, dass sich ihre Intranet-Teams auf die wichtige Arbeit an
der Usability konzentrieren können - und den Rest einer Standard-Software
überlassen. Wenn sie sich mit trivialen Funktionen abgeben, nutzen sie Ihre
Zeit schlecht. Wenn sie einen strategischen Beitrag leisten, indem sie
machtvollere Werkzeuge einsetzen, steht ihnen eine viel bessere Karriere bevor.
Die Unterschiede: Farben, Funktionen, Informationsarchitektur und Inhalte
Während sich die Layouts zu einem Standard hin entwickeln, weichen die
Farbschemata stark voneinander ab. Die Fähigkeit, ein Intranet zu nutzen,
hängt nicht von besonderen Farben ab. Aus zwei Gründen sind Farben aber von
Bedeutung: um die Unternehmenskultur zu betonen und um Konsistenz im gesamten
Intranet herzustellen. In den vergangenen Jahren verfolgten fast alle
betrachteten Redesigns den Zweck, das Intranet-Design besser mit dem Branding
des jeweiligen Unternehmens in Einklang zu bringen. Mit diesem Ziel gelingt es
den Intranet-Teams, inkonsistente Unterbereiche einzelner Abteilungen
loszuwerden.
Intranets weisen grundlegendere Unterschiede auf, und zwar bei der
Funktionalität, in der Struktur ihres Informationsraumes
(Informationsarchitektur) und in den eigentlichen Inhalten. Diese Faktoren
variieren stark von Intranet zu Intranet, weil sie von den Eigenheiten der
Unternehmen abhängen.
Verschiedene Branchen haben verschiedene aufgabenspezifische
Intranet-Funktionen. Die Mayo-Klinik zum Beispiel, die eines der zehn besten
Intranets des Jahres 2003 hatte, bietet eine Übersicht über die freistehenden
Betten in all ihren Krankenhäusern – eine Funktion, die man im Intranet von
NedTrain (einem Gewinner von 2005) kaum suchen wird.
Die Killer-Applikation im Intranet des Bahnwartungsunternehmens NedTrain ist ein
Echtzeitinventar über alle verfügbaren Ersatzteile. Vom Ansatz her scheinen
die beiden Funktionen ähnlich zu sein, aber die grossen Unterschiede zwischen
Krankenhausbetten und Maschinenersatzteilen führen zu vollkommen
unterschiedlichen Designs.
In ähnlicher Weise haben kleine, wissensintensive Unternehmen andere Inhalte
und eine andere Informationsarchitektur als riesige Industrieunternehmen, die
wiederum anders sind als grosse Verwaltungseinrichtungen – auch wenn sie genau
so viele Mitarbeiter haben. Ausserdem sind multinationale und mehrsprachige
Intranets ganz anders als Intranets, die ein einzelnes Land bedienen, auch wenn
ihre Layouts im Grunde gleich sind.
Bei der Analyse von Intranets finde ich oft dramatische
Usability-Unterschiede bei Designs, die (mit ein wenig blinzeln) im Grunde
gleich aussehen.
Das heisst: Selbst wenn das Branding des Unternehmens das visuelle
Erscheinungsbild eines Intranets bestimmt und eine Portal-Software über das
Layout entscheidet, brauchen die Unternehmen immer noch ihre Intranet-Teams, die
sich auf die Faktoren mit tieferer Bedeutung konzentrieren: auf Funktionen,
Inhalte, die Informationsarchitektur und andere Aspekte des Interaktionsdesigns.
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