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Die Benutzer sind oft irritiert, wenn Links
auf Websites sie zu Nicht-Web-Dokumenten führen, in denen das
Benutzererlebnis signifikant vom gewohnten Browsen abweicht.
Bei Benutzertests beobachten wir häufig das folgende
Nutzerverhalten: Sobald die Leute ein PDF- oder Word-Dokument,
eine PowerPoint-Präsentation, eine Excel-Tabelle oder ähnliche
Dokumentarten zu Ende betrachtet haben, drücken sie nicht die
Zurück-Schaltfläche im Browser, sondern schliessen das
Fenster. Damit kommen sie zwar tatsächlich aus dem Dokument
heraus, nicht aber zurück auf die ursprüngliche Webseite.
Unerwartet verschwundene Browser-Fenster sind ganz besonders
in Intranets ärgerlich, wo sich die Benutzer oft erst einloggen
oder andere Hürden überwinden müssen, bevor sie Zugang zu den
Dokumentenbeständen haben.
Da Dokumentfenster allzu häufig weggeklickt werden, sollte
man am besten die folgenden Richtlinien für das Verlinken von
Nicht-Web-Dokumenten anwenden:
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Öffnen Sie Nicht-Web-Dokumente in einem neuen Browser-Fenster.
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Warnen Sie die Benutzer vor, dass ein neues Fenster erscheinen wird.
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Entfernen Sie die Browser-Leisten
(wie z.B. den Zurück-Knopf) aus dem neuen Fenster.
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Am besten verhindern Sie, dass der Browser das Dokument direkt
öffnet. Stellen Sie den Benutzer stattdessen vor die Wahl,
die Datei lokal abzuspeichern oder sie in der dafür
vorgesehenen Anwendung zu öffnen (PDFs im Adobe Reader,
Präsentationsfolien in PowerPoint usw.). Leider ist dafür eine
kleine technische Trickserei nötig: Sie müssen in den Übergang
zur betreffenden Datei einen Extra-HTTP-Header hinzufügen. Die
Header-Zeile, die Sie ergänzen müssen, lautet: "Content-disposition:
Attachment". Setzen Sie wenn möglich am Zeilenende noch ";
filename=irgendeinfile.pdf" hinzu, um dem Browser einen
spezifischen Dateinamen zu übergeben für den Fall, dass der
Benutzer die Datei abspeichern möchte. (Mein Dank für diesen
Code geht an Sybren Stüvel.)
All diesen Richtlinien liegt das gleiche Phänomen zugrunde:
Bei diesen Nicht-Web-Dokumenten handelt es sich um typische
PC-Formate. Diese Formate stammen aus spezifischen
Anwendungen, von denen jede mit einem bestimmten Satz an Befehlen und
Navigationsoptionen auftritt, der vollkommen anders ist als beim Browsen durch Websites.
Wenn Sie zum Beispiel mit einer PowerPoint-Präsentation
arbeiten, konzentrieren Sie sich auf die Folien-bezogenen
Funktionen von PowerPoint. Weil das Benutzererlebnis so ähnlich
ist wie beim Arbeiten mit Ihren eigenen lokalen Folien, haben
Sie im Nu die Tatsache ausgeblendet, dass Sie diese Folien von
einer Website herunter geladen haben. Wenn Sie mit den Folien
fertig sind, tun Sie, was Sie immer tun, wenn Sie PowerPoint
beenden: Sie schliessen das Fenster.
Falls eine PC-typische Anwendung innerhalb eines
Browser-Fensters geöffnet wird, tritt ein zweites - ähnlich
unglückliches - Phänomen auf: Da die Benutzer noch die Befehle
und Schaltflächen des Browsers sehen können, glauben Sie
gelegentlich, sie könnten damit das Dokument steuern. Leider
funktionieren Befehle wie "Ansicht Schriftgrad", "Drucken" oder
"Suchen (aktuelle Seite)" bei solchen Dokumenten nicht.
Deshalb ist es besser, wenn man solche gewohnten (und
funktionslosen) Browser-Schaltflächen den Benutzern nicht
anzeigt, so lange sie mit einem Nicht-Web-Dokument arbeiten.
Konflikt mit existierenden Usability-Richtlinien
Seit 1999 ist es eine gesicherte Richtlinie für Web-Usability,
keine neuen Browser-Fenster zu öffnen (vgl. die
englischsprachige Alertbox vom 30.5.1999) - aus folgenden
Gründen:
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Wenn
ungebeten neue Fenster erscheinen, verwirrt das die Benutzer
und bringt sie aus dem Konzept.
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Wenn das neue
Fenster das alte völlig verdeckt, bemerken viele Benutzer gar
nicht, dass sich ein neues Fenster geöffnet hat.
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Technisch
wenig versierte Benutzer können mit multiplen Fenstern nicht
umgehen.
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Neue Fenster
können blinde oder sehbehinderte Benutzer ausser Gefecht
setzen (vgl. die
englischsprachige Alertbox vom 11.11.2001);beispielsweise
dann, wenn sich das neue Fenster ausserhalb des
Bildschirmbereichs öffnet, der für sehbehinderte Benutzer
vergrössert wird.
Designer begründen neue Fenster für gewöhnlich mit dem
Argument, dass sie die "die Benutzer auf der Site halten wollen"
– was aber sehr fadenscheinig ist. Wenn die Leute weg wollen,
gehen sie weg. Und wenn sie nur eben einen Blick auf die neue
Site werfen wollen, werden sie zu Ihrer Site zurückkehren, indem
sie auf "Zurück" klicken - die am zweithäufigsten verwendete
Webfunktion (nach Hypertext-Links). Eigentlich besteht ein
Usability-Problem mit den neu aufgehenden Fenstern gerade darin, dass man nicht mehr wie erwartet zur vorigen
Stelle zurückkehren kann.
Deshalb stehe ich nach wie vor hinter dem alten Ratschlag,
keine neuen Fenster zu öffnen, wenn die Benutzer durchs Web
browsen. Wie kann ich das aber mit der neuen Richtlinie
vereinbaren, derzufolge man PDFs und andere Dokumente in neuen
Fenstern öffnen sollte?
Benutzererlebnis oder Implementierung
Die Antwort auf diesen offensichtlichen Widerspruch liegt in
der Tatsache, dass wir es hier mit Richtlinien zum
Benutzererlebnis zu tun haben - und nicht mit Richtlinien, die aus
der Implementierung von Techniken stammen. Ja, im Hinblick auf
die Implementierung sind beide Fälle einander ähnlich: Man lädt
etwas über einen Hyperlink aus dem Internet herunter, was dann
von einem Web-Browser verarbeitet wird. Aber das
Benutzererlebnis ist in beiden Fällen sehr unterschiedlich – und
deshalb müssen auch die Design-Richtlinien unterschiedlich sein.
Die Benutzer betrachten PDF-Dokumente vom Umfeld her
anders als Webseiten. Navigationsleiste und
Website-Funktionen entfallen, und die Interaktion mit dem
Dokument erfolgt ganz anders als bei einer Website. Genau wegen
dieser Unterschiede entsteht bei den Benutzern der Eindruck,
dass sie nicht browsen, sondern mit einer Anwendung arbeiten. Und
deshalb schliessen sie das Fenster, wenn sie das Dokument
verlassen wollen.
Natürlich ist dieses abweichende Benutzererlebnis einer der
Hauptgründe, diese
verflixten PDFs zu vermeiden, wenn man ein Browser-Erlebnis
gestaltet. PDFs eignen sich für Ausdrucke, nicht aber fürs Lesen am
Bildschirm. Wenn Sie PDFs oder andere PC-typische Dokumente
verwenden müssen, seien Sie sich zumindest bewusst, dass sie
anders sind. Und gehen sie dementsprechend mit ihnen um.
Intranet- oder Website-Design
Die neue Richtlinie, Dokumente in einem neuen Fenster zu
öffnen, ging vor allem aus unseren Benutzertests mit Intranets
hervor, wo solche Dokumente besonders häufig vorkommen.
Interessanterweise stammt ein anderer scheinbarer Widerspruch
zwischen Richtlinien ebenfalls aus der Erforschung von
Intranets: Obwohl es gewöhnlich am besten ist, alle
Suchfunktionen in einer einzigen Box zu vereinen, verlangen
Usability-Richtlinien nach einer
separaten Box für die Suche im Mitarbeiterverzeichnis.
Ansonsten sind die meisten Intranet-Richtlinien gleich wie
für Websites. Die Richtlinie, Dokumente in einem neuen Fenster
zu öffnen, gilt zum Beispiel an beiden Orten, wobei sie bei
Intranets noch mehr Gewicht hat. Wie immer tauchen beim Thema
Usability die beiden Fragen auf: Wer sind die Benutzer? Was
haben sie vor? Weil die Antworten darauf bei Websites anders
sind als bei Intranets, sind auch die Richtlinien manchmal
anders.
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