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Kürzlich habe ich am gleichen Tag zwei Anfragen zum gleichen Thema erhalten. Das ist gewöhnlich ein
Zeichen dafür, dass das Thema auf breiteres Interesse stösst. Ich habe deshalb beschlossen, eine Kolumne darüber zu
schreiben.
Frage Nr. 1:
Ich bin in eine Diskussion über Jump Links verwickelt, bei denen die Benutzer einen Link
anklicken, der sie zu einem vorher definierten Anker Tag
innerhalb einer Seite bringt.
Ich argumentiere mit zwei Ihrer Alertboxen, dass Jump Links nicht viel besser sind als Links, die ein neues Fenster öffnen.
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Frage Nr. 2:
Wäre es möglich, dass Sie zwei Ihrer Empfehlungen zum Öffnen von neuen Fenstern näher erklären könnten:
- "Links, die sich anders verhalten als erwartet untergraben das Verständnis des
Anwenders bezüglich
seinen Vorstellungen über das System. Ein Link sollte ein einfacher Hypertexthinweis sein, welcher die aktuelle Seite
durch neuen Inhalt ersetzt. Anwender hassen unaufgeforderte
"Pop-up"-Fenster."
(Die 10 meist gemachten Webdesign-Fehler
des Jahres 2002, Punkt 6)
- "Die Konsistenz der Interaktion ist ein weiterer Grund, warum es falsch ist, neue Browserfenster zu öffnen:
Normalerweise führt das Anklicken eines Links dazu, dass die Zielseite die ursprüngliche Seite im gleichen Browserfenster
ersetzt. Alles andere verletzt die Erwartungen der Benutzer und gibt ihnen ein unsicheres Gefühl beim Handhaben des Webs."
(Die zehn häufigsten Webdesign-Fehler des Jahres
1999, Punkt 3).
Beide Empfehlungen beziehen sich auf Hyperlinks, die neue Inhalte in ein existierendes Fenster
laden. Impliziert das, dass Links zu Inhalten innerhalb derselben Seite die Benutzer verwirren? Oder anders gesagt, läuft
Ihre Empfehlung darauf hinaus, dass Links ein neues Dokument immer in ein existierendes Browserfenster laden sollten? |
Beide Anfragen beziehen sich die Frage, warum es schlecht ist, wenn ein Link ein neues Browserfenster
oder ein "Pop-up"-Fenster öffnet. Beide Fragesteller vermuten ausserdem
zu Recht, dass diese Argumentation auch auf Links
innerhalb einer Seite zutrifft.
Anker-Tags verletzen das mentale Modell der Benutzer
In Websites sind Links innerhalb einer Seite schlecht, und zwar aus den gleichen Gründen, warum
PDF-Dateien
schlecht sind und warum Mailto-Links, die ohne Warnung E-Mails abfeuern es in die Liste der 10 häufigsten
Designfehler des Jahres 2002 geschafft haben.
Die Benutzer haben aufgrund gemachter Erfahrungen ein mentales Modell für das Verfolgen von
Links entwickelt, das mehrere Elemente enthält:
- Das Anklicken eines Links navigiert mich zu einer anderen Stelle.
- Nach dem Anklicken des Links verschwindet die alte Seite.
- Im Fenster erscheint eine neue Seite, welche die alte Seite ersetzt.
- Man sieht als erstes den oberen Teil der neuen Seite.
- Die "Zurück"-Schaltfläche befördert einen zurück zur alten Seite.
Weil fast alle Klicks so funktionieren, haben die Benutzer die Erwartung, dass das gesamte Web auf
diese Weise funktioniert. Es ist ein einfaches Modell, das Sinn macht.
Anker-Tags innerhalb einer Seite verletzen alle fünf Punkte dieses mentalen Modells:
- Ein Anker-Tag mit dem Ziel innerhalb einer Seite scrollt innerhalb eines Fensters, anstatt den
Nutzer zu einem anderen Ort zu navigieren. Das verwirrt die
Benutzer: Sie nehmen an, dass sie neue Informationen
bekommen, doch wenn sie schon vor dem Klick auf den Link
durch die Seite gescrollt sind, bekommen sie Sachen zu
sehen, die sie bereits kennen.
- Die alte Seite verschwindet nicht; sie bleibt im
gleichen Fenster bestehen. Trotzdem versuchen die
Benutzer, die sich auf einer neuen Seite wähnen,
herauszufinden, inwiefern sich die »neuen« Informationen
von denen unterscheiden, die sie schon gesehen haben - ein
nutzloses Unterfangen.
- Im Browserfenster wird keine neue Seite angezeigt: Es werden die
gleichen Daten angezeigt, nur wird an eine andere Stelle gescrollt.
- Statt am Anfang der Seite landet man gewöhnlich irgendwo in
der Mitte der Seite. Man hat keine Navigationsleiste und
keine sonstigen Design-Elemente zur Verfügung, die man am
oberen Seitenanfang erwartet.
- Ein Klick auf die "Zurück"-Schaltfläche bringt
einen nicht zur
vorigen Seite, sondern zum vorherigen Scroll-Status
innerhalb der gleichen Seite. Das kann Benutzer, die schon
ans obere Seitenende gescrollt sind, bevor sie auf »Zurück«
geklickt haben, doppelt verwirren.
Nachdem sie einige wenige Links innerhalb der Seite und
einige wenige „Zurück“-Links gemacht haben, wissen die meisten Benutzer überhaupt nicht mehr, wo sie sich
innerhalb der Site befinden. Unsere Studien zeigen auch, dass solche Links normalerweise mehr Zeit verschwenden als sie
einsparen, da die Benutzer mehrfach hin- und herklicken und wiederholt das gleiche Material sichten.
Wo Anker-Tags innerhalb der Seite OK sind
Um eine Verwirrung Ihrer Benutzer zu
vermeiden, müssen Sie Ausnahmen, die ihrer Erwartung
widersprechen, im Vorhinein kommunizieren. Es ist z. B. in
Ordnung, Mailto-Links zu verwenden, wenn Sie deutlich
anzeigen, dass die Links ein E-Mail-Programm aktivieren und
die Benutzer nicht auf eine neue Seite navigieren. Das können
Sie durch das Link-Format signalisieren (»donald@duck.com«)
oder mit Worten (»E-Mail an den Kundendienst schicken«).
In ähnlicher Weise gilt: Wenn Sie
unbedingt Links innerhalb der Seite verwenden wollen, dann
sagen Sie es. Fügen Sie beispielsweise eine kurze
Anweisung im Sinne von „Wenn Sie die Links anklicken,
scrollt die Seite zum relevanten Abschnitt innerhalb der
Seite“ hinzu.
Unter dieser Voraussetzung haben Links
innerhalb der Seite zwei akzeptable Einsatzfelder. Erstens bei
langen alphabetischen Listen: Dort können Sie am
oberen Seitenende die Buchstaben des Alphabets anzeigen und
jeden mit der passenden Stelle in der Liste verlinken.
Zweitens bei den häufig gestellten Fragen (FAQs): Dort
können Sie die Fragen am oberen Ende der Seite auflisten und
jede Frage mit der weiter unten stehenden Antwort verlinken.
Beide Ausnahmen folgen einem verbreiteten
Format: einer langen Liste von Themen mit einer
Zusammenfassung am oberen Seitenende, mit Links, welche die
Benutzer direkt zum gewünschten Thema bringen.
Doch auch in diesem Szenario ist es
besser, Links innerhalb der Seite möglichst zu vermeiden. Sie
können die Listen zum Beispiel so kurz halten, dass die
Benutzer leicht hindurchscrollen können. Nur bei sehr langen
Seiten wiegt die eingesparte Zeit die Verwirrung auf, die
Links innerhalb der Seite erzeugen können.
Wir haben neulich eine Website getestet,
die Informationen zu den fünfzig Bundesstaaten der USA auf
einer einzigen Seite aufgeführt hat. Am oberen Bildschirmrand
zeigte die Seite eine Karte der USA mit der Anweisung an die
Benutzer, ihren Bundesstaat anzuklicken.
Als erstes ist es für gewöhnlich schon
eine schlechte Idee, die Benutzer ihren Staat oder ihr Land
auswählen zu lassen, indem sie auf eine Karte klicken. Das
funktioniert zwar für diejenigen von uns, die in einem
grossen Staat wie Kalifornien leben, aber bitte haben Sie
Mitleid mit den Landsleuten aus Rhode Island oder Connecticut.
(Dieses Argument gilt auch für Europakarten: Da ist es gut für
die deutschen Benutzer, aber nicht so ideal für die Belgier.)
Wenn die Nutzer motorisch sicher genug
sind, um ihren eigenen Staat anklicken zu können, scrollt
unsere Beispielseite an den gewünschten Ort. Wenn die
Benutzer beispielsweise auf einen Staat in der Mitte des
Alphabets klicken (etwa New York), dann erscheint der Staat am
oberen Rand des Fensters, und die Benutzer können ihre
Informationen leicht finden. Leider gilt das nicht immer: Wenn
sie zum Beispiel Wisconsin anklicken, dann finden sie meist
Tennessee am oberen Rand des Fensters, weil die Seite nur so
weit hinunterrollt. Das verursacht Verwirrung: "Ich habe
Wisconsin angeklickt, und hier steht Tennessee?"
In dem Fall, wo zu jedem Staat nur wenige
Daten vorhanden sind, ist es deshalb besser, wenn man die
Leute die Seite einfach bis zu ihrem Staat hinunterscrollen lässt.
Sicher ist das lästig, wenn man in Wyoming wohnt, aber in
Wirklichkeit braucht man weniger Zeit, einfach
hinunterzurollen, als dazu, die ungewöhnliche Anweisung zu
verstehen, dass man auf die Karte klicken soll. Schliesslich
sind die Leute auf eine solche Seite gelangt, in dem sie einen
Link wie "Informationen über „Tralala“, geordnet nach
Staaten" angeklickt haben; sie erwarten also eine Liste von
Staaten und wissen, wo sie ihren eigenen dort finden.
Links zu benannten Anker in anderen Seiten
Die Verwendung benannter Anker, um auf
spezifische Stellen einer anderen Seite zu verlinken, ist
nicht so schlimm wie Links innerhalb einer einzelnen Seite.
Wenn Sie zu einem benannten Anker auf
einer anderen Seite verlinken, halten Sie vier der fünf
Erwartungen im mentalen Modell der Benutzer ein: Sie
navigieren, die alte Seite verschwindet, eine neue Seite
erscheint, und sie können auf "Zurück" klicken, um zur
vorigen Seite zurückzugelangen. Das einzige Problem ist die fünfte
Erwartung: Anstatt am oberen Ende der Seite zu landen,
plumpsen die Benutzer gewöhnlich irgendwo in die Mitte.
Zwar ist es sicher besser, nur 20% des
mentalen Modells zu verletzen, aber es ist immer noch eine
schlechte Idee, die Erwartungen der Benutzer überhaupt zu
verletzen. Wenn Benutzer nach dem Anklicken eines Links
irgendwo in der Mitte einer Seite landen, führt das zu
Usability-Problemen, weil die Benutzer das Bedürfnis
haben, sich zu orientieren, wenn sie auf einer neuen Seite
landen. Die Überschrift der Seite, die Einführung, ein
Navigationsapparat liefern den wichtigen Kontext für diesen
Vorgang.
Trotzdem sind benannte Anker verlockend.
Oben auf dieser Seite zum Beispiel habe ich Links zu mehreren
Artikeln, weil ich mich auf Punkte beziehe, die dort
vorkommen. Im Artikel "Die meist gemachten
Webdesign-Fehler des Jahres 2002" beziehe ich mich an
einer Stelle auf Fehler Nr. 6, an anderer Stelle auf Fehler
Nr. 10. Es könnte zwar von Vorteil sein, direkt zu diesen
beiden Abschnitten zu verlinken, doch solche direkten Links
haben auch Nachteile.
Sagen wir zum Beispiel, ich verlinke auf
einen benannten Anker für Nr. 6, wo es um JavaScript in Links
geht. Sicher, Sie sehen diesen Punkt als erstes, aber weiter
unten auf Ihrem Bildschirm sehen Sie die Nr. 7, wo es um das
Phänomen geht, dass selten gefragte Fragen auf FAQ-Seiten
erscheinen. Eine seltsame Fortsetzung der JavaScript-Debatte,
finden Sie nicht? Das ist der Nachteil, wenn die Benutzer in
der Mitte der Seite anfangen, ohne zu verstehen, worum es in
der Seite geht.
Also: Sie sollten benannte Links und
Links innerhalb der Seite vermeiden, weil Sie die Erwartungen
der Benutzer an Hypertext-Links im Web verletzen. Ein Link
sollte eine neue Seite aufrufen. Ein Abweichung von diesem
Modell erfordert eine Erklärung; Sie sollten nur dann davon
abweichen, wenn das den Benutzern signifikant mehr Zeit
erspart, als sie durch das Nachdenken über die anormale
Interaktionstechnik verlieren.
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