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Eine der Fragen, die mir
in meinen Web-Usability-Seminaren am häufigsten gestellt wird, lautet: „Für welche Bildschirmauflösung sollen wir
unser Design gestalten?“ Die vollständige Antwort ist zwar kompliziert,
jedoch grundsätzlich klar:
- Optimieren Sie für
1024x768, dies ist die Bildschirmgrösse, die zurzeit am
weitesten verbreitet ist. Natürlich heisst die generelle
Richtlinie aber, für die gebräuchlichste Bildschirmauflösung
Ihrer Zielkunden zu optimieren. Es könnte also auch eine andere Grösse sein, wenn Sie zum Beispiel ein Intranet für
eine Firma gestalten, die allen ihren Angestellten grosse
Monitore zur Verfügung stellt.
- Legen Sie sich nicht
ausschliesslich auf eine spezielle Bildschirmgrösse fest, da
verschiedene Benutzer verschiedene Grössen haben. Die
Fenstergrösse ist sogar noch unterschiedlicher geworden,
seitdem Benutzer nicht mehr ständig ihre Browserfenster auf
maximale Grösse einstellen (besonders dann, wenn sie grosse
Bildschirme haben).
- Nutzen Sie ein
flexibles Layout, das sich an die augenblickliche Fenstergrösse
des Benutzers anpasst (das heisst: Vermeiden Sie starre
Layouts, die immer gleich gross bleiben).
Zurzeit sind 60% aller
Monitore auf 1024x768 eingestellt. Zum Vergleich: Nur 17%
benutzen 800x600; es ist also offensichtlich weniger wichtig,
für diese Benutzer mit kleiner Anzeige Perfektion
anzustreben. Es ist aber auch klar, dass Sie nicht einfach 17%
Ihres Kundenkreises ignorieren können, indem Sie ein starres
Layout festsetzen, das mehr Platz auf dem Bildschirm benötigt,
als diese 17% zur Verfügung haben.
Optimieren Sie für
1024x768
Wenn ich sage
„optimiere“, dann meine ich, dass Ihre Seite bei der gebräuchlichsten
Bildschirmauflösung am besten aussehen und funktionieren soll. Sie sollte bei anderen Grössen aber immer noch gut
aussehen und gut funktionieren
(deshalb empfehle ich ein flexibles Layout), aber bei 1024x768
sollte sie am besten sein.
Die drei Hauptkriterien für
das Optimieren eines Seitenlayouts für eine bestimmte
Bildschirmgrösse sind:
- Primäre Visibilität: Sind
alle Schlüsselinformationen im primären Anzeigebereich sichtbar, so dass Benutzer sie sehen können ohne zu scrollen?
Dabei muss man abwägen zwischen: Wie viele Themen werden
gezeigt bzw. wie viele Details werden zu jedem Thema gezeigt.
- Lesbarkeit: Wie einfach
ist es, den Text in den verschiedenen Spalten zu lesen, wenn
sie in der jeweils angegebenen Breite erscheinen?
- Ästhetik: Wie gut sieht
die Seite aus, wenn die Elemente in der richtigen Grösse und
am richtigen Ort platziert wurden für die gewünschte Bildschirmgrösse?
Ordnen sich alle Elemente richtig an, also die Erläuterungen
direkt neben den Fotos etc.?
Sie sollten diese drei
Kriterien für sämtliche Grössen beachten, in dem Sie die Grösse
des Browserfensters ständig von 800x600 bis 1280x1024 verändern.
In allen Auflösungen sollte Ihre Seite in den genannten
Punkten gut abschneiden.
Ihre Seite sollte sogar
in noch kleineren oder noch grösseren Auflösungen
funktionieren, auch wenn solche Extreme weniger wichtig sind.
Weniger als ein halbes Prozent aller Benutzer haben immer noch
640x480. Auch solche Benutzer sollten in der Lage sein, auf
Ihre Seite zu gehen, doch es ist ein akzeptabler Kompromiss,
wenn sie dann kein überragendes Design zu sehen bekommen.
Wie das erste Kriterium
zeigt, ist das Scrollen immer noch ein immens
wichtiger Punkt.
Normalerweise möchten Benutzer nicht scrollen (in meinem
neuen Buch, in dem auch Statistiken darüber sind, wie viele
Benutzer auf unterschiedlichen Seiten scrollen, wird das
genauer diskutiert). Also: Wenn Sie Seiten gestalten, denken
Sie daran, wie viel die Benutzer sehen können, wenn sie nur
durch eine oder zwei Bildschirmseiten scrollen.
Sowohl das Scrollen als
auch die primäre Visibilität hängen von der Bildschirmgrösse ab: Grössere
Bildschirme zeigen mehr Inhalte und man muss weniger scrollen. An dieser Stelle müssen Sie für
1024x768 optimieren: Präsentieren Sie Ihre überzeugendsten
Inhalte oberhalb des unteren Bildschirmrandes für diese Auflösung
(und stellen Sie sicher, dass die absolut entscheidenden
Informationen auch bei 800x600 sichtbar bleiben).
Was ist nun mit winzigen
Bildschirmen wie man sie z.B. bei mobilen Geräten hat? Ein
flexibles Design sollte sich so weit verkleinern können, dass
es auf ein Handy passt, aber denken Sie nicht, dass Sie damit
das mobile Benutzererlebnis für Ihre Firma zustande gebracht
haben. Mobile Umgebungen sind etwas Spezielles; um daraufhin
zu optimieren, müssen Sie einen separate Services gestalten,
die weniger Funktionen enthalten, noch prägnanter
geschrieben sind und stärker auf den Kontext achten.
Grosse Bildschirme
Viele Benutzer haben grosse Bildschirmanzeigen. Gegenwärtig haben 18% der Benutzer
mindestens eine Auflösung von 1280x1024. Der Prozentsatz der Benutzer mit grossen
Bildschirmen wächst stetig, wenn auch nicht ganz so schnell,
wie ich es gern hätte.
Grosse Monitore sind der
einfachste Weg, um die Produktivität von Büroangestellten zu
vergrössern, und jemand, der pro Jahr 50.000 $ verdient,
sollte eine Auflösung von mindestens 1600x1200 haben. Ein
Flachbildschirm mit dieser Auflösung kostet weniger als 500
$. Das heisst: So lange der grössere Bildschirm die
Produktivität um mindestens 0,5% steigen lässt, haben Sie
die Investition in weniger als einem Jahr wieder drin. (Die übliche
Firmenbürokratie verdoppelt die Kosten pro Mitarbeiter;
vergessen Sie nie, bei Produktivitäts-Kalkulationen die
Gesamtkosten einzurechnen und nicht das blosse Gehalt.)
Apple und Microsoft haben
beide Berichte veröffentlicht, die versuchen, den Nutzen von
grösseren Monitoren zu belegen. Leider enthalten die Studien
auf Grund von methodischen Schwächen keine glaubwürdigen
Zahlen. Meiner Erfahrung nach steigt die Produktivität
voraussichtlich um 5-10%, wenn die Benutzer ihre Lese- und
Schreibarbeit an einem grossen Monitor erledigen. Dies führt
bei einer Person, die an 10% des Tages Lese- und
Schreibarbeiten am Bildschirm verrichtet, zu einer
Gesamtzunahme der Produktivität um 0,5-1%. Es gibt keinen
Zweifel daran, dass grosse Bildschirme ihr Geld Wert sind.
Ich persönlich benutze
einen 2048x1536-Bildschirm, und ich würde das nicht wirklich
einen grossen Bildschirm nennen. Ich erwarte, dass innerhalb
der nächsten Jahre Bildschirme mit, sagen wir, 5000x3000 in
allgemeinen Gebrauch kommen, zumindest unter hochrangigen
Business-Profis.
Wenn sie mit 1600x1200
anfangen, vergrössern die Benutzer nur selten ihr
Browserfenster auf den gesamten Bildschirm, weil nur wenige
Webseiten auf so einer breiten Leinwand gut funktionieren.
Grosse Fenster sind toll für das Arbeiten mit Tabellen, für
Grafikdesign und viele andere Aufgaben, aber nicht für die
Webseiten nach dem üblichen Paradigma. Heutzutage benutzen
Webbenutzer mit einem grossen Bildschirm ihren Extraplatz
normalerweise für mehrere Fenster und um parallel zu surfen.
Um die Benutzer mit wirklich grossen Bildschirmen in Zukunft bedienen zu können,
brauchen wir wahrscheinlich ein anderes Paradigma als
individuelle Seiten. Vielleicht wird sich eine Zeitungs-ähnliche
Metapher oder eine Art Instrumententafel auf dem weiteren Weg
als überlegen herausstellen.
Jedenfalls verändert das
Suchen nach einem neuen Paradigma nicht die Empfehlungen für
heute: Optimieren Sie für 1024x768, aber designen Sie nicht
ausschliesslich für diese Grösse. Ihre Seite sollte in jeder
Auflösung funktionieren, von 800x600 bis hin zu 1280x1024 und
darüber hinaus.
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