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Die Gegner von Usability haben zwei Gegenargumente gegen
Design-Richtlinien, die sich auf
Benutzertests stützen:
- "Ihr testet Dummköpfe — die meisten Benutzer sind klüger und haben nichts gegen
Komplexität."
- "In der Vergangenheit hattet ihr Recht, aber die Benutzer haben mittlerweile
gelernt, wie man weiterentwickelte Websites nutzt, also kommt es nicht mehr auf Einfachheit
an."
Ich habe beschlossen, diese Behauptungen in einer Studie, die wir momentan durchführen, auf
die Probe zu stellen. Die durch die Studie neu gewonnenen Erkenntnisse werden wir dazu
benutzen, um unseren Kurs „Grundlegende Richtlinien für Web-Usability“ auf den neuesten
Stand zu bringen.
Weil wir heutige Websites mit heutigen Benutzern testen, setzt die Studie automatisch an der
zweiten Behauptung an.
Wir können nicht direkt beurteilen, ob unsere Untersuchungsteilnehmer Dummköpfe sind, da wir
sie nicht einem IQ-Test unterziehen. Jedoch deuten die Kommentare unserer Teilnehmer während
all unserer Studien in den letzten 14 Jahren darauf hin, dass wir jede Menge kluge
Test-Benutzer hatten. Sofern eine spezifische Studie nicht nach Teilnehmern mit einem
anderen Profil verlangt, werben wir meistens Leute mit angesehenen Berufen an – technische
Berater, Aktienhändler, Anwälte, Büroleiter, Grundstücksmakler, Sprachtherapeuten, Lehrer,
um ein paar Berufsbilder aus der ersten Woche unsere derzeitigen Studie zu nennen.
Ein Teil unserer aktuellen Studie testet B2B-Websites, da viele unserer Seminarteilnehmer
an solchen Websites arbeiten. Dieses Mal haben wir Websites ausgewählt, die gezielt
Zahnärzte in klinischen Praxen, IT-Manager aus grossen Aktiengesellschaften und
Geschäftsführer kleinerer Firmen ansprechen. Demzufolge haben wir überproportional viele
Nutzer mit diesen Berufsbildern. Die sind nicht dumm.
Ein Weg, das Niveau der Benutzer quantitativ anzugeben, ist ein Blick auf ihr
Jahreseinkommen. In unserer Vorauswahl betrachten wir das Privateinkommen der Benutzer,
nicht ihr Haushaltseinkommen. Wir rekrutieren jeweils eine gleiche Anzahl von Leuten aus der
Gehaltsgruppe unter $ 50.000, aus der Gruppe mit $ 50.000-99.999 und aus der Gruppe mit
$100.000 und mehr. Die folgende Tabelle vergleicht unsere Benutzer mit der gesamten
US-Bevölkerung (laut Statistischem
Bundesamt) innerhalb der Zielaltersgruppe der Studie
(20-60 Jahre; Kinder,
Jugendliche und
Senioren
haben wir in anderen Untersuchungen erfasst):
Jahreseinkommen
der Benutzer |
Unsere Teilnehmer |
US-Bevölkerung
(Alter 20–60) |
| < $ 50.000 |
33% |
70% |
| $ 50.000–99.999 |
33% |
22% |
| ≥ $ 100.000 |
33% |
8% |
Wir testen definitiv Leute, die wesentlich erfolgreicher sind als der Durchschnitt. Aus drei
Gründen haben wir die Studie zugunsten gut verdienender Benutzer
verzerrt:
- Wir müssen viele Geschäftsleute und Ärzte testen, weil so viele unserer
Seminarteilnehmer
diese als Zielgruppen haben, sei es für Websites oder Intranets.
- Wohlhabende Benutzer können mehr Geld ausgeben und sind somit wichtiger für
Seminarteilnehmer, die an E-Commerce-Websites arbeiten.
- Auch Tagungsteilnehmer, die eine breit gefächerte Verbraucherzielgruppe haben,
profitieren von Präsentationen, die überwiegend auf Studien mit wohlhabenden Benutzern
basieren, denn so können sie dem „Dummen-Benutzer“-Einwand begegnen, wenn sie die Richtlinien
zurück in ihre Teams tragen.
Wir vernachlässigen ärmere Leute nicht – wir haben genug von ihnen in unserer Studie, um
etwas über ihre Bedürfnisse zu erfahren. Jedoch ist unser Teilnehmerprofil eindeutig so,
dass niemand behaupten kann, die Ergebnisse passten nicht auf hoch qualifizierte Benutzer.
Die Benutzerfertigkeiten werden besser
So, nachdem das Thema Qualifikation, bezogen auf unsere Untersuchung, erledigt ist - was
haben wir in den letzten Studien herausgefunden? Wir haben einige Indizien dafür gefunden,
dass die Benutzer in der Tat ein bisschen besser im Umgang mit dem Web werden. Fast alle
Benutzer
- sind besser bei physischen Arbeitsprozessen, wie z.B. beim Bewegen der Maus und beim
Bildschirmscrollen,
- sind selbstbewusster beim Klicken und haben weniger Angst davor, dass sie etwas
kaputt machen könnten,
- kennen die Grundlagen von Suchfunktionen und benutzen diese auch häufiger, als wir
das in der Vergangenheit gesehen haben.
Hinzu kommt, dass
- einige Benutzer Expertenverhalten an den Tag legen; sie öffnen z. B. eines zweites
Browserfenster, um zwei Websites miteinander zu vergleichen, oder ändern die
Zoom-Einstellung einer PDF-Datei.
Wenn die Benutzer gewohnte Aufgaben auf Websites ausführen, die sie oft benutzen, sind die
meisten unglaublich schnell und kompetent. Das führt uns zu zwei interessanten
Schlussfolgerungen:
- Viele Websites sind mittlerweile gut genug, dass die Benutzer sie mit
Loyalität und
häufiger Nutzung belohnen.
- Wenn Leute solche Websites besuchen, neigen sie dazu, die gleichen Dinge wiederholt
zu tun und entwickeln so einen hohen Grad an Routine – was wir in der Vergangenheit nur
selten bei Websites gesehen haben.
Ein Beispiel: Eine Benutzerin scheiterte an fast jeder Aufgabe auf unbekannten Websites, war
jedoch hoch souverän und extrem schnell, wenn es darum ging, auf der Website ihrer Bank Geld
von einem ihrer Konten auf ein anderes zu überweisen.
Browsing- und Recherchekompetenzen nach wie vor schwach
Obwohl die Benutzer bei wiederholten Aufgaben auf ihren Lieblingswebsites erstaunlich gut
sind, sind sie bei den kleinsten Usability-Problemen völlig
ratlos, wenn sie neue Websites
zum ersten Mal besuchen.
Die Leute sind tun sich sehr schwer damit, eine Informationsarchitektur zu
beherrschen, die
von ihrer gewohnten Sichtweise eines Problemfeldes abweicht. Sie schaffen es auch oft nicht,
ihre Interpretation der Inhalte an einen wechselnden Kontext anzupassen. Wenn die Benutzer
zum Beispiel aus einem Bereich der IA in einen anderen springen, denken sie oft, die
Informationen bezögen sich noch auf das vorige Thema.
Die Benutzer sind auch von der Unmenge an Informationen überwältigt, die viele Websites auf
sie loslassen. Ein frisch gebackener Kapitalanleger z. B. hat E-Trade getestet; das könnte
eine grossartige Website sein, um ihn bei seinen ersten Investitionen zu unterstützen, und
sie könnte ihn schrittweise immer stärker in ihre Funktionen einbinden. Stattdessen waren
bereits die ersten Seiten von E-Trade mit Angst einflössendem Jargon wie „ADR“ und „ETF“
gespickt. Um dem zu entkommen, klickte er auf den Link „Active Trading“, in der Hoffnung,
das würde ihm helfen zu verstehen, wie man dort handelt. In Wirklichkeit landete er jedoch
in einem Bereich für hoch erfahrene Anleger, in dem das Fachchinesisch noch schlimmer war.
In der Folge hat sich dieser willige Interessent am Ende entschieden, doch lieber die Finger
von der Eröffnung eines E-Trade-Kontos zu lassen.
Die Erstbesucher einer Website verfügen nicht über das Begriffsmodell, das sie bräuchten, um
die Menüleisten korrekt zu interpretieren und an die richtige Stelle zu navigieren. Weil
ihnen dieses kontextuelle Verständnis fehlt, verschwenden sie Zeit in den falschen
Website-Bereichen und fassen den Inhalt dieser Bereiche falsch auf.
Die Lesekompetenzen der Leute sind wie eh und je, das Schreiben fürs Web ist also so wichtig
wie zuvor. In einem früheren Test haben wir Benutzer mit geringer Lese- und Schreibfähigkeit
untersucht, aber sogar die Benutzer mit höherer Lese- und Schreibfähigkeit in unserer
aktuellen Studie hatten Probleme mit dem dichten Inhalt auf vielen Websites. Als wir z.B.
NASA.gov getestet haben, baten wir die Benutzer herauszufinden, wann sich die Ringe um
Saturn gebildet haben. Ein Benutzer hat tatsächlich eine Seite über Saturn gefunden,
entschied sich dann aber doch für eine falsche Antwort, 1980 – da wurden nämlich zusätzliche
dünne Ringe entdeckt.
Um neuen Benutzern dabei zu helfen sich zurecht zu finden, müssen Websites sie viel mehr
an
die Hand nehmen und stark vereinfachte Inhalte anbieten.
Vergleiche anzustellen ist eine der wichtigsten Aufgaben im Web, und dennoch fällt dies den
Benutzern auf den meisten Websites sehr schwer. Die Testteilnehmer waren besonders zufrieden
mit Websites, die das Vergleichen und Konsolidieren für sie übernehmen, wie z.B.
kayak.com.
Warum sollen Sie sich überhaupt Gedanken machen, ob neue Benutzer Ihre Website verstehen
können, wenn doch Ihre erfahrenen Benutzer dort eine gewohnt vergnügliche Zeit verbringen,
wenn sie geläufige Dinge tun? Weil sich die Leute erst nach dem
Durchwandern der
Neubenutzer-Stufe in treue, erfahrene Benutzer verwandeln. Um Ihr Geschäft wachsen zu
lassen, müssen Sie Ihren Erstbesuchern entgegenkommen, da für diese kleine Schwierigkeiten
eine grosse Rolle spielen und sie oft zum Aufgeben zwingen.
Ausserdem ist es wichtig, das Interaktionsvokabular Ihrer treuen Benutzer zu
erweitern, um ihre Loyalität noch zu verstärken. Weil sie sich so schnell bewegen, verschwenden erfahrene
Benutzer nicht viel Zeit darauf, neue Funktionen kennen zu lernen. Auf ihren Lieblingsseiten
haben die Benutzer einen Tunnelblick: Wenn eine neue Funktion sich nicht sofort als wertvoll
erweist, halten sich die Benutzer an ihr gewohntes, sicheres Gelände, wo sie schnell ihre
Aufgaben schaffen und die Seite dann sofort wieder verlassen können.
Mittlerweile haben unsere Testteilnehmer viel Erfahrung im Umgang mit dem Web (meistens 3
Jahre und mehr), doch online stossen sie immer noch auf schwerwiegende Probleme. Darauf zu
warten, dass die Leute sogar noch mehr Erfahrung sammeln, wird die Probleme wohl kaum lösen.
Websites sind einfach zu schwierig und vertrackt.
Die Google-Gläubigkeit
Die Benutzer leben vom Suchen, aber sie gehen auch am Suchen zugrunde.
Die Suchfunktion ist oft der erste Schritt – oder der zweite, wenn der erste Versuch des
Navigierens fehlgeschlagen ist. Typischerweise formulieren die Benutzer gute erste
Suchwörter und verstehen vage, wie man aus der Suchmaschine
mit entsprechend veränderten Hauptschlagwörtern die erwünschten Seiten herauskitzeln
kann. Um ein Beispiel zu geben: In unserer neuen Studie hat ein Benutzer auf der Suche nach einem günstigen Geschenk für einen
Fussballfan das Suchwort „Fussball Schmuck“ verwendet. Noch vor fünf Jahren hätte ein
solcher Benutzer höchstwahrscheinlich nach „Fussball“ gesucht und wäre dann von den
Ergebnissen begraben worden.
Dennoch, auch heutzutage ändern die Benutzer nur selten ihre
Suchstrategie, wenn die erste Suche fehlschlägt. Eventuell wandeln sie ihren ersten Versuch etwas ab, aber für gewöhnlich
bleiben sie bei der gleichen Herangehensweise, anstatt etwas völlig Neues auszuprobieren.
Ein Benutzer hat z.B. die Website der Mayo-Klinik getestet, um herauszufinden, wie man
sicher stellen kann, dass ein Kind mit Milchallergie ausreichend Kalzium zu sich nimmt. Der
Benutzer startete mehrere Suchen mit dem Suchwort „Kalzium“, benutze aber nie die Wörter
„Milch“ oder „Allergie“.
Ferner tun sich die Benutzer unglaublich schwer, die Resultate auf den Ergebnisseiten der
Suchmaschinen zu interpretieren. Zugegebenermassen, die Ergebnisseiten von Google und den
anderen wichtigen Suchmaschinen enthalten für gewöhnlich eher unleserliches Kauderwelsch als
vernünftige Website-Beschreibungen. Dennoch kann ein Such-Experte (wie
ich) sich die Auflistungen anschauen und die Qualität einer Zielseite wesentlich besser vorhersagen als
der Durchschnittsbenutzer.
Beim Suchen stossen die Benutzer auf drei Probleme:
- die Unfähigkeit, ihre Anfrage nach einer anderen Suchstrategie
auszurichten,
- die Unfähigkeit, die Suchresultate zu verstehen und die wahrscheinliche Nützlichkeit
jeder Zielseite richtig zu bewerten,
- die Unfähigkeit, aus der Masse der schlechten Suchergebnisse
– ob aus Blogs oder aus hochgradig seitenoptimierten Websites, die nicht spezifisch genug sind, um wirklich auf die
Probleme der Benutzer einzugehen – das Richtige auszusortieren.
In Anbetracht dieser Schwierigkeiten sind viele Benutzer den Suchmaschinen ausgeliefert und
klicken hauptsächlich die obersten Links an – ein Verhalten, das wir Google-Gläubigkeit
nennen könnten. Leider sind diese Links oft gar nicht das, was die Benutzer brauchen, und
dann wissen sie nicht, wie sie es besser machen könnten.
Ich verwende den Namen „Google” in der Bezeichnung dieses Verhaltens einfach nur deshalb,
weil es die Suchmaschine ist, die von der riesigen Mehrheit unserer Testbenutzer verwendet
wird. Leute, die andere Suchmaschinen benutzen, haben die gleichen Probleme. Dennoch ist es
wesentlich, im Bereich der Suchmaschinen wieder Wettbewerb
aufzubauen: Es wäre eine Tragödie für die Demokratie, wenn drei Kerle aus einer Firma darüber entscheiden, was Milliarden von
Menschen lesen, lernen und letztendlich denken.
Richtlinien neu bestätigt
Unsere Arbeit bringt viele neue, interessante Ergebnisse zu Fragen wie den folgenden hervor: Was macht eine Website glaubhaft? Was erzeugt Benutzerloyalität? Wir führen zur Zeit noch
mehr Studien durch, um diesen Themen auf den Grund zu gehen; es sind mit die wichtigsten, um
im Laufe des nächsten Jahrzehnts die Rentabilität von Websites zu
verbessern. Sobald wir die Berge an Datenmaterial, die wir sammeln, analysiert haben, werden wir die neuen
Ergebnisse auf unserer nächsten Usability-Konferenz bekannt geben.
Fürs Erste steht Folgendes fest: Wir bestätigen die alten Usability-Richtlinien immer wieder
aufs Neue. Auch wenn wir neue Themen berücksichtigen müssen, verschwinden die alten nicht.
Ein paar Beispiele:
- E-Mail-Newsletters sind nach wie vor der beste Weg, die Benutzer erneut auf die
Website zu locken. Es ist unglaublich, wie oft unsere Studienteilnehmer sagen, dass ein
Newsletter ihr Hauptgrund ist, eine Website erneut zu besuchen. Dagegen sind die meisten
professionellen Benutzer nicht sonderlich interessiert an Podcasts oder Newsfeeds (RSS).
- Wenn sich ein neues Browserfenster öffnet, ist das für die meisten Benutzer höchst
verwirrend. Obwohl viele Benutzer mit zusätzlichen Fenstern, die sie selber geöffnet haben,
klar kommen, verstehen nur wenige, warum die Zurück-Schaltfläche plötzlich in einem neuen
Fenster, das der Computer gestartet hat, nicht mehr funktioniert. Das Öffnen neuer Fenster
war die Nr.2 auf meiner Liste der 10 schlimmsten Webdesign Fehler
1999; dass dieser Design-Ansatz nach wie vor den Benutzern schadet, veranschaulicht die Langlebigkeit von
Usability-Richtlinien, und wie begrenzt die Verbesserung der Benutzerfertigkeiten ist.
- Links, die ihre Farbe nicht ändern, wenn sie angeklickt wurden, stiften nach wie vor
Verwirrung, und lassen die Benutzer unsicher werden, was sie sich auf einer Website schon
angeguckt haben.
- Vorschaltseiten und Intros sind immer noch unglaublich nervig: die Benutzer suchen
die “Skip Intro” Schaltfläche – und wenn sie die nicht finden, verlassen sie die Seite oft
wieder. Ein Benutzer wollte massgeschneiderte Hemden kaufen und besuchte als allererstes
Turnbull & Asser wegen ihres Rufes. Das Anklicken des entsprechenden Links führte auf eine
Seite, auf der ohne Vorwarnung ein Video anlief; es gab keinerlei Möglichkeit, es zu
überspringen und direkt zu den eigentlichen Informationen über die Serviceleistungen zu
gelangen. Der Benutzer schaute sich das Video ein paar Sekunden an, ärgerte sich immer
heftiger darüber, dass er das Video nicht umgehen konnte, und machte schliesslich die
Website zu und ging zu einem Konkurrenten. Der Kunde war verloren.
- Eine recht grosse Minderheit der Benutzer weiss immer noch nicht, dass man auf die
Startseite einer Website gelangen kann, indem man auf das Logo klickt; deshalb empfehle ich
immer noch, einen expliziten „Home“-Verweis auf allen internen Seiten unterzubringen
(natürlich nicht auf der Startseite selbst, weil funktionslose Links, die auf die aktuelle
Seite verweisen, verwirren – noch eine Richtlinie, die wir letzte Woche wieder mehrere Male
bestätigt sahen.) Es fuchst mich besonders, an dieser Richtlinie „expliziter Home-Verweis“
festhalten zu müssen, da ich gehofft hatte, diesen blöden, zusätzlichen Link loszuwerden.
Aber manche Benutzer ändern sich sehr langsam, also müssen wir diese Richtlinie
wahrscheinlich bis 2020 in Kraft lassen – vielleicht länger. Wenigstens ist eine
Breadcrumbs-Navigation ein einfacher Weg, diesem Bedarf zu genügen.
- Die Menschen sind immer noch sehr vorsichtig, ihre persönlichen Daten zu
hinterlassen, manchmal sogar mehr als früher. Besonders die
B2B-Websites in dieser neuen Studie scheiterten auf genau die gleiche Art und Weise wie die meisten Websites bei unserer
grossen
B2B-Website-Studie: Sie verschrecken die Benutzer mit einem Anmelde-Dialog, bevor
sie ausreichend von der Website überzeugt sind.
- Nicht normgerechte Bildlaufleisten werden oft übersehen und führen dazu, dass die
Menschen die meisten Angebote der Website verpassen. Die folgenden Bilder zeigen zwei
Beispiel aus den Tests von letzter Woche.

Auf der Website der Hamburger-Kette Carl’s Jr. baten wir Benutzer, Nährwertinformationen von
verschiedenen Gerichten nachzuschlagen. Viele Teilnehmer dachten, das Menü mit der
Schnellansicht der Produkte umfasse nur Frühstücksangebote, denn das waren die einzigen
Auswahlmöglichkeiten, die ohne Scrollen sichtbar waren (siehe oben). Die Benutzer übersahen
die nicht normgerechte Bildlaufleiste und quälten sich stattdessen oft durch die
PDF-Dateien, die über den Link Nutrition Guide abrufbar waren. (Diese PDF-Dateien
verursachten viele weitere Probleme und bestätigten so uralte Usability Richtlinien. Einige
Benutzer sind mittlerweile geschickt genug, die PDF-Ansichten anzupassen, so dass sie etwas
besser lesbar sind. Doch es bleibt ein mühsamer Prozess.)

Auf der Website von Sundance Resort war eine Benutzerin davon begeistert, Fotos von dort
veranstalteten Festen sehen zu können. Eifrig klickte sie durch alle fünf sichtbaren
Miniaturbilder (siehe oben), bemerkte aber nie das kleine Dreieck ganz oben und unten, das
es den Benutzern ermöglicht, noch mehr Fotos zu sehen (der Kreis links zeigt den unteren
Pfeil im Massstab 1:1).
Web-Usability-Richtlinien sind nicht die einzigen Richtlinien, die unsere neuen Studien
bestätigen. Auf der Website von VW baten wir Teilnehmer, die Konfiguratoren zu benutzen um
ein Auto nach ihren Vorlieben herzurichten. Leider verstiess diese
Mini-Applikation
gegen
einige der grundlegenden Usability-Richtlinien für
Anwendungen, was den Leuten viele
Probleme machte.

Wie der obige Screenshot zeigt, können die Benutzer sich den Stil ihrer Autofelgen aus zwei
Möglichkeiten auswählen (die unter dem Auto zu sehen sind). Dieser einfache Arbeitsvorgang
war jedoch schwierig und fehleranfällig, weil die Option für die Felge, die gegenwärtig am
Auto montiert ist, ausgegraut ist – was in Benutzeroberflächen üblicherweise bedeuten soll,
dass etwas nicht verfügbar ist, und nicht, dass es die gegenwärtige Auswahl ist. Es wäre
viel besser gewesen, beide verfügbaren Felgen immer anzuzeigen und ein Auswahl-Viereck –
oder irgendeine andere graphische Hervorhebung – um die aktuelle Auswahl zu platzieren.
Oberflächen-Konventionen gibt es aus gutem Grund: Sie erlauben den Benutzern, sich auf
ihren Inhalt zu konzentrieren (in diesem Fall das Auto und seine Optionen). Wenn alle
Oberflächenelemente funktionieren wie zu erwarten ist, wissen die Benutzer, wie man die
Benutzeroberfläche zu handhaben hat, um den gewünschten Effekt zu erlangen. Weichen Sie aber
von den Erwartungen der Benutzer ab, dann errichten Sie eine grosse Hürde zwischen den
Benutzern und ihrer Fähigkeit, das Gewünschte zu erledigen. Manche Designer glauben, dies
mache eine Website aufregender. In Wirklichkeit aber macht nicht normgerechtes Design die
Website frustrierender und reduziert die Erfolgschancen der Benutzer drastisch. Was wiederum
die Wahrscheinlich vergrössert, dass die Benutzer die Website umso schneller wieder
verlassen.
Im Falle von VW haben sich die Designer wahrscheinlich mit ihrer eigenen
Metapher ein Bein gestellt: Das Design tut so, als würde man ein echtes Auto in einer echten Werkstatt
zusammenbauen. Wenn zwei Felgen auf dem Boden der Werkstatt lägen und Sie montierten eine
davon ans Auto, dann wäre die montierte Felge vom Boden verschwunden.
In Wirklichkeit sind die Benutzer aber keine Autoschrauber. Sie klicken auf
Oberlächenelemente und erwarten, dass das Bild einer Felge sich verhält wie ein
Oberflächenelement.
In jeder Woche, die unsere Tests andauern, bestätigen wir weitere Hunderte der bestehenden
Usability-Richtlinien. Obwohl wir hoch qualifizierte Benutzer haben und es eine neue Studie
ist, die neue Websites testet, sind die meisten der Ergebnisse dieselben, die wir nun schon
Jahr für Jahr sehen. Usability-Richtlinien bleiben erstaunlich konstant
im Laufe der Zeit,
weil die grundlegenden, menschlichen Eigenschaften die gleichen bleiben.
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