Usability für Senioren |
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Zusammenfassung:Senioren gehören zu den am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppen im Web. Nach einer Schätzung sind allein in den Vereinigten Staaten 4,2 Millionen Internetnutzer älter als 65 Jahre. Tatsächlich stellen die Senioren in sämtlichen Industrieländern einen hohen Bevölkerungsanteil dar, und viele von ihnen verfügen über ein beträchtliches Vermögen. Im Regelfall befinden sich Senioren zwar im Ruhestand, führen jedoch ein sehr aktives Leben und sind oft sehr an moderner Technologie wie dem Internet interessiert, da sie auf diese Weise kommunizieren können und auf dem Laufenden bleiben. E-Mail war die Internet-Anwendung, die in unserer Studie von den Senioren am häufigsten verwendet wurde. Unsere Teilnehmer nutzten das Web hauptsächlich für:
Unsere Studienteilnehmer nutzten das Web, um Lektüre und Recherchematerial für ihre vielseitigen Hobbys und Spezialinteressen zu finden, die von Ahnenforschung über Kochen und Kriegsstrategien bis hin zu Musikinstrumenten reichen. Insgesamt nimmt das Lesen über solche Hobbys einen grossen Anteil der Webnutzung für sich in Anspruch: Die Verschiedenartigkeit der auf ein Thema spezialisierten Webseiten ist dabei für Senioren genau so schwierig zu handhaben wie für andere Nutzer auch. Untersuchung der Website-Nutzung durch Senioren
Usability-Werte für Nicht-Senioren doppelt so hoch
Folgende Tabelle zeigt die Messwerte von vier Usability-Attributen, die durchschnittlich aus diesen vier Aufgaben erzielt wurden:
Die Unterschiede zwischen den Senioren und der Kontrollgruppe sind äusserst aussagekräftig. Werden die Usability-Werte so genormt, dass die von den Senioren erreichte Punktzahl als Grundwert von 100% festgelegt wird, entfällt auf die Nicht-Senioren in allen Fällen eine Gesamt-Usability von 222%. (Durchschnittswert als geometrisches Mittel gerechnet). Das heisst, dass die Gesamt-Usability bei den Nicht-Senioren etwas mehr als doppelt so gut war als bei den Senioren. Warum ist die Usability bei Senioren schlechter? Ausserdem sind viele Senioren in den Ruhestand getreten, ohne sich in ihrem Arbeitsleben je näher mit dem Computer oder dem Internet befasst zu haben. Infolgedessen kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie ein gutes konzeptionelles Modell für die Funktionsweise dieser Technologien verinnerlicht haben, was ihnen das Verständnis der Eigenheiten noch erschwert. Wir haben beispielsweise bei mehreren Nutzern beobachtet, dass diese nicht klar zwischen dem Suchfenster einer Website und dem URL-Fenster des Browsers unterscheiden konnten. Schliesslich handelt es sich ja bei beiden um Eingabefelder, in die man Eingaben eintippt, um woandershin zu gelangen. Der Mangel an Erfahrung mit guten konzeptionellen Modellen ist jedoch kein Grundbestandteil der menschlichen Biologie und wird möglicherweise nicht mehr vorhanden sein, wenn die derzeitige erwerbstätige Bevölkerung ihren Ruhestand antritt. Unsere Untersuchung brachte in vielen Fällen mangelhaftes Design zu Tage, was dazu beitrug, dass das Web für Senioren mehr als doppelt so schwer zu nutzen ist. Eine Berücksichtigung der Design-Richtlinien für Senioren würde viele dieser Usability-Probleme lösen. Und selbst wenn die Web-Usability für jüngere Nutzer immer noch etwas höher wäre, würden die Unterschiede doch drastisch vermindert. Lesbarkeit und Anklickbarkeit Webseiten, die Senioren ansprechen, sollten mindestens Schriftgrad 12 als Standard verwenden. Und alle Seiten, auch diejenigen, die sich nicht an Senioren richten, sollten dem Nutzer die Möglichkeit bieten, die Schriftgrösse nach Belieben zu vergrössern, ganz besonders dann, wenn auf der Site ein kleiner Schriftgrad als Standard festgelegt worden ist. Für Hypertext-Links ist eine grosse Schrift aus zwei wesentlichen Gründen besonders wichtig:
Aufeinander folgende Links, die nicht durch weissen Leerraum voneinander getrennt sind, sollten vermieden werden. Auf diese Art werden Fehlklicks vermindert und der Nutzer findet den richtigen Link deutlich schneller. Diese Regel gilt auch für Befehlsschaltflächen und andere interaktive Objekte, die alle gross genug sein müssen, um leicht anklickbar zu sein. Pull-Down-Menüs, hierarchische "Walking-Menüs" und andere bewegliche Schnittstellenelemente stellen für Senioren, die mit der Maus nicht immer treffsicher sind, ein Problem dar. Es empfiehlt sich daher, statische Benutzerschnittstellenelemente und Designs zu verwenden, die kein pixelgenaues Zielen mit dem Mauszeiger erfordern. Unterstützendes und "fehlertolerantes" Design Senioren fällt es auch schwerer, Suchmaschinen und Formulare zu nutzen, die nicht fehlertolerant sind. So kam es vor, dass unsere Test-Nutzer nicht mehr weiterkamen, da sie Bindestriche in ihre Suchabfragen eingaben oder "bestraft" wurden, weil sie Bindestriche oder Klammern in Telefon- oder Kreditkartennummern verwendeten. Fehlermeldungen waren oft schwer lesbar, entweder, weil die Formulierungen völlig unklar oder ungenau waren oder weil die Platzierung der Meldung auf der Seite zwischen einer Vielzahl anderer Designelemente leicht übersehen wurde. Schlichtes Design ist sogar noch wichtiger als dies ohnehin der Fall ist, wenn Senioren mit Fehlermeldungen umgehen müssen: die Meldung muss sich auf den Fehler beziehen, diesen unmissverständlich erklären und dessen Behebung so einfach wie möglich machen. Website-Aufgaben sollten sich ebenfalls möglichst an Senioren und deren bevorzugte Art, Dinge zu erledigen, anpassen. Hat man Telefonnummern jahrzehntelang in ein und derselben Art geschrieben, empfindet man es als sehr unangenehm, wenn ein Formular eine andere Schreibweise erzwingt. Usability erhöht Zufriedenheit Usability für Senioren ist wichtig, und zwar nicht nur, damit sie als Aufgabe einen einmaligen Kauf erledigen können. Durch eine verbesserte Usability für Senioren können Sie deren Zufriedenheit steigern und somit eine Grundlage für eine dauerhafte Beziehung schaffen. Intranets sollten auch auf Senioren ausgerichtet sein. Die meisten Unternehmen beschäftigen Angestellte von über 60 Jahren, und viele Grossunternehmen verfügen über spezielle Extranets für Pensionäre, die Online-Informationen zu Rentenangelegenheiten bereitstellen und den Kontakt der Firma zu früheren Angestellten fördern. Neben den geschäftlichen Vorteilen haben wir alle auch ein sehr persönliches Interesse an einer verbesserten Usability für Senioren: Es ist die Nutzerkategorie, zu der wir alle eines Tages gehören werden. Sofern das Internet für Senioren funktioniert, ist es bereits heute eine Bereicherung für viele Senioren. Webseiten können jedoch viel leichter zugänglich werden, wenn die einfachen, in unserem neuen Bericht aufgeführten Designrichtlinien angewandt werden. Wenn man diese Richtlinien von Anfang an berücksichtigt, wird deren Implementierung kaum Zusatzkosten im Rahmen eines Web-Design- oder Intranet-Projekts verursachen. Zudem kommen viele der Richtlinien zur Verbesserung der Usability für Senioren auch anderen Nutzern zugute. Wollen Sie mehr darüber erfahren? © Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability. Alle Rechte vorbehalten. Zurück zu Jakobs Alertbox |
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