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Hat das Management-Schlagwort »Sechs Sigma« etwas mit Usability zu tun? Ja, aber wenn man Qualitätsmessungen und –Techniken der Sechs-Sigma-Methode auf die Usability anwendet, steht man einer Herausforderung gegenüber: der aktuelle Stand der Web-Usability ist 100.000 Mal schlechter als das Sechs-Sigma-Qualitätsniveau. Außerdem wenden Designer von Benutzeroberflächen nur selten systematische Methoden der Qualitätskontrolle an. Da müssen wir vom disziplinierteren Qualitätsanspruch der Fertigungsindustrie noch viel lernen. »Sechs Sigma« besagt, dass alle Ergebnisse eines Prozesses, die innerhalb von sechs Standardabweichungen vom Mittelwert liegen, akzeptabel sein müssen. (Der griechische Buchstabe Sigma, s, ist das traditionelle Zeichen für die Standardabweichung in der Statistik). Die folgende Tabelle zeigt Messergebnisse von Qualitätstests quer durch einen Bereich unserer jüngsten Projekte, welche die Usability von insgesamt 139 Websites untersuchten. Die Tabelle gibt die durchschnittliche Erfolgsrate von Benutzern an, die ich als die Fähigkeit der Benutzer definiere, ihre Aufgaben zu bewältigen.
Benutzer, welche Intranets testeten, hatten eine Erfolgsrate von 75%. Intranets tendieren zu höheren Werten als Websites, weil die Angestellten mit dem Intranet ihrer Firma vertraut sind und wahrscheinlich deshalb seine Usability-Probleme besser überwinden können. Das befreit Intranet-Designer jedoch keineswegs von der Pflicht, Usability zu beachten. Erstens ist es inakzeptabel, wenn es Angestellten in 25% der Fälle misslingt, ihre Arbeit zu tun. Zweitens müssen Intranet-Designer Qualitätswerte beachten, die über simple Erfolgsraten hinausgehen. Die benötigte Zeit für eine Aufgabe ist besonders wichtig, weil das Unternehmen die Arbeitszeit seiner Angestellten bezahlt, während sie sich im Schneckentempo durch das Intranet quälen. Qualitätsniveaus vergleichenWie die Tabelle zeigt, sind die Benutzer öffentlicher Websites im Schnitt in zwei von drei Fällen erfolgreich, wenn sie einfache Internet-Aufgaben durchführen. Mit anderen Worten, in 35% der Fälle gelingt es den Benutzern nicht. Das entspricht einem Qualitätsniveau von 1,9 Sigma, nach Rechenart der meisten Sechs-Sigma-Autoren. Intranets kommen auf 2,2 Sigma. (Statistische Anmerkung: Ich würde eine Defektrate von 35% auf einem niedrigeren Sigma-Niveau ansiedeln, aber die Sechs-Sigma-Praktiker korrigieren ihre Zahlen, um sie einer angenommenen »Sigma-Verschiebung« anzupassen. Ich habe ihre Sichtweise hier übernommen und entsprechend korrigiert, damit meine Zahlen mit denen in der Literatur verglichen werden können.)Sechs Sigma toleriert nicht mehr als 3,4 Defekte auf eine Million Fertigungen; das Web dagegen erzeugt 350.000 Defekte pro Million Interaktionen. Der Unterschied zwischen den beiden Qualitätsniveaus hat den Faktor 100.000. Wie kommt es dann, dass das Web dennoch funktioniert? Weil die Leute flexibel sind und es immer wieder neu versuchen, wenn etwas nicht funktioniert hat (allerdings tun sie das dann gewöhnlich auf einer anderen Website). Viele Leute hoffen, dass sich das Web über die heutigen primitiven Funktionen hinausbewegen und viel weiter reichende Benutzerwünsche erfüllen wird. Allerdings zeigt die Tabelle, dass die komplexeren Aufgaben (Web-Anwendungen, Einkaufen) die niedrigsten Erfolgsraten haben, während die einfachsten Aufgaben (wie z. B. das Abonnieren eines E-Mail-Newsletters) am besten funktionieren. Offensichtlich brauchen wir substanzielle Usability-Fortschritte, bevor ein fortgeschritteneres Web Wirklichkeit werden kann. Ein Sechs-Sigma-Verfahren ist machbarIn tausend Zeilen Programmcode kommerzieller Software hinterlassen die Programmierer normalerweise sechs Bugs, was vier Sigma entspricht. Software-Entwicklung liegt im Sigma-Niveau auf halber Strecke zwischen Web-Usability und Fertigung. Die Qualität von Software ist schon schäbig, aber die Qualität von Usability – die bei zwei Sigma schlapp macht – ist erbärmlich. Es wäre ratsam, wenn wir ein paar der Sechs-Sigma-Methoden übernehmen würden, um unser Ringen für eine bessere Web-Qualität zu unterstützen. Die Sechs-Sigma-Qualitätstechnik beruht auf einem fünfstufigen Verfahren namens DMAIC, das für define (Definieren), measure (Messen), analyze (Analysieren), improve (Verbessern) und control (Überprüfen) steht. Mit jedem dieser Schritte können sich Webprojekte zu besseren und systematischeren Qualitätsstandards hinbewegen.
Der letzte Punkt könnte der wichtigste sein. Eine Schlüssellektion aus vielen anderen Bereichen ist, dass kontinuierliche Qualitätsverbesserung der Weg zu wahrer Meisterschaft ist. Glück im Unglück: Web-Usability liegt so weit hinten, dass keine Hoffnung besteht, in einem einzigen Sprung ein akzeptables Qualitätsniveau zu erreichen. Kontinuierliche Verbesserung ist unsere einzige Chance.
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