| Wenn wir mit einem Interessenten über
Usability-Tests sprechen, lautet eine unserer ersten Fragen
immer "anhand welchem Usability Lifecycle haben Sie Ihr
System entwickelt?". Oftmals werden wir dann nur
ungläubig angeschaut, denn vielen ist gar nicht bekannt, dass
es Usabilty Lifecycles gibt, die mehrere
brauchbarkeitsorientierte Lieferergebnisse innerhalb der
einzelnen Projektphasen empfehlen.
Eingebettet in die bekannten Software-Entwicklungsphasen
gehören aus Sicht der Usability zum Beispiel in die Analyse-Phase
des Projektes unter anderem folgende Lieferergebnisse:
- Benutzerprofil-Analyse
- Festlegung der Usability-Ziele (quantitativ und
qualitativ)
- Task Analyse
- User Szenarios
In der Designphase wird nach dem High-Level Design,
in welchem die ersten Grobkonzepte für das Design festgelegt
werden, unter anderem aus Sicht der Usability folgende
Ergebnisse erwartet:
- erste Design-Walkthroughs
- "Conceptual Model"
- Auswahl des Styleguides
- Festlegung der anzuwendenden Standards und Normen
- Prototypen Usability-Tests
Diese Lieferergebnisse laufen alle in einem
Projekt-Meilenstein der Designphase zusammen, den
detaillierten Design-Spezifikationen. Es ist an dieser Stelle
erwähnenswert, dass die Designphase im besten Fall iterativ
ablaufen sollte. Immer wieder durchgeführte
Design-Walkthroughs stellen sicher, dass die
Benutzerfreundlichkeit des Systems nicht plötzlich "aus
dem Ruder läuft".
In der Entwicklungsphase macht es durchaus Sinn,
dass einzelne Designer das Projektteam wechseln und gemeinsam
mit den Programmierern die Entwicklung des Systems betreuen.
Zudem lohnt es sich, auch in der Entwicklungsphase mehrmals
heuristische Evaluationen und Usability-Tests durchzuführen.
Diese Tests müssen nicht in einer Laborumgebung stattfinden,
sondern können vor Ort am Arbeitsplatz des Anwenders mit
einfachen Mitteln durchgeführt werden und zum Teil nur
einzelne Funktionen umfassen.
Die Frage "ob ein Usability Lifecycle nicht zu teuer
ist?" ist unseres Erachtens nicht die richtige Frage.
Entweder man wendet einen Software-Entwicklungs-Lifecycle an,
oder man lässt es bleiben. Wenn man ihn anwendet, macht die
Einbettung zusätzlicher, die Brauchbarkeit der Software
betreffende Lieferergebnisse durchaus Sinn. Denn gemäss Schätzung
von Jakob Nielsen machen die Kosten für Usability-Aktivitäten
max.10% des Projektbudgets aus, je nach Projektgrösse sogar
noch weniger.
Etwas wovon wir aber dringend abraten, ist innerhalb eines
Projektes sämtliche für die Usability budgetierten Ausgaben
auf ein einziges Lieferergebnis aufzuwenden, nämlich am Ende
des Projektes für einen "Usability-Test vor Auslieferung
der Software". Wenn man während des Projektes keine
Usability bezogenen Aktivitäten durchführt, man also nicht
weiss, wer die Anwender sind oder welche Usability-Ziele das
neue System verfolgt, dann macht es nur bedingt Sinn, am Ende
des Projektes einen Usability-Labortest durchzuführen. Denn
erstens sind die Kosten für allfällige Änderungen zu diesem
Zeitpunkt am höchsten und zweitens kann die Erkenntnis, dass
man das System am Anwender vorbei entwickelt hat, für die
einzelnen Projektmitarbeiter sehr frustrierend sein.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Ihren Projekt-
Entwicklungszyklus mit Usability relevanten Lieferergebnissen
ergänzen möchten. Wir beraten Sie gerne.
Datum: 13.01.2003
Autorin: Silvia Zimmermann
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