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18.10.2015

Welche UX-Lieferergebnisse werden am häufigsten produziert und geteilt?

UX-Fachleute produzieren eine Vielzahl von Lieferergebnissen: mindestens die Hälfte unserer Studienteilnehmer verwendete 11 verschiedene Formate. Die Lieferergebnisse, die als am effektivsten bewertet wurden, variierten je nach Zielgruppe stark.

 

by Page Laubheimer (deutsche Übersetzung) - 18.10.2015

 

UX-Aufgaben fallen in vielen verschiedenen Situationen an: von sehr kleinen Startups, die agile Methoden anwenden und wenig Dokumentation erstellen, über Beratungsverträge mit Drittkunden, bis hin zu grossen Konzernen oder Regierungen mit strikten Abläufen und Dokumentationserfordernissen. Was die verschiedenen Arbeitsumfelder eint, ist, dass UX-Fachleute Designideen, Forschungsergebnisse und den Kontext des Projekts verschiedenen Zielgruppen präsentieren müssen. Obwohl wir unsere Arbeit häufig in Konversationen mit anderen beschreiben, helfen uns Lieferergebnisse dabei, Tätigkeiten zu dokumentieren, um sie zu diskutieren, zu präsentieren, zu implementieren und später darauf zuzugreifen.

Lieferergebnisse und Artefakte

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um zu definieren, was wir unter dem Begriff Lieferergebnisse (engl. Deliverables) verstehen:

Im Kontext des Nutzererlebnisses ist ein Lieferergebnis traditionell ein Dokument, das als Bericht der Arbeit, die bisher erledigt wurde, fungiert. Die Lieferergebnisse eines Projekts sind greifbare Aufzeichnungen der absolvierten Arbeit – egal, ob es sich dabei um Forschung oder Design handelt. Einige der klassischen Lieferergebnisse, die aus UX-Tätigkeiten resultieren, sind Berichte über Usability-Tests, Wireframes, Prototypen, Sitemaps, Personas und Flussdiagramme.

In vielen Fällen (vor allem wenn im Rahmen von Beratungsaufträgen gearbeitet wird), werden die Lieferergebnisse vor Beginn der Arbeit vereinbart und in einem Vertrag oder einer Leistungsbeschreibung festgehalten. In anderen Fällen werden sie nach Bedarf erstellt, um während des Lebenszyklus eines Projekts bestimmte Ideen zu kommunizieren.

(Obwohl der Begriff „Lieferergebnis“ bzw. „Deliverable“ meist verwendet wird, wenn mit einem aussenstehenden Partner – wie einem Berater oder einer Designagentur – gearbeitet wird, der dafür bezahlt wird, Dinge „abzuliefern“, zählen wir für unsere Zwecke auch interne Dokumentationen zu den Lieferergebnissen. Selbst wenn Sie eine allein tätige UX-Person sind, die ein Dokument zur eigenen Verwendung erstellt, handelt es sich dabei um einen Liefergegenstand.)

Abbildung 1. Wireframe-Modelle und Prototypen sind die beliebtesten Lieferergebnisse von UX-Fachleuten. Sie werden verwendet, um Seitenlayouts, Informationshierarchien und – im Falle von interaktiven Prototypen – Interaktionen zu kommunizieren (und darauf basierend Usability-Tests durchzuführen). Sie können verschiedene Verbindlichkeitsniveaus (oder Ähnlichkeiten mit dem endgültigen Produkt) aufweisen, um unterschiedliche Ideen in verschiedenen Phasen des Ablaufs zu kommunizieren. Vermeiden Sie es allerdings, unrealistische Inhalte in Wireframes und Prototypen zu verwenden (wie den Text Lorem Ipsum, der hier zu sehen ist).

Da UX-Tätigkeit in so vielen verschiedenen Umfeldern stattfindet, variieren die Arten von Lieferergebnissen stark: von formellen Berichten und Präsentationen bis hin zu Skizzen auf einem Whiteboard, die nur dann dokumentiert werden, wenn jemand mit einem Smartphone ein Foto macht und es an das Team sendet. Wir kommunizieren so viele verschiedene Dinge, dass wir Informationen unterschiedlich bearbeiten müssen, um unseren Standpunkt verschiedenen Zielgruppen verständlich zu machen. Früher bestand oft der Bedarf, zwischen formellen Lieferergebnissen, die umfangreiche, sorgfältig erstellte und überarbeitete Dokumente waren, sowie fragmentierten Artefakten, die während der UX-Tätigkeit auf natürliche Weise entstehen, zu unterscheiden. 

Da allerdings immer mehr Unternehmen einen agilen (oder vergleichbaren) Workflow verwenden, der Dokumentation weniger wichtig macht, gibt es inzwischen gewichtige Gründe dafür, weniger stark überarbeitete Artefakte mit Teammitgliedern, Projektteilnehmern, Führungskräften, Entwicklern und Kunden zu teilen.

Die am häufigsten produzierten Lieferergebnisse

Wir führten vor kurzem eine Studie mit 86 UX-Fachleuten durch, die wir nach den Lieferergebnissen fragten, die sie regelmässig produzieren, und dem Publikum, mit dem sie diese teilen.

Eine interessante Erkenntnis war, dass sogar jene 83% der Teilnehmer, die in agilen Umgebungen arbeiteten (oder einen hybriden Workflow mit agilen Funktionen verwendeten), regelmässig Lieferergebnisse produzieren – obwohl die agile Methode versucht, unnötige Dokumente zu vermeiden und sie sogar als eine Form von Verschwendung betrachtet. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass „agil“ nicht gleichbedeutend mit „frei von Lieferergebnissen“ ist. Die Methode konzentriert die Anstrengungen einfach auf nützlichere Lieferergebnisse und vermeidet Berichte, die nur von wenigen Menschen gelesen werden.

Für jede Art von Lieferergebnis mussten die Teilnehmer angeben, wie häufig sie diese produzieren (von „oft“ bis „nie“). Die am häufigsten produzierten Lieferergebnisse sehen Sie im unten stehenden Diagramm. Obwohl diese Lieferergebnisse tendenziell am häufigsten produziert wurden, sind – wie wir später sehen – nicht alle von ihnen gleich nützlich für alle Zielgruppen.

 

Abbildung 2. In diesem Diagramm werden die Lieferergebnisse nach Prozentsatz der UX-Fachleute, die diese entweder „häufig“ oder „manchmal“ produzieren, gereiht. Wireframes und Prototypen werden am häufigsten produziert, gefolgt von Flussdiagrammen, Sitemaps und Usability-/Analytics-Berichten.

Es ist nicht sehr überraschend, dass die klassischen UX-Lieferergebnisse auch die beliebtesten sind. Wirframes, Prototypen, Flussdiagramme, Sitemaps und Usability-/Analytics-Berichte gehörten zu den fünf am häufigsten produzierten Lieferergebnissen. Interessanterweise lagen Styleguides und Muster-Bibliotheken (ein relativ neuer UX-Liefergegenstand, der in agilen Teams beliebt ist) nur knapp hinter den Usability-/Analytics-Berichten, wobei 61% der Befragten angaben, sie entweder „oft“ oder „manchmal“ zu produzieren.

Welche Lieferergebnisse für welches Publikum?

Im Rahmen unserer Studie wurden UX-Fachleute auch gefragt, welche Lieferergebnisse für verschiedene Zielgruppen am effektivsten sind. Für jede Art von Publikum mussten unsere Teilnehmer maximal 4 Arten von Lieferergebnissen, die sich als effektiv erwiesen hatten, nennen.

1. Internes Management

Wie in der unten stehenden Abbildung 3 gezeigt, entscheiden sich unsere Studienteilnehmer bei der Kommunikation mit Managern und internen Projektbeteiligten am häufigsten für interaktive Prototypen und Usability-/Analytics-Berichte.

Abbildung 3. Dieses Diagramm zeigt den Prozentsatz der Studienteilnehmer, die den jeweiligen Liefergegenstand als effektiv zur Kommunikation mit internen Managern und Projektbeteiligten bezeichneten. Jeder Teilnehmer konnte für die Zielgruppe bis zu 4 Lieferergebnisse auswählen

Interaktive Prototypen bieten ein interaktives Erlebnis, das das Endprodukt am genauesten repräsentiert. Sie sind daher ein wirksames Instrument, um das spätere Nutzererlebnis zu präsentieren. Usability-Berichte und andere Forschungsinformationen erwiesen sich im Bereich des Managements ebenfalls als sehr nützlich, da sie die genauen UX-Empfehlungen klar kommunizieren.

Nur 25% unserer Studienteilnehmer bezeichneten pixelgenaue visuelle Modelle als nützliches Instrument, um der Führungsetage Ideen zu präsentieren. Wenn man bedenkt, wie häufig UX-Fachleute unter Druck stehen, da sie visuelle High-Fidelity-Designs für Projektbeteiligte erstellen müssen, ist es interessant, zu erfahren, dass es sich dabei um einen nicht besonders effektiven Liefergegenstand zur Präsentation von Ideen vor dem internen Management handelt.

2. Drittkunden

Bei der Arbeit mit externen Kunden gehören pixelgenaue Modelle allerdings zu den am häufigsten gewählten Lieferergebnissen. 47% der Studienteilnehmer bezeichneten ein High-Fidelity-Modell als effektiv. Der einzige Liefergegenstand, der für die Arbeit mit Kunden noch häufiger gewählt wurde, waren interaktive Prototypen (67%).  Das deutet darauf hin, dass die Konzentration bei der Arbeit mit externen Kunden, die wenig Erfahrung mit UX-Lieferergebnissen haben, immer noch auf visuellen Designs liegt. Für diese Projektbeteiligten ist es von Vorteil, wenn Funktion, Informationsarchitektur und Interaktionsdesign in einem schönen, realistischen Modell präsentiert werden.

Abbildung 4. Dieses Diagramm zeigt den Prozentsatz der Studienteilnehmer, die den jeweiligen Liefergegenstand als effektiv zur Kommunikation mit Drittkunden bezeichneten. Jeder Teilnehmer konnte für die Zielgruppe bis zu 4 Lieferergebnisse auswählen

3. Entwickler und Techniker

Wenn Entwicklern Ideen präsentiert werden müssen (zur Zusammenarbeit und zur Übermittlung von Spezifikationen zur Implementierung), sind wiederum interaktive Prototypen die effektivste Methode. Lieferergebnisse, die für die anderen Projektbeteiligten weniger hilfreich waren, waren bei Technikern wesentlich beliebter, was vor allem Flussdiagramme, Sitemaps und Styleguides betraf. Diese Arten von Lieferergebnissen konzentrieren sich stark auf strukturelle Details und enthalten Interaktionsinformen, die für die Implementierung wichtig sind. Es ist daher wenig überraschend, dass sie bei der Kommunikation mit Entwicklern besonders wichtig sind.

Abbildung 5. Dieses Diagramm zeigt den Prozentsatz der Studienteilnehmer, die den jeweiligen Liefergegenstand als effektiv zur Kommunikation mit Entwicklern und Technikern bezeichneten. Jeder Teilnehmer konnte für die Zielgruppe bis zu 4 Lieferergebnisse auswählen.

Lessons Learned

Diese Daten bringen einige klare Trends zu Tage: interaktive Prototypen sind das beliebteste Lieferergebnis für verschiedene Zielgruppen und die meisten UX-Fachleute betrachten sie als effektives Kommunikationsinstrument, um das Publikum davon zu überzeugen, einen Plan umzusetzen. Wir unterschieden bei unserer Umfrage zwischen statischen Wireframes und interaktiven Prototypen, woraus sich eine faszinierende Tatsache ableiten lässt: statische Wireframes sind insgesamt der am häufigsten produzierte Liefergegenstand (71% der Teilnehmer produzieren „oft“ statische Wireframes), allerdings gehören sie nicht zu den Top 4 der effektivsten Lieferergebnisse für irgendein Publikum.

Das deutet darauf hin, dass nicht-interaktive Wireframes meist Artefakte sind, die UX-Fachleute zur eigenen Verwendung produzieren – entweder als natürlichen Teil ihres Designablaufs oder zur Verwendung in Usability-Tests – aber nicht oft mit anderen teilen. Interaktive Prototypen (mit verschiedenen Niveaus der visuellen, interaktiven und inhaltlichen Wiedergabetreue) geben dem Publikum ein Gefühl für das Nutzererlebnis des Produkts, da sie weniger abstrakt sind als Wireframes mit Blockdiagrammen.

Usability-Berichte gehören zu den wichtigsten Lieferergebnissen für die meisten Zielgruppen – mit Ausnahme der Entwickler. Das deutet vermutlich darauf hin, dass die Teilnehmer die Entwickler meistens nicht davon überzeugen mussten, dass Probleme mit der Usability bestehen, und dass sich die Lieferergebnisse für dieses Publikum auf technische Details und Implementierungsdaten konzentrierten.

Abbildung 6. Dieses Diagramm zeigt die fünf effektivsten Liefergestände für jede der drei Zielgruppen. Überschneidungen der Kreise repräsentieren Lieferergebnisse, die sich für mehrere Zielgruppen eignen. Nur eine Art von Liefergegenstand wurde für alle drei Zielgruppen als effektiv eingestuft (interaktive Prototypen). Entwickler hatten die speziellsten Bedürfnisse, weshalb drei Lieferergebnisse nur für ihre Bedürfnisse geeignet sind. Es gab unter den Top 5 keine Lieferergebnisse, die sich ausschliesslich für interne Manager eignen. Pixelgenaue Modelle wurden nur für externe Kunden als effektiv eingestuft.

Was diese Daten auch zeigen, ist, dass es mit Ausnahme von Prototypen keinen „allgemeingültigen“ Liefergegenstand gibt, der für jede Zielgruppe gleich effektiv ist. Jede Art von Liefergegenstand ist ein Instrument im Repertoire von UX-Fachleuten und kann im richtigen Kontext und mit dem richtigen Publikum ein effektives Kommunikationsinstrument werden.

Mehr über die Resultate dieser Studie erfahren Sie in unserem ganztägigen Kurs „UX-Lieferergebnisse“. Falls Sie mehr über die beliebtesten Formate wissen möchten, besuchen Sie unseren ganztätigen Kurs „Wireframes und Prototypen“.


© Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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