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20.03.2016

Wie Chunking die Verarbeitung von Inhalten unterstützt

Chunking ist ein Konzept aus dem Bereich der kognitiven Psychologie. UX-Fachleute können ihre Texte und Multimedia-Inhalte in kleinere Chunks unterteilen, die von Nutzern besser verarbeitet, verstanden und in Erinnerung behalten werden.

© kentoh

 

by Kate Meyer (deutsche Übersetzung) - 20. März 2016 

 

Chunks and Chunking

Definition: Im allgemeinen Wortgebrauch ist ein „Chunk“ ein Stück oder Teil eines grösseren Ganzen. Im Bereich der kognitiven Psychologie ist ein Chunk eine Organisationseinheit im Gedächtnis.

Chunks können verschiedene Aktivierungsniveaus aufweisen, was bedeutet, dass es leichter oder schwerer sein kann, sich daran zu erinnern. Wenn die Information in das Gedächtnis gelangt, kann sie so umcodiert werden, dass zugehörige Konzepte in einem Chunk gruppiert werden. Dieser Vorgang wird Chunking genannt und wird häufig als Technik zum Auswendiglernen verwendet. Es ist zum Beispiel leichter, sich an eine gruppierte Telefonnummer (+1-919-555-2743) zu erinnern (und diese zu lesen) als an eine lange nicht gruppierte Zahlenreihe (19195552743).

UX-Definition: Im Bereich des Nutzererlebnisses, bezieht sich „Chunking“ meistens auf das Aufteilen von Inhalten in kleine, getrennte Informationseinheiten (oder „Chunk“) im Gegensatz zur Präsentation einer nicht differenzierten Masse von Informationen.

Inhalte in Chunks anzuzeigen, vereinfacht es Nutzern, Texte zu überfliegen. Ausserdem verstehen sie die Texte besser und können sich leichter daran erinnern. Beim Chunking geht es darum, aussagekräftige, visuell unterscheidbare Inhaltseinheiten zu schaffen, die im Kontext des grossen Ganzen Sinn machen.

Chunking von Textinhalten

Nutzer wissen gruppierte Textinhalte zu schätzen: sie eliminieren lange Textblöcke, die einschüchternd und zeitaufwändig wirken. Chunking ermöglicht das Überfliegen von Texten – und das ist die Methode, die Nutzer beim Lesen im Internet bevorzugen.

Einige der gängigsten Methoden zur Gruppierung von Texten sind:

  • Kurze Absätze, die durch Leerräume getrennt werden
  • Kurze Textzeilen (ca. 50–75 Zeichen)
  • Klare visuelle Hierarchien, bei denen zusammengehörige Objekte gruppiert werden
  • Ausgeprägte Gruppierung von Buchstaben- oder Zahlenfolgen, z.B. in Passwörtern, Lizenzschlüsseln, Kreditkarten- oder Kontonummern, Telefonnummern und Datumangaben (zum Beispiel 14487324534 vs. 1 (448) 732 4534)

Gruppierte Zeichenfolgen sollten das gängigste Format des jeweiligen Datentyps nutzen, um Flüchtigkeitsfehler der Nutzer zu vermeiden. Kreditkartennummern werden normalerweise in 4 Blöcken zu je 4 Ziffern angegeben (z.B. 4111 1111 1111 1111 statt 4111111111111111). Beachten Sie, dass das Standardformat einiger Zeichenfolgen landesabhängig ist.

Singapur: +65-5555-5555

Mexiko: (01) 55 1234 5678

Vereinigte Staaten: (919)-555-5555

Beispiele für die Gruppierung von Telefonnummern in drei Ländern.

Obwohl die Formatierung sicherstellt, dass der Text schneller überflogen werden kann, macht sie Eingaben schwieriger. Nutzer sollten nicht für die Formatierung der eingegebenen Zeichen verantwortlich sein – stattdessen sollten Formular mit Autoformat-Funktionen versehen werden – Eingabefelder sollten die Eingaben der Nutzer also automatisch gruppieren.

Apartments.com: Dieses Kontaktformular einer Immobilienwebseite gruppiert die oben angezeigte Telefonnummer der Agentur. Die eingegebene Telefonnummer wird automatisch gruppiert, während der Nutzer die Zahlen eingibt. (Beachten Sie aber, dass wir es nicht empfehlen, die Bezeichnungen der Felder in den Eingabefeldern anzuzeigen.)

Den Text einfach nur zu gruppieren, reicht nicht aus. Sie müssen es den Nutzern erleichtern, Texte zu überfliegen, indem ihnen sofort die wichtigsten Inhalte der Gruppe ins Auge springen. Das können Sie auf folgende Weise tun:

  • Überschriften und Unterüberschriften, die in klarem Kontrast zum restlichen Text stehen (fettgedruckt, gröss er etc.)
  • Hervorgehobene Schlüsselwörter (fettgedruckt, kursiv etc.)
  • Stichpunktlisten oder nummerierte Aufzählungen
  • Kurze Zusammenfassungen längerer Texte, wie Artikel

ApartmentGuide.com: Dieser Textblock auf der Startseite der Immobilien-Suchmaschine enthält lange Sätze, keine Hervorhebungen und keine Unterüberschriften. Eine Benutzerin sah den Textblock und sagte: „Das ist wirklich sehr viel Text. Das interessiert mich nicht. Es sieht chaotisch aus.“ Sie beschrieb diese Seite mit den folgenden drei Begriffen: „überladen”, „langatmig“ und „nicht einladend“.

BBC verwendet kurze Absätze, viele Leerräume, Unterüberschriften und eine kurze Zusammenfassung, um den Artikel zu strukturieren. Die Unterüberschrift jedes Themas verfügt auss erdem über eine dünne horizontale Linie und ein passendes Foto, das dabei hilft, zwischen den Abschnitten zu unterscheiden. Eine Benutzerin sah sich die Seite einige Sekunden lang an und sagte: „Ich finde, das sie gut unterteilt ist. Ich glaube, dass sie leicht zu lesen ist. Es ist klar, dass im Artikel fünf Themen behandelt werden und diese aufgeteilt wurden.“ Danach las sie den ganzen Artikel – was wahrscheinlich mehr über den Erfolg des Chunkings aussagt, als ihr Kommentar.

Chunking von Multimedia-Inhalten

Der Schlüssel zum effektiven Chunking von Multimedia-Inhalten (Texten, Bildern, Grafiken, Videos, Buttons und anderen Elementen) ist es, zusammengehörige Dinge nahe zusammen und gleich ausgerichtet zu präsentieren (laut dem Gesetz der Nähe der Gestaltpsychologie). Hintergrundfarben, horizontale Linien und Leerräume können Nutzern dabei helfen, zwischen zusammengehörigen Dingen und nicht zusammengehörigen Dingen zu unterscheiden.

Das minimalistische Design von MailChimp verwendet subtile Methoden, um Chunks zu signalisieren. Die Absätze und Unterüberschriften gehören aufgrund ihrer Nähe eindeutig zusammen. Dieselbe Breite sorgt für eine unsichtbare Ausrichtung (die Unterüberschriften und Textblöcke befinden sich beide in 500 px breiten HTML-Containern). Auf den ersten Blick ist schwer zu erkennen, welcher Textblock den Screenshot in der Mitte beschreibt. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man aber, dass sich das Bild näher am oberen Absatz befindet.

Andere Arten von Inhalten (wie Videos oder Grafiken) können ebenfalls gruppiert werden. Denken Sie aber daran, dass es das Hauptprinzip des Chunkings ist, Informationen in eindeutige Gruppen mit zusammengehörigen Inhalten zu unterteilen. Sie können Videoinhalte zum Beispiel in individuell aufrufbare Kapitel oder Themen unterteilen, damit Nutzer innerhalb des Videos navigieren können. Sie können zusammengehörige Instrumente auch in einer App-Toolbar gruppieren, damit Nutzer wissen, wo sie diese finden können.

TED.com: Ein interaktives Video-Transkript gruppiert Chunks eines langen Videos in individuellen, navigierbaren Segmenten. Nutzer können den Text überfliegen und zu verschiedenen Stellen im Video springen. Dieses Transkript macht allerdings auch Fehler: Unterüberschriften und hervorgehobene Texte würden die Hauptaussagen jedes Chunks betonen und dadurch die Navigation unterstützen.

Die mythische Sieben

Sie haben wahrscheinlich von der „magischen Sieben“ gehört, die vom kognitiven Psychologen George Miller bekanntgemacht wurde. 1956 fand Miller heraus, dass Menschen rund 7 Chunks mit Informationen in ihrem Kurzzeitgedächtnis behalten können. Was Miller daran interessant fand, war aber nicht die Zahl selbst. Stattdessen war er fasziniert, dass die Grösse der Chunks keine Rollen zu spielen schien. Menschen konnten sich entweder 7 einzelne Buchstaben oder 28 Buchstaben, die zu 7 aus vier Buchstaben bestehenden Wörtern zusammengefasst waren, merken. (Im ersten Fall zählt jeder unzusammenhängende Buchstabe als Chunk, während im zweiten Fall jedes Wort ein Chunk ist.)

Im Bereich des Nutzererlebnisses wird die Millersche Zahl häufig missverstanden, da angenommen wird, dass Menschen nur sieben Chunks gleichzeitig verarbeiten können. Die Konsequenz ist, dass verwirrte Designer diese Erkenntnis nutzen, um unnötige Designbeschränkungen zu rechtfertigen.

Ein Designer könnte sich zum Beispiel weigern, mehr als sieben Optionen in die globale Navigationsleiste aufzunehmen, da er Angst hat, gegen die magische Sieben zu verstossen. Der Zweck von Menüs ist es aber, auf Wiedererkennung statt Erinnerung abzuzielen: Nutzer müssen nicht alle Menüpunkte im Kurzzeitgedächtnis speichern, da alle verfügbaren Optionen ständig am Bildschirm zu sehen sind. Es hat daher keine Usability-Vorteile, die Anzahl der Menüpunkte auf sieben zu reduzieren. Menüs sind auch dann leicht zu verwenden, wenn sie aus mehr als sieben Auswahlmöglichkeiten bestehen, solange die Optionen auf sinnvolle Weise strukturiert werden.

Die Lehre, die UX-Fachleute aus Millers Forschung ziehen sollten, ist: Das Kurzzeitgedächtnis von Menschen ist begrenzt. Falls Sie also möchten, dass sich Ihre Nutzer an mehr Dinge erinnern, gruppieren Sie die Informationen in sinnvollen Chunks. Zwingen Sie Ihre Nutzer nicht, viele Informationen gleichzeitig im Kurzzeitgedächtnis zu speichern und versteifen Sie sich nicht auf die Zahl Sieben – Miller selbst gab seiner Publikation den Titel: „The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information“. Andere Forscher deuten an, dass die richtige Zahl zwischen drei und sechs liegen könnte.

Egal, wie gross die durchschnittliche Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist, die spezifische Kapazität einzelner Menschen variiert (und ist einer der Gründe für die grossen Unterschiede in den Resultaten von Benutzern). Sie könnten zu den „plus eins“ oder „plus zwei“ Menschen gehören, vor allem, wenn Sie ein Entwickler sind, der damit Geld verdient, viele Informationen gleichzeitig im Kurzzeitgedächtnis zu speichern. (Nein, durch das Programmieren von Computern wächst das Gehirn nicht, bis der Schädel zu klein wird. Normalerweise sind Menschen, deren Gehirn von Geburt an eine hohe Kapazität aufweist, an Karrieren interessiert, bei denen sie viele Informationen im Gedächtnis behalten müssen.) Im Gegensatz dazu, könnten viele Ihrer Kunden „minus eins“ oder „minus zwei“ Menschen sein, was bedeutet, dass sie Probleme damit haben, sich an Dinge zu erinnern, die Ihnen selbst keine Mühe bereiten. Die Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses werden auss erdem vom Kontext beeinflusst: wo sich die Person befindet und was um sie herum passiert, während sie Ihre Benutzeroberfläche verwendet. Dieser Punkt wird in unserem UX Basistraining näher behandelt und ist einer der Gründe dafür, dass Sie die Nutzbarkeit nicht einfach basierend darauf beurteilen können, ob Sie selbst das Gefühl haben, ein Design einfach verwenden zu können.

hp.com: Diese e-Commerce Webseite verwendet eine helle Hintergrundfarbe und Negativraum, damit Nutzer visuell zwischen jedem Chunk (Laptop) unterscheiden können. Sie zeigt allerdings 21 Optionen auf einer Seite an. Diese Entscheidung ist in Ordnung, da Nutzer die Seite wahrscheinlich überfliegen und durchsuchen und sich nicht an jeden einzelnen Laptop erinnern müssen.

Schlussfolgerung

Chunking ist ausschlaggebend, um Inhalte so zu präsentieren, dass sie Nutzer leicht verstehen und sich schnell daran erinnern. Verwenden Sie das Chunking-Prinzip sowohl für Texte als auch für Multimedia-Inhalte, damit Nutzer die zugrundeliegenden Beziehungen und die Informationshierarchie verstehen.

Referenz

George A. Miller, 1956. The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information. Psychological Review 63 (2): 81–97.


© Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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