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08.03.2014

Hyperlinks verfassen: Gute Links sind prägnant, aussagekräftig und starten mit einem Keyword

Damit die Nutzer schnell finden, was sie brauchen, sollte sich der Linktext vom eigentlichen Inhalt abheben und die Seite, auf die sich der Link bezieht, genau beschreiben.

Vernetzung

© Victoria - Fotolia.com

 

by Marieke McCloskey (deutsche Übersetzung) - 09.03.2014

 

Aufmerksamkeit wird auf Links gezogen

Nutzer scannen Webseiten, um herauszufinden, um was es bei der Seite geht, und wohin sie innerhalb der Seite als nächstes navigieren sollen. Sie nutzen dabei als Abkürzung zur Information sogenannte Sign-Posts (engl.) (Wegweiser), wie beispielsweise Überschriften oder fett markierte Schlüsselworte. Auch Hyperlinks ziehen die Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich und müssen sich sowohl optisch als auch vom Kontext her abheben. Unterstrichener, blauer Text (engl.) ist dabei immer noch die offensichtlichste visuelle Anzeige eines Links. Leicht verständliche Links machen es leichter, die Seite zu scannen, weil sie sowohl Informationen über den Inhalt der Seite bieten als auch eine Vorstellung davon vermitteln, wohin man als nächstes navigieren soll.

Das folgende Beispiel aus einer unserer Eyetracking-Studien ist typisch dafür, wie die Leute im Netz lesen. Der Teilnehmer erhielt eine breit gefasste Aufgabe: "Finden Sie Informationen zur Firma und dem Tätigkeitsgebiet der Genetech". In den ersten wenigen Momenten auf der Seite von Genentech Oncology scannte der Nutzer die ersten zwei Absätze, indem er einem F-Muster folgte, ging dann aber dazu über, sich vor allem die Links anzuschauen. Die Links halfen dem Nutzer, zu zusätzlichen Informationen zu einem Thema zu navigieren, fungierten zugleich aber auch als Überschriften über jeden Abschnitt und informierten den Nutzer darüber, worum es in jedem Abschnitt geht.

Gazeplot auf der Website von Genentech Oncology

Leser im Web Leser konzentrieren sich meist auf die Hyperlinks, wenn sie eine Seite scannen, wie man an diesem Gaze Plot aus einer Eyetracking-Studie über die Seite von Genentech Oncologie sieht.

Schlechte Linktexte schaden der Usability, der Barrierefreiheit und SEO

Auch, wenn die Links sich optisch abheben, müssen sie darüber hinaus sinnvoll sein, um hilfreich zu sein. Es geht wirklich nach hinten los, wenn man die Aufmerksamkeit der Leute auf Irrelevantes lenkt. Links sollten eine gute Informationsfährte bieten: also deutlich erklären, wo sie die Nutzer hinführen werden.

Die Links im folgenden Beispiel von Bloomberg.com sind genaugenommen bedeutungslos. Worauf beziehen sich die Begriffe Profit und Schätzungen hier? (Das ist eine Fangfrage, sie beziehen sich beide auf das Unternehmensprofil von Control4 Company auf Bloomberg.com, aber das kann man erst wissen, wenn man den kompletten Absatz gelesen hat.)

Damit diese Links Sinn überhaupt machen, müssen die Nutzer den Text lesen, um den Link in einen Kontext einordnen zu können. Dieser Prozess, um die damit verbundenen Informationen zu finden, erfordert mehr Aufwand, sowohl in Bezug auf die Augenbewegungen als auch in Bezug auf die mentale Verarbeitung.

Links bei Bloomberg

Die Nutzer müssen den Text um die vagen Links herum lesen, um ihre Bedeutung herauszufinden.

Noch schwieriger nutzbar wäre die Website für sehbehinderte Nutzer, die einen Screenreader verwenden. Denn sie können die Seite nicht schnell mit ihren Augen abscannen, sondern nur einen Überblick über die Seite gewinnen, wenn sie die Links auf einer Seite durcharbeiten.

Das folgende Beispiel stammt von der FAQ-Seite von Twitter. Jemand mit schlechter Sehfähigkeit kann sich die Seite Wort für Wort oder nach Links sortiert vorlesen lassen. Die Liste unten zeigt, was er mit einem Screenreader hören würde. Die Links, die ohne Kontext verständlich sind, beispielsweise wie man einen Tweet veröffentlicht, sind gut. Vage oder doppelte Links (wie beispielsweise hier) sind in dieser Situation nutzlos; um sie zu verstehen, muss der Nutzer darauf zurückgreifen, sich die ganze Seite Wort für Wort vorlesen zu lassen.

FAQ-Seite von Twitter

Einige der Links auf der FAQ-Seite von Twitter (wie beispielsweise Ihre Tweets schützen oder wie man einen Tweet veröffentlicht) sind ohne Kontext verständlich. Aber es gibt auch einige vage und doppelte Links (hier, @antworten), die einen am Scannen der Seite bzw. der Nutzung eines Screenreaders hindern.

Liste der Links aus dem Beispiel der Twitter-FAQ:

  • hier
  • Ihre Tweets schützen
  • Wie man einen Tweet veröffentlichtTwitter Widget
  • @antworten
  • hier
  • Direkte Nachricht
  • hier

Schlechte Linkbezeichnungen schaden ausserdem auch Ihrem Suchmaschinen-Ranking. Suchmaschinen verwenden Linktext als einen zusätzlichen Hinweis darauf, um was es bei der Seite oder dem Dokument geht. Einer unserer Artikel, auf die am häufigsten verlinkt werden, ist zum Beispiel der Usability 101: Einführung in die Usability (engl.). Andere Websites verlinken mit unterschiedlichen Linktexten auf diesen Artikel, beispielsweise Grundlagen der Usability, Einstieg in Usability oder Was ist Usability. Suchmaschinen verwenden die Linktexte anderer Seiten, um zu bestimmen, welche Suchabfragen unseren Artikel anzeigen sollen. Deswegen müssen Sie auch nicht nach "Usability 101" suchen, um ihn zu finden.

Gute Links sind aussagekräftig, einzigartig und beginnen mit Keywords

Zuerst beschreibt ein möglichst hilfreicher Linktext die Seite, auf die er verlinkt. Wenn Sie ihn schreiben, fragen Sie sich selbst: "Was bekommt der Nutzer, wenn er diese Seite anklickt?" Erwähnen Sie, dass der Link zu einem PDF führt, wenn das der Fall ist. (Hinweise auf das Dateiformat müssen nicht Teil des Ankertextes selbst sein, können aber angehängt werden - zum Beispiel in Klammern oder als Symbol.)

Beim oben genannten Beispiel von Bloomberg würde ich statt der Verlinkungen Profit und Schätzungen den Hyperlink Control4 empfehlen, weil er zum Firmenprofil führt. (Wenn er zu einem speziellen Artikel über die Profite von Control4 im Jahr 2013 führen würde, würde ich als Ankertext Control4 veranschlagt seinen ersten Ganzjahresumsatz 2013 mit 129$ Einnahmen empfehlen.) Im zweiten Abschnitt würde ich statt Street lights den Link spezifizieren, indem ich schreibe Expanding into street lights. 33 Prozent sollte lauten Aktien von Silver Spring um 33 Prozent gefallen.

Wie Sie sehen, empfinde ich die Länge der Links weniger wichtig als eine gute Linkbeschreibung. Verwenden Sie so viele Worte, wie nötig ist, um die verlinkte Seite (bzw. das Dokument) genau zu beschreiben, und fassen Sie sich zugleich immer kurz (generell eine gute Praxis beim Schreiben fürs Web).

Zweitens, wenn die Nutzer denselben Link auf derselben Seite zwei Mal sehen, gehen sie davon aus, dass diese Links zu demselben Ziel führen. Deshalb müssen Sie sicherstellen, dass der zweite Link, wenn er zu einer anderen Seite führt, einen eigenen, anderen Text hat. An solche Dinge zu denken, wird Ihnen auch dabei helfen, aussagekräftigere Linkbezeichnungen zu verfassen und allgemeine Links wie Mehr lesen oder Hier klicken zu vermeiden. (Ein weiterer Grund dafür, Hier klicken zu vermeiden, ist es, dass es auf Geräten mit Touchscreen keine Klicks gibt.)

Wie haben schon im 1996 von Hier Klicken-Links abgeraten (engl.), und das gehört immer noch zu den 80% der alten Usability Guidelines, die immer noch gültig sind.

Und zu guter Letzt: Die besten Links fangen mit den wichtigsten Wörtern an. Den Namen des Links voranzustellen, hilft den Nutzern dabei, die Seite einfacher scannen zu können: Wir haben bei unseren Eyetracking-Studien festgestellt, dass die Leute sich meistens die ersten 2 Wörter des Links anschauen. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie in Versuchung sind, alle Links auf der Seite mit demselben Einführungstext zu beginnen, beispielsweise Lesen Sie mehr über....

Die Homepage von International Baccalaureate (http://www.ibo.org/) folgt den meisten unserer Richtlinien für das Schreiben von Links; alle Links sind einzigartig und aussagekräftig. Alle Nutzer, auch diejenigen mit Screenreadern, sollten die Möglichkeit haben, einen guten Überblick über die Themen auf der Seite zu bekommen, und einfach durch das Lesen der Links herausfinden können, wohin sie navigieren.

Die Seite von IB.org hätte im Design noch verbessert werden können, wenn man die Überschriften der Abschnitte anklicken könnte, wodurch die Links unter dem jeweiligen Abschnitt überflüssig wären. Die Betreiber hätten auch die Links voranstellen können und die Einführungstexte wie Mehr lesen..., Besuchen Sie..., Mehr anzeigen... entfernen.

Homepage von IB.org

Die Links auf der Seite von IB.org sind einzigartig und spezifisch. Obwohl viele mit Lesen beginnen, enthält der Linktext auch Informationen zum speziellen Inhalt, auf den der Link verweist (z. B. Lesen Sie mehr darüber, wer wir sind oder Lesen Sie die aktuelle Ausgabe). Die Seite könnte ihre Scannbarkeit nur noch verbessern, indem sie das Wort Lesen entfernt und die Linkbeschreibungen voranstellt.

Die American Diabetes Association (www.diabetes.org) ist ein weiteres gutes Beispiel. Dort kann man die Überschriften der Abschnitte anklicken. Die Links auf der Seite Behandlung & Pflege dienen beispielsweise sowohl als Überschriften als auch als Navigationselemente.

Homepage von der American Diabetes Association

Die Links auf der Seite Behandlung & Pflege von diabetes.org sind einzigartig, aussagekräftig und prägnant.

Fazit

Verbessern Sie die Scannbarkeit der Seite, indem Sie Links nutzen, die man leicht erkennen und verstehen kan. Erstens: Zwingen Sie die Nutzer nicht, erst auf der ganzen Seite nach klickbaren Elementen zu suchen. Zweitens: Zwingen Sie die Nutzer nicht, den Kontext lesen zu müssen, um überhaupt zu verstehen, wohin ein Link führt. Beides ist sehr zeitintensiv und frustrierend. Hilfreiche Links unterscheiden sich optisch vom eigentlichen Inhalt der Seite und verweisen spezifisch auf eine Seite oder ein Dokument.

 

© Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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