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16.08.2014

Icon-Klassifizierung: Ähnlichkeit, Referenz und Willkürlichkeit

Je grösser der Zusammenhang zwischen einem Icon und der Sache ist, die es repräsentiert, desto einfacher ist es zu verstehen. Auch Standardisierung kann das Verstehen eines Icons vereinfachen.

© Palsur - Fotolia.com

 

by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 17.08.2014

 

Unsere kürzlich durchgeführten Usability-Tests haben viele Icons gefunden, die ein Design aufwerten. Aber auch viele Icons, die Probleme verursachen weil sie von den meisten Usern nicht erkannt werden. Während jedes visuelle Design unterschiedlich ist und mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat, können wir einige vage Icon-Kategorien unterscheiden um besser zu verstehen, warum manche Icons von Natur aus leichter zu verstehen sind als andere.

Ähnlichkeits-Icons

Wird mit einem Icon ein physisches Objekt dargestellt, sollte es dieses gut repräsentieren. Der Gebrauch eines Briefumschlages für die Repräsentierung eines elektronischen Briefes ist solch ein Ähnlichkeits-Icon.

Eine der grössten Usability-Herausforderungen eines solchen Icons ist es, das Icon so zu gestalten, dass das Objekt gut erkennbar ist. Das ist bei der kleinen Grösse der Icons nicht immer einfach.

Referenz-Icons

Wird ein Objekt durch eine Referenz oder Analogie dargestellt, kann das Icon das Konzept repräsentieren. Die Verwendung eines Schraubzwingers für die Darstellung eines Komprimierungstools (weil es zusammengedrückt wird) wäre beispielsweise ein solch ein Referenz-Icon. Es wäre schwierig, hier ein geeignetes Ähnlichkeits-Icon zu finden, ausser man würde eine vorher-nachher Darstellung eines Dokuments anzeigen. Aber Icons zu finden, die den Wechsel eines Zustands anzeigen ist generell sehr schwierig. Referenz-Icons werden oftmals auch Symbol- oder Index-Icons genannt.

Hier ist die Frage, ob ein Nutzer den Zusammenhang zwischen dem System- und dem Referenzbereich versteht. Wenn diese zwei Konzepte nahe genug zusammenliegen, um im mentalen Modell eines Nutzers Sinn zu machen, können diese die repräsentierte Funktion erkennen, wenn sie das dargestellte Referenz-Icon sehen.

Willkürlichkeits-Icons

Willkürliche Formen, die nur aufgrund bestehender Konventionen einen Sinn machen. Verkehrsschilder sind oftmals solche Willkürlichkeits-Icons, die eine gute Wahl für Computer-Icons sein können, da die Verkehrsschilder international standardisiert wurden und bekannt sind. Für eine Warnung kann dann zum Beispiel sehr gut das rote Dreieck verwendet werden. Offensichtlich sind Willkürlichkeits-Icon diejenigen, die für Nutzer am schwierigsten zu lernen sind, falls sie der Nutzer noch nicht kennt. Ein Beispiel: Es ist zweifelhaft, dass jemand die Bedeutung von "?" nicht kennt. Folglich eignet es sich also bestens, um die Funktion Hilfe zu kennzeichnen.

Beipiel: Uhr als Ähnlichkeits- oder Referenz-Icon

In einem kürzlich durcheführten Usability-Test haben wir mit einem Uhren-Icon Bekanntschaft gemacht. Das Icon war zweifellos als Uhr zu erkennen und wäre sicherlich grossartig gewesen, wenn dessen Funktion etwas mit einer Uhr zu tun gehabt hätte, wie zum Beispiel einer Kalender- oder Wecker- bzw. Erinnerungsfunktion. Auf dieser Seite wurde die Uhr jedoch für eine Verlaufsfunktion verwendet und scheiterte während des Usability-Tests kläglich.

Eine Uhr als Verlaufs-Feature ist zwar ein Referenz-Icon, da sicherlich beide ein Konzept von Zeit darstellen. Es ist aber auf jeden Fall eine ungeeignete Darstellung; Die Analogie wurde hier überdehnt.

Beispiel: Diskette als "Speicher"-Icon

Die Diskette, welche die Funktion "Speichern" symbolisiert ist in den meisten grafischen Nutzungsschnittstellen anzutreffen. Ursprünglich war dies ein Ähnlichkeits-Icon: Früher speicherten die Nutzer ihre Files auf Disketten ab. Es war einfach zu erkennen und zu verstehen.

Später dann wurde das Speichern auf Festplatten eingeführt und das "Speichern"-Icon wurde zum Referenz-Icon. Eine Diskette ist eine Form eines Speichermediums und repräsentiert damit generell die Funktion des Speicherns, egal wie das verwendete Speichermedium im Einzelfall aussieht. In der Tat haben die meisten Nutzer noch nie eine Festplatte gesehen und es war sicherlich die richtige Entscheidung weiterhin die Diskette als Speichern-Icon zu verwenden, als das Speichern auf Festplatten populär wurde. (Wenn man ein Icon wählen muss, dass eine breitgefächerte Klasse repräsentiert, sollte man ein weitverbreitet, bekanntes Icon wählen anstatt einen spezifischen Ausreisser aus dieser Klasse. Unser Kurs The Human Mind und Usability (engl.) gibt vertiefte Details darüber, wie man sich bei Kategorien entscheiden sollte.)

Heutzutage haben viele junge Nutzer noch nie eine Diskette gesehen, und das Icon wurde zu einem Willkürlichkeits-Icon für diese Nutzer. Was hat ein kleines Viereck mit speichern zu tun? Nunja, es tut es einfach.

Wie dieses Beispiel zeigt, kann sich die Klassifizierung eines Icons mit der Zeit ändern. Oder auch mit anderen Änderungen im Kontext.

Internationale Icon-Usability

Ähnlichkeits-Icons bieten oftmals die höchste Usability, können aber zu Problemen für internationale Nutzer führen. Was darauf zurückzuführen ist, dass dieselben Dinge in anderen Ländern anders aussehen. Bilder von ungewöhnlichen Objekten sind schwieriger zu erkennen. Ein gutes Beispiel ist in einer Ungarischen Studie für internationale Sport-Icons aufgezeigt worden. Nur 9% der Ungarischen Nutzer konnten den Squashspieler mit dem Thema Sport in Verbindung bringen, da die meisten Ungaren noch ein Squashspiel gesehen haben.

Auch Briefkästen sehen rund um den Globus ganz unterschiedlich aus (Grün, Gelb, Blau und Rot sind nur einige Farben die ich auf meinen Reisen gesehen habe). Ich erinnere mich daran, als ich in Belgien eine Postkarte abschicken wollte, und mir nicht sicher war, ob der Briefkasten wirklich ein offizieller Briefkasten war. Belgische Briefkästen sehen total anders aus als alle Briefkästen die bis jetzt gesehen habe. Und das war ein realer Briefkasten. Ein 2D Bild wäre da noch viel verwirrender gewesen.

Referenz- und Willkürlichkeits-Icons schneiden in Bezug auf die Internationalisierung oft deutlich schlechter ab als Ähnlichkeits-Icons. Analogien sind oft kulturabhängiger als die Darstellung des physischen Objektes.

Unterschiedliche nationale Konventionen können die Usability von Designs mit Referenz-Icons reduzieren. Ein Beispiel: Das Bild eines Speisetisches kann als Referenz-Icon für eine Zahlentabelle verwendet werden. Dies macht aber nur für Leute Sinn, die Englisch sprechen. (Tisch=Table, Zahlentabelle=Table of Numbers). In vielen anderen Sprachen werden total verschiedene Wörter für dasselbe verwendet, und das Tisch-Icon würde für alle Nutzer, die nicht englisch sprechen zum Willkürlichkeits-Icon werden.

Allgemein gilt: Interface-Wortspiele sind gefährlich, auch wenn es schwer fällt, Ihnen zu widerstehen.

Einfache Icons, Schwierige Icons

Ähnlichkeits-Icons bieten meistens die beste Usability, auch wenn ein Willkürlichkeits-Icon sich als sehr geeignet beweisen kann, insofern es weitgehend standardisiert wurde und sich wirklich gut ins Design einbauen lässt. Versuchen Sie nicht, der Welt ein neues Willkürlichkeits-Icon vorzustellen, sie werden schmerzlich daran scheitern.

Natürlich haben wir immer einen vertrauten Fallback im Usability-Feld: Icon Usability-Tests (engl.) zeigen uns sehr schnell, ob Nutzer ein Design verstehen oder nicht.

 

© Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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