Drucken
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • XING
26.05.2008

OK-Abbrechen oder Abbrechen-OK?

Soll der OK-Knopf vor oder hinter dem Abbrechen-Knopf stehen? Den Konventionen der Plattform zu folgen ist wichtiger, als eine einzelne Dialogbox zu optimieren.

 

by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 27.05.2008

 

Wir bekommen zahllose Fragen zu kleinen Details im Design von Nutzeroberflächen, die für das gesamte Nutzererlebnis keine Bedeutunghaben. Eine klassische Frage dieser Art ist die nach der Reihenfolge der Knöpfe in Dialogboxen:

  • OK/Abbrechen
  • Abbrechen/OK

Beides sind vernünftige Optionen, und die Leute können stundenlang über die Vorzüge der einen oder der anderen argumentieren:

  • Wenn man OK links anordnet, entspricht das dem natürlichen Lesefluss im Englischen, Deutschen und anderen Sprachen, die von links nach rechts gelesen werden. Viele andere Knöpfe folgen einer natürlichen Abfolge (zum Beispiel Ja/Nein oder Vorige/Nächste). Sie sollten sie immer so anordnen, dass die Lesereihenfolge der logischen Reihenfolge entspricht - in diesem Fall also OK/Abbrechen. Dazu kommt unter der Annahme, dass der OK-Knopf häufiger gebraucht wird als der Abbrechen-Knopf, es für die mit der Tastatur operierenden Nutzer besser ist, wenn OK zuerst kommt, da sie einen Tastendruck weniger brauchen, um zu OK zu gelangen.
  • Wenn man OK rechts anordnet, verbessert das den Arbeitsfluss, weil die Dialogbox dann mit ihrem (positiven) Abschluss endet. Man könnte auch wie bei Vorige/Nächste argumentieren, dass OK den Nutzer vorwärts bringt, während Abbrechen ihn zurückbringt. Mithin müsste OK dort stehen, wo auch Nächste steht: rechts.

In Fällen wie diesen spielt es oft keine Rolle, was Sie tun. Jede Option hat gute Argumente für sich, und aller Voraussicht nach wird keine davon Usability-Katastrophen heraufbeschwören. Es könnte unter Umständen manchen Nutzern 0,1 Sekunden ersparen, die "richtige" Anordnung zu finden, aber es lohnt sich nicht, das mit hinreichender Genauigkeit zu erforschen. Es ist besser, Sie verwenden Ihre Ressourcen auf jene Dinge, die Ihre Schlüssel-Leistungsindikatoren um 83% und mehr verändern.

Deshalb ist es in dieser Frage - wie in vielen anderen kleinen Fragen des Anwendungs-Designs - am besten, dem Oberflächenstandard der Plattform zu folgen. Ein konsistentes Design, das den Erwartungen der Nutzer entspricht, erspart den Leuten viel mehr Zeit (und die mehr Fehler), als eine Lösung, die für die Anwendung vielleicht ein klein bisschen optimaler wäre, aber eine Inkonsistenz bedeuten würde.

Inkonsistenz kostet mehr Zeit, als sie einspart

Wenn Sie vom Standard abweichen, kann das den Nutzer schnell etliche Minuten - oder gar Stunden - kosten, wenn sie Elemente der Nutzeroberfläche übersehen oder falsch anwenden. Die Zeit, welche die Leute brauchen, um über Inkonsistenzen nachzudenken, summiert sich normalerweise zu einem viel grösseren Betrag als die kleinen Zeitersparnisse, die sich hypothetischer Weise aus einem Spezialdesign ergeben.

Leider weichen die User Experience Guidelines von Windows Vista von den Human Interface Guidelines von Apple ab, wenn es um die Reihenfolge von OK/Abbrechen geht:

  • Windows setzt OK voran
  • Apple setzt OK and Ende

Wenn Sie eine Desktop-Anwendung für eine dieser beiden PC-Plattformen gestalten, ist es einfach: Machen Sie es so, wie die Plattform-Besitzer es sagen.

Dialog-Knöpfe für Internet-basierte Anwendungen

Wenn Sie eine internetbasierte Anwendung gestalten, ist die Entscheidung schwieriger, aber sie sollten es wohl wie die Plattform halten, die von den meisten ihrer Nutzer bevorzugt wird. Ihre Server-Logs zeigen Ihnen den Prozentsatz von Windows- und Mac-Nutzern für ihre spezifische Website oder Ihr Intranet. Natürlich hat Windows im Allgemeinen viel mehr Nutzer, so dass, wenn Sie sich mit den Logs nicht abgeben wollen, die passende Richtlinie für die meisten Fälle lautet:

  • Zuerst OK, dann Abbrechen, so wie in diesem Screenshot von Office 2007:

OK- und Abbrechen-Buttons von Office 2007

Der Screenshot illustriert zwei weitere Richtlinien für Knöpfe in Dialog-Boxen:

  • Es ist oft besser, einem Knopf einen Namen zu geben, der erklärt, was er bewirkt, als eine allgemeine Bezeichnung zu nehmen (wie OK). Eine ausdrückliche Bezeichnung dient als Soforthilfe, die den Nutzern mehr Vertrauen bei der Auswahl der richtigen Aktion gibt.
  • Machen Sie den am häufigsten ausgewählten Knopf zur Voreinstellung und heben Sie ihn hervor (ausser wenn die Aktion besonders gefährlich ist; in solchen Fällen möchten Sie, dass die Nutzer den Knopf ausdrücklich auswählen und ihn nicht versehentlich durch Drücken der Enter-Taste auslösen).

 

© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

Kommentare auf diesen Beitrag

    Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Die mit * gekenzeichneten Felder sind zwingend auszufüllen