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23.08.2015

Sehr grosse Touchscreens: Ein anderes UX-Design als für mobile Geräte

Nur wenige Praktiken und Empfehlungen für mobile Designs lassen sich gut auf Designs für sehr grosse Touchscreens anwenden, welche in Kiosken und nicht-mobilen Anwendungsbereichen zu finden sind.

© Robert Kneschke


by Kara Pernice (deutsche Übersetzung) - 23.08.2015

Da sich Smartphones derzeit sehr schnell weiterentwickeln, sind Aufgaben, die auf kleinen Touchscreens unmöglich zu sein schienen, (oft) relativ einfach und akzeptabel geworden. Wir können lesen, einkaufen, arbeiten und zusammenarbeiten... nun, zumindest einigermassen. Informationen über ein Smartphone zu teilen, ist ganz einfach - den kleinen Bildschirm gemeinsam mit der Person an Ihrer Seite zu verwenden, ist es aber nicht. Wenn wir uns gleichzeitig dasselbe Objekt ansehen müssen, schlägt ein grösserer Bildschirm bzw. eine grosse Schriftart ein 4-Zoll Display definitiv.

In der nicht so entfernten Zukunft könnten in unsere Smartphones und Uhren winzige, leistungsstarke Projektoren eingebaut werden, die es Gruppen vereinfachen, sich Inhalte auf jeder leeren Wand anzusehen. In diesem Szenario könnte das Eingabegerät immer noch das Smartphone sein, welches als Fernbedienung fungiert. Vielleicht können wir aber sogar den menschlichen Körper oder eine Gestensteuerung, wie das Myo Gesture Control Armband verwenden, um Eingaben einfacher zu tätigen und Links an der Wand zu „berühren“, auf die dann die Nutzeroberfläche reagiert. 

 

Bild eines schwarzen Myo Gestik Kontroll-Armband von https://store.myo.com/.

Bild eines schwarzen Myo Gesture Control Armbands von store.myo.com. Nutzer würden dieses Gerät an ihrem Handgelenk tragen, die Nutzeroberfläche am Computer „trainieren” und Apps verwenden, die die Gesten des Nutzers erkennen.

In der heutigen Situation sollten wir allerdings sehr grosse Touchscreens in Erwägung ziehen, bei denen der Bildschirm sowohl Eingabe- als auch Ausgabegerät ist. 

Ich hatte das Vergnügen, Dorothy Shamonsky, die UX-Chefdesignerin von ViewPoint, einem Software-Anbieter für Touchscreen-Kioske, zu interviewen. Shamonsky arbeitet am Nutzeroberflächendesign für grosse Touchscreens, von denen einige sogar 72 Zoll gross sind.

Das Bild zeigt Frau Dorothy Shamonsky, Lead UX Designer von ViewPoint

Dorothy Shamonsky, die UX-Chefdesignerin von ViewPoint, arbeitet am Design grosser Touchscreen-Kiosks.

Um zu verstehen, wie gross ein 72 Zoll Bildschirm ist, strecken Sie beide Arme aus. Die Grösse entspricht ungefähr der Distanz von ihren Fingerspitzen einer Hand bis zu den Fingerspitzen der anderen Hand. Obwohl der Bildschirm rund 380-mal grösser ist als das durchschnittliche Smartphone, gelten einige Designprinzipien für den Touchscreen eines Handys auch für sehr grosse Touchscreens. Shamonsky beschreibt diese und erzählt von zahlreichen anderen Einblicken und Designideen für grosse, unbewegliche Touchscreens. Im nachfolgenden Artikel erfahren Sie mehr darüber.

Designempfehlungen für sehr kleine und sehr grosse Touchscreens

Egal, ob Sie für einen 7- der 70-Zoll grossen Touchscreen gestalten, es gibt viele Richtlinien, die sich als erfolgreich erwiesen haben. Einige der wichtigsten inkludieren die folgenden:

1. Lassen Sie natürliche Gesten zu.

2. Minimieren Sie die Interaktionskosten des Antippens, Eingebens und Wechsels zwischen Bildschirmen.

3. Geben Sie Nutzer über einfache Animationen Feedback.

4. Machen Sie es einfach, zu erkennen, welche Elemente angetippt werden können.

5. Sorgen Sie dafür, dass Ziele leicht angetippt werden können.

6. Verwenden Sie lesbare Texte und Grafiken.

Was ist auf sehr grossen Bildschirmen anders

Über diese allgemeinen Ratschlage hinausgehend, gibt es auch einige wichtige Unterschiede zwischen kleinen und sehr grossen Touchscreens – sowohl, was das Nutzerverhalten als auch was Designempfehlungen betrifft. In diesem Artikel beschreiben wir einige von ihnen, welche sich sowohl auf das Makro-Ebene (das Design des Bildschirms, damit Nutzer wissen, wie sie damit interagieren sollen) als auch das Mikro-Ebene (das Design spezifischer Elemente der Nutzeroberfläche, damit diese auffallen) beziehen.

Affordance und Signifiers auf Makro-Ebene

Die meisten Menschen haben gelernt, Bildschirme von Smartphones und Bildschirme von Geldautomaten, Zapfsäulen, Fahrkartenautomaten oder Museen zu berühren, da diese häufig über Touch-Funktionen verfügen. Doch in einigen Situationen wissen Menschen nicht, dass ein grosser Bildschirm mit Touch-Funktionen ausgestattet wurde und zögern aufgrund eines schlechten Aufforderungscharakters, grosse Bildschirme zu berühren, da sie nicht wissen, ob dieser Aufwand Vorteile mit sich bringen wird.

Shamonsky erzählt von ihren Erfahrungen: „Monitore, die an einer Wand oder auf einem Ständer montiert wurden, erinnern Menschen an einen Fernseher und kommunizieren keine Touch-Funktion. Stattdessen müssen sich Nutzer auf spezifische Hinweise, wie Platzierung, Winkel des Bildschirms und Hinweisschilder verlassen, um zu erkennen, dass ein grosser Bildschirm ein Touchscreen ist.“

Shamonsky empfiehlt einen besonderen Signifier: die Position des Monitors in einem Winkel von 45 Grad an der Wand, wobei der obere Rand des Bildschirms zur Wand zeigt und der untere Rand zum Nutzer hin ausgerichtet ist. „Diese Position versichert Nutzern, dass der Bildschirm über Touch-Funktionen verfügt – vor allem, wenn keine Tastatur oder Maus vorhanden ist. Tischmonitore deuten  ebenfalls auf Touch-Funktionen hin. Falls Sie Nutzer aber von der anderen Seite des Raums aus unterhalten bzw. ansprechen und zur gemeinsamen Interaktion motivieren möchten, ist ein an der Wand montierter Bildschirm wesentlich spektakulärer und daher einem Tischmonitor vorzuziehen.”

Grosse Bildschirme bieten jede Menge Platz für Nutzersteuerungen, weshalb es für Designer keine Herausforderung ist, Steuerungselemente auf der Nutzeroberfläche zu platzieren. Die Elemente der Nutzeroberfläche müssen allerdings grösser sein, um am grossen Bildschirm gefunden und verwendet werden zu können, was einen grossen Bildschirm überraschend schnell füllen kann. Daher besteht bei einem sehr grossen Touchscreen-Design dasselbe Risiko der Überfüllung wie bei kleineren Bildschirmen. Designer sollten Durcheinander vermeiden und die Empfehlung von Edward Tufte berücksichtigen, indem sie das Verhältnis der Inhalte zu anderen Elementen der Nutzeroberfläche beachten. (Das Data-Ink-Ratio von Tufte wird normalerweise für Diagramme angewandt, eignet sich aber auch für das Platzangebot auf einem Bildschirm und Inhalte.) Analog dazu zeigt unsere Eyetracking-Forschung, dass die Seitendichte 8% des Unterschieds ausmacht, wie sich Menschen Websites ansehen. Anders ausgedrückt: gute Inhalte, verständliche Elemente der Nutzeroberfläche und weniger überfüllte Seiten motivieren Menschen stärker, als überfüllte, chaotische Webseiten.

Empfohlene Signifier, um zu verdeutlichen, dass ein grosser Bildschirm ein Touchscreen ist:

  • Falls der Monitor an einer Wand befestigt ist, sollte der Bildschirm einen Winkel von 45 haben.
  • Verwenden Sie einen Tischmonitor (flach oder leicht schräg).
  • Fordern Sie Nutzer mit Texten auf dem Bildschirm oder mit Objekten, die auf die Touch-Funktion hinweisen, auf, den Bildschirm zu berühren.
  • Stellen Sie neben dem Bildschirm ein Schild auf, das zum Berühren auffordert – zum Beispiel eine einfache Plakette mit dem Text „Das ist ein Touchscreen“.
  • Implementieren Sie ein Timeout-Ereignis, damit nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität ein „Anziehungsmodus“ gestartet wird, der Menschen motiviert, das Gerät auszuprobieren.
  • Gestalten Sie die Nutzeroberfläche ansprechend und interessant, damit sie häufig von Besuchern verwendet wird. Andere Besucher werden über die Funktionsweise informiert, da sie Personen sehen, die den Touchscreen verwenden.
  • Wir könnten empfehlen, den Bildschirm nicht zu reinigen oder Materialien zu  verwenden, auf denen Fingerabdrücke oder Schmutzflecken länger zu sehen sind – das wäre aber eklig. Dennoch sind Fingerabdrücke auf dem Bildschirm auch eine Form von Signifier.
  • Messen Sie das Chaos im Bildschirmdesign. Entfernen Sie Inhalte mit geringem oder ohne Wert, damit die wichtigen Aktionen und Funktionen besser sichtbar sind.

Touch-Ziele und Ankündiger auf Mikro-Niveau

Auf Smartphones ist die Steuerung der Nutzeroberfläche manchmal hinter kleinen Elementen oder schwer zu entziffernden Symbolen verborgen. Es ist aber möglich, den ganzen Bildschirm auf einen Blick zu erfassen. Auf einem sehr grossen Bildschirm erschwert es das Blickfeld, alle Elemente der Nutzeroberfläche zu sehen und zu bemerken. Nutzer müssen ihren Kopf – und nicht nur die Augen – und sogar ihren Hals bewegen, um alle Teile der Nutzeroberfläche zu sehen.

Shamonsky beschreibt die Situation wie folgt: „Es scheint unlogisch, dass Steuerelemente auf einem grossen Bildschirm schwer zu finden sind - das ist allerdings genau die Erfahrung, die ich bei der Beobachtung von Nutzern machte. Designer sind daher auf grossen Bildschirmen mit einer anderen Herausforderung konfrontiert, als auf kleinen Bildschirmen: die Elemente der Nutzeroberfläche auffällig zu gestalten, ohne sie zu aufdringlich wirken zu lassen.“

Menschen, die mit sehr grossen Bildschirmen arbeiten, sind normalerweise weiter von den Bildschirmen entfernt, als von einem Handy. Das beeinflusst, was sie sehen können. Sie werden wahrscheinlich:

  • den Bildschirm mit einem ausgestrecktem Arm berühren
  • aufstehen
  • die Flexibilität haben, sehr nahe an den Bildschirm zu treten, oder einen Schritt zurück zu machen, um den Bildschirm zu betrachten.

Shamonsky merkt an: „Ein Schritt nach hinten ermöglicht es Personen, einen Überblick über den gesamten Bildschirm zu erlangen – es gibt eine Tendenz, das zu tun, während Nutzer mit dem Gerät interagieren.“

Neben der Sicht, müssen Designer auch die Reichweite und die Berührungsgenauigkeit eines sehr grossen Bildschirms berücksichtigen, auf dem Menschen tippen, wischen, schnippen, ziehen, verkleinern und vergrössern. Im Gegensatz zu einem Handy, das Menschen bequem in der Hand halten, gilt für einen grossen Bildschirm:

  • Er ist fest montiert.
  • Er kann vom Nutzer nicht in die Hand genommen werden.
  • Er kann meist nicht gekippt oder geschwenkt werden.
  • Er könnte flach an der Wand befestigt sein.

Das Bild zeigt eine Person, die einen 72inch ViewPoint Touchscreen mit 2 Fingern steuert. 

Beim Designen von Links und Buttons für Computerbildschirme und Smartphones berücksichtigen wir bereits das Fitt’sche Gesetz, welches besagt, dass die Zeit, um ein Ziel zu erreichen, eine Funktion aus der Distanz und der Grösse des Ziels ist. Beim Designen für Smartphones ist der Bildschirm so klein, dass alle Punkte fast gleich weit von Ihren Fingerspitzen entfernt sind – deshalb konzentrieren wir uns in diesem Fall vor allem auf die Grösse des Ziels.

Bei sehr grossen Touchscreen ist die Distanz vom Ziel wesentlich relevanter. Designer müssen vor allem menschliche körperliche Merkmale und Fähigkeiten berücksichtigen, zum Beispiel:

  • Reichweite der Arme
  • Armbewegungen
  • Berührung mit der Handfläche oder mit mehreren Fingerspitzen
  • Körpergrösse der Person

Natürlich ist auch die Grösse des Ziels ausschlaggebend, um eine korrekte Berührung zu ermöglichen. Shamonsky erzählt: „Eine angenehme Grösse von Zielen auf grossen Bildschirmen ist schwieriger zu ermitteln, obwohl der grosse Monitor Designern mehr Platz bietet – sie könnten daher zu grösseren Zielen tendieren. Ein häufig verwendetes Ziel muss eventuell grösser sein, damit Menschen keine Mühe haben oder ihre Armbewegung verlangsamen müssen, um es genau zu treffen. Ein selten verwendetes Ziel funktioniert bereits in Minimalgrösse [da die Belastung, die mit seiner Verwendung in Verbindung steht, nur selten auftritt].“

Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden sollte, ist laut Shamonsky die Ermüdung des Nutzers. „Obwohl ein grosser Bildschirm verlockend ist und gegenüber einem kleinen Bildschirm viele Vorteile bietet, kann es anstrengend sein, ihn zu verwenden“, sagt sie. „Grosse Touchscreens setzen vollen Körpereinsatz voraus, da die Arme aufgrund des grossen Platzangebots bewegt werden müssen, um die Steuerungselemente zu erreichen. Der körperliche Aufwand, den die Interaktion mit einem sehr grossen Bildschirm mit sich bringt, ist gross genug, um spürbar zu ermüden, wenn die Aufgabe über zwangloses Surfen hinausgeht. In einem Leitartikel von Scientific American bezeichnete David Pogue den Effekt der langen Nutzung eines Touchscreens als „Gorilla-Arm“.

Wenn man eine Ziehbewegung auf einem sehr grossen Bildschirm mit derselben Ziehbewegung auf einem kleinen Bildschirm vergleicht, scheinen Elemente der Nutzeroberfläche auf dem grossen Bildschirm schwerer zu bewegen zu sein. Shamonsky beobachtete: „Tippen ist kein Problem. Doch da Wischen, Schnippen, Ziehen, Vergrössern und Verkleinern voraussetzen, dass ständiger Druck auf das Element ausgeübt wird, können sich diese Gesten auf einem grossen Bildschirm anstrengender anfühlen.“

Der Winkel, in dem der Bildschirm positioniert wird, beeinflusst laut Shamonsky ebenfalls, wie leicht diese Gesten absolviert werden können. „Wenn der Bildschirm in einem Winkel von 90 Grad positioniert wird [also flach an der Wand hängt] kann die Präzision, mit der Nutzer ziehen, vergrössern und verkleinern bzw. auf einer Bildschirmtastatur tippen, negativ beeinflusst werden. Es Personen zu ermöglichen, die Tastatur zu bewegen, erhöht die Flexibilität.“

Empfehlungen für Gesten und Texteingaben, sowie für Signifier, die auf Steuerungselemente auf einem grossen Touchscreen hinweisen:

  • Verwenden Sie grosse Nutzeroberflächenelemente.
  • Fügen Sie Elementen Animationen und leichte Bewegungen hinzu, damit sie dem Nutzer auffallen.
  • Stellen Sie sicher, dass Texte, Bilder und Buttons lesbar und erkennbar sind – vor allem, wenn man eine Armlänge vom Bildschirm entfernt steht. Verwenden Sie grössere Ziele, die Armbewegungen, Reichweite und die Körpergrösse der Nutzer berücksichtigen.
  • Machen Sie die Bildschirmtastatur zu einem beweglichen Element, damit sie von Nutzern bewegt und an der bevorzugten Stelle verwendet werden kann – unabhängig von der Körpergrösse.
  • Passen Sie den Widerstand, die Beschleunigung und die Verlangsamung von Elementen der Nutzeroberfläche an, damit diese leichter und einfacher zu steuern sind.

Datenschutz und gemeinsam verwendete Bildschirme

Bildschirme werden automatisch gemeinsam verwendet, wenn sich mehrere Personen in einem Raum mit einem sehr grossen Bildschirm befinden. Shamonsky erklärt, dass das Teilen „beginnt, wenn ein Nutzer einen grossen Monitor auf der anderen Seite des Raums sieht und beobachtet, wie andere damit interagieren. Wenn sich der Nutzer dem Gerät nähert, könnte er oder sie eventuell sogar mit den derzeitigen Nutzern interagieren und Beobachtungen kommentieren.“ Abhängig von der tatsächlichen Grösse des Geräts, steht genügend Platz zur Verfügung, damit 2 bis 3 Personen gleichzeitig mit dem Gerät interagieren können.

 

Das Bild zeigt 2 Leute, die einen ViewPoint Kiosk Bildschirm nutzen.

Zwei Menschen arbeiten am ViewPoint Kiosk eines Autohändlers zusammen. Der 72-Zoll grosse Touchscreen macht das Gebrauchtwagenangebot sichtbar und greifbar – ausserdem ist es für Nutzer einfacher und unterhaltsamer, das richtige Auto zu finden.

Die Kehrseite der einfachen gemeinsamen Verwendung ist, dass Nutzer grosser, öffentlicher Touchscreens nur wenig bzw. gar keine Privatsphäre haben. Laut Shamonsky bietet ein Bildschirm in einem Winkel von 45 Grad „etwas Privatsphäre und Schutz vor den Blicken jener, die weiter hinten stehen – ein vertikaler Bildschirm bietet allerdings nur Privatsphäre in der Masse.“

Empfehlungen für die Privatsphäre

  • Denken Sie darüber nach, welche Art von Information Menschen eingeben müssen, und überlegen Sie, in welchem Umfeld sie den Touchscreen verwendet werden. Entscheiden Sie basierend darauf, welche Informationen überhaupt abgefragt werden sollen.
  • Falls Sie jemanden bitten, private Informationen, wie eine E-Mail Adresse, einzugeben, zeigen Sie die Tastatur relativ gross an, während der eingegebene Text so klein wie möglich zu sehen ist (damit er nur für Menschen lesbar ist, die sehr nahe am Monitor stehen).

Freiheit und Neuigkeit eines grossen Bildschirms

„Zu den auffälligsten Vorteile eines grossen Touchscreens“, erklärt Shamonsky, „gehören die Grösse des Bereichs, in dem Informationen präsentiert werden, und die Möglichkeit, bei der Interaktion mit dem Gerät zu ‚spielen‘. Es ist sehr zufriedenstellend, einen guten Überblick über etwas zu haben. Ausserdem ist es attraktiv, viel Platz zu haben, um mit dem ganzen Arm zu gestikulieren, Dinge zu bewegen und den Platz mit anderen zu teilen.“

Shamonsky beschrieb auch eine unerwartete Eigenschaft grosser Touchscreens: sie wecken den Entertainer im Nutzer. „Es ist klar, dass andere Menschen beobachten, was Sie gerade tun. Dadurch werden Sie zu einem Darsteller, der die Anwendung nutzt, was Spass machen kann“, sagt sie.

Empfehlungen zur Unterstützung von „Darstellern“

Stellen Sie sicher, dass sich Nutzer während der „Show“ so selbstbewusst wie möglich fühlen. Sie erreichen das, indem sie ihnen ein Gefühl der Kompetenz geben, was sie mit Designs, die eine einfache Nutzung ermöglichen, erreichen. Coole Effekte helfen dem Darsteller dabei, mit seiner Tätigkeit zu beeindrucken.

Schlussfolgerung

Die unten stehende Tabelle fasst einige Verhaltensweise von Nutzern an Smartphones, grossen Touchscreens, wie 24-Zoll Tablets, und sehr grossen Touchscreens zusammen. (neben ihrer Grösse ist der Hauptunterschied zwischen grossen und sehr grossen Touchscreens, dass grosse Touchscreens vom Nutzer relativ einfach bewegt werden können) Beachten Sie, dass die Herausforderungen für grosse und sehr grosse Touchscreens sehr ähnlich sind.

 

SmartphoneGrosser TouchscreenSehr grosser Touchscreen
Beispiel-GerätiPhoneKleiner Kiosk oder Nabi Big TabAn der Wand montierter Monitor
Typische Grösse (Diagonale)4,7 Inch = 12 cm24 Inch = 61 cm72 Inch = 183 cm
Bildschirm kann leicht gemeinsam verwendet werdenNeinJaJa
Häufigkeit versehentlicher BerührungenJa, Wurstfinger. Kann vermieden werden, wenn grössere Touchpoints verwendet werden.ja, unabsichtliche zweihändige BerührungenNein
Körperliche Anstrengung, um den ganzen Screen zu sehenNein

Ja,  physische Nähe setzt voraus, dass der Kopf bewegt wird.

 

Ja, physische Nähe macht es notwendig, den Kopf zu bewegen und manchmal nach vorne oder hinten zu gehen
Körperliche Anstrengung, um zu schreiben (oder zu tippen)

 

Nein

Ja, Armbewegung notwendig

Ja, Arm- und Halsbewegung notwendig, manchmal auch Vor- oder Zurückgehen.
Probleme mit der PrivatsphäreNeinJaJa

 

Shamonsky erzählt von weiteren Erkenntnissen, die auf ihrer Forschung mit sehr grossen Touchscreens basieren: „Ein grosser Touchscreen kann schön aussehen und es macht Spass, damit zu interagieren! Gleichzeitig vergrössert ein grosser Monitor ein schlechtes Nutzererlebnis. Falls Ihnen die Nutzeroberfläche in einer kleinen Version nicht gefällt, wird sie am grossen Bildschirm noch schlimmer sein. Jeder Aspekt des Nutzererlebnisses wird auf grossen Monitoren überdimensional – die Schönheit und der Spass genauso wie die Anstrengung und die Frustration. Touch-Funktionen auf Websites und Apps zu verwenden, die nicht dafür designt wurden, ist im besten Fall langweilig. Das Gestalten einer ansprechenden Touch-Nutzeroberfläche setzt ein Verständnis für bekannte Gesten und ihrer angemessenen Verwendung voraus. Setzen Sie einfaches, klares visuelles und akustisches Feedback ein, was als taktiles Feedback wahrgenommen wird. Schaffen Sie ein tolles Nutzerlebnis.“

 

© Deutsche Version. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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