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02.03.2002

Direkte Links sind gute Links

Links, die direkt auf bestimmte Inhaltsseiten einer Website führen, sind nutzerfreundlicher. Im Gegensatz zu generellen Links führen sie den Nutzer nämlich direkt auf das von ihm angesteuerte Ziel. Webseiten sollten deshalb zum so genannten "Deep Linking" einladen und dabei, um den Anwender zu unterstützen, drei Richtlinien berücksichtigen.

 

by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 03.03.2002

 

Einige Internet Marketing Manager jedoch wehren sich gegen solche direkten Verknüpfungen auf Unterseiten ihrer Webseite. Ich schliesse dies daraus, weil Webseiten-Inhaber tatsächlich bei den Kundendiensten von Suchmaschinen anrufen und sich darüber beschweren, dass es Nutzer wagen, die für sie interessantesten Seiten direkt aufzurufen. Solche Anrufer hätten wohl lieber Suchmaschinen, welche die Nutzer nur auf die Homepages nicht aber auf direkte Inhaltsseiten verweisen.

"Ticketmaster" hat sogar eine Klage eingereicht, um andere Webseiten davon abzuhalten, Nutzer direkt auf Inhaltsseiten weiterzuleiten, wo sie Tickets für bestimmte Shows kaufen können. Solche Fälle sind jedoch die Ausnahme; die meisten Webseiten sind für solche direkten Links dankbar und zahlen gerne für so genannte Affiliate Programs, die andere Webseiten dazu einladen, zielgerichtet Nutzer auf sie zu lenken.

Diese Webseiten haben verstanden, was unsere Untersuchung zur E-Commerce-Nutzerfreundlichkeit aufzeigte: Die Schwierigkeit, von der Homepage aus die richtige Produktseite zu finden, macht 27% aller Fehler aus (errechneter Durchschnitt von 20 Webseiten). Im Schnitt können die Verkäufe einer E-Commerce-Webseite durch eine erhöhte Usability verdoppelt werden. Durch das Unterbinden von "Deep Linking" ginge also etwa ein Viertel der potentiellen Verkäufe derjenigen Besucher verloren, die die Seite über Suchmaschinen erreichen. Dabei sind genau diese Anwender die interessantesten, da sie sich zielgerichtet für Ihre Produkte interessieren. Kunden also, die sich niemand gerne entgehen lassen möchte.

"Deep Linking" erhöht die Usability, da es die Bedürfnisse der Nutzer mit grösserer Treffsicherheit erfüllt. Spezifische Links, die Nutzer zu einzelnen Artikeln oder Produkten führen, sind wesentlich nützlicher als generelle Links wie etwa Links zur Homepage eines Unternehmens.

Jetzt, wo uns endlich Web-umspannende Suchmaschinen zur Verfügung stehen, werden Nutzer diese spezifischen Links sicherlich wesentlich häufiger nutzen, als von der Homepage eines Unternehmens aus zu starten.

Unterstützung der Anwender direkter Links

Eine Website ist wie ein Gebäude mit Millionen Eingängen: Der Haupteingang ist lediglich einer von vielen Wegen, das Haus zu betreten. Eine gute Website muss auch Besuchern entgegenkommen, die sich auf alternativen Wegen befinden.

Dazu drei Richtlinien zur grösseren Anwenderfreundlichkeit für Nutzer, die ihre Webseite über eine spezifische Inhaltsseite betreten:

  • Geben Sie dem Nutzer an, wo er sich auf Ihrer Seite befindet und wie er zu anderen Bereichen Ihrer Webseite navigieren kann, wobei Sie folgende drei Designelemente in jede einzelne Seite aufnehmen sollten:

    • Firmenname oder -logo in der linken oberen Ecke
    • Direkter Link zur Homepage (mit nur einem Klick)
    • Suchfunktion (möglichst in der rechten oberen Ecke)

  • Geben Sie dem Nutzer eine Orientierungshilfe für den Rest Ihrer Website. Ist die Informationsstruktur Ihrer Webseite hierarchisch aufgebaut, empfiehlt sich ein Anzeigen des Pfades. Bieten Sie auch Links zu anderen Inhalten an, die für die gegenwärtige Position relevant sind. Überfordern Sie den Nutzer nicht mit Links zu allen Bereichen oder zu Seiten, die mit seiner gegenwärtigen Position nicht in Beziehung stehen.
  • Gehen Sie nicht davon aus, dass der Nutzer die gegenwärtige Seite über einen Drill-Down-Pfad erreicht hat. Es könnte durchaus sein, dass ihm die auf den höhergelegenen Seiten enthaltenen Informationen nicht bekannt sind.

Ein Beispiel für den dritten Punkt: Ich habe vor kurzem auf der Website eines Computerhändlers einen Flachbildmonitor gesucht. Nachdem ich in einer Zeitschrift eine positive Bewertung dieses Monitormodells gesehen hatte, suchte ich bei Google danach und gelangte zu besagter Webseite. Dort angekommen, konnte ich keinen Link zu den Leistungsmerkmalen des Monitors finden. Schliesslich klickte ich auf dem angezeigten Pfad die Kategorieseite mit allen Monitoren an. Dort fand ich das Datenblatt in Form einer lästigen PDF-Datei, welche die Leistungsmerkmale aller Monitore im ganzen Prospekt verteilt enthielt. Dies war schon ärgerlich genug, ganz abgesehen davon, dass ein derart wichtiges Verkaufsinstrument lediglich auf der Kategorieseite und nicht auf den Produktseiten zu finden war.

Wann sind "Deep Links" zu vermeiden? In einigen Fällen können sich "Deep Links" als kontraproduktiv erweisen, da bestimmte Seiten erst dann genutzt werden sollten oder können, wenn der Nutzer vorher höhergelegene Seiten der Webseite besucht hat.

Hier ein Beispiel aus meiner eigenen Webseite: Dort gibt es eine Aufgabe, in der die Leser meiner Homepage-Richtlinien darum gebeten werden, die Verbesserungen der kürzlich umgestalteten BBC-Homepage zu beurteilen. Die Aufgabe besteht aus zwei Seiten:

  • einer Anfangsseite, die das Problem darlegt
  • einer Folgeseite mit der Lösung

Werden diese beiden Seiten nicht genau in der richtigen Reihenfolge betrachtet, ist die gesamte Aufgabe sinnlos. Man kann ein Design nicht unbedarft betrachten, wenn man schon im Voraus weiss, wo die Probleme der Nutzerfreundlichkeit liegen. Jemand, der die Lösungsseite über einen "Deep Link" erreicht, könnte von dieser Aufgabe also nicht profitieren.

Es ist nicht schwer, Suchmaschinen davon abzuhalten, einen direkten Link auf eine bestimmte Unterseite zu legen. Es genügt, folgenden Meta-Tag-Code in den Kopfbereich der Seite aufzunehmen:

<meta name="robots" content="noindex">

Suchmaschinen, die wissen was sich gehört, werden diese Seite nicht in ihre Datenbanken aufnehmen. "Deep Links", die nicht von Suchseiten oder die von fehlgeleiteten Suchmaschinen gelegt werden, können zwar unterbunden werden, indem man eine ausgeklügelte serverseitige Programmierung durchführt, die prüft, ob sich der Nutzer vor dem Besuch der heiklen Seite auf der entsprechenden höhergelegenen Seite befand.

Ich empfehle dies jedoch nicht, da hierbei leicht Fehler unterlaufen können, wodurch berechtigten Nutzern der Zugang verwehrt wird. Ist die Website eines Dritten so dumm, einen Link zu einem sinnlosen Ziel zu legen, ist sie vermutlich so schlecht, dass sie ohnedies nur wenig Verkehr anzieht. "Deep Links" sind Ihre Freunde. Sie sorgen dafür, dass Nutzer ihr angestrebtes Ziel schnellstmöglich erreichen. Aus diesem Grund sollten Sie nur den "noindex" Meta-Tag für solche Seiten verwenden, die Nutzer nicht als erstes sehen sollen.

 

© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

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