Drucken
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • XING
13.05.2007

Befehls-Links

Anwenderbefehle können als Buttons oder als Links angezeigt werden, wobei letztere mehr Platz für Erklärungen bieten. Für die wichtigsten Befehle allerdings sind Buttons nach wie vor am besten.

 

by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 14.05.2007

 

In einfacheren Zeiten gab es einen Satz Richtlinien für Websites und einen anderen Satz Richtlinien für Anwendungen. Und die beiden waren klar zu unterscheiden. Zum Beispiel gab es unterschiedliche Regeln, um die Optionen der Nutzer anzuzeigen:

Die Richtlinien für Websites und Anwendungen waren unterschiedlich (und sind nach wie vor unterschiedlich) aufgrund eines uralten Usability-Grundsatzes: Gutes Design hängt (a) von den Nutzern und (b) von den Aufgaben ab. Websites und Anwendungen unterscheiden sich in der letzteren Hinsicht fundamental:

  • Bei Websites besteht die Hauptaufgabe der Nutzer darin, sich in einem Informationsraum hin- und her zu bewegen und seine Inhalte zu lesen.

  • Bei Anwendungen besteht die Hauptaufgabe des Nutzers darin, den Zustand eines bestehenden Datensatzes mit Hilfe von Befehlen zu verändern.

In der Tat entspricht es der eigentlichen Definition einer Anwendung, dass ihre Funktionen etwas Externes in den Bereich der eigenen Nutzeroberfläche hineinziehen. Wenn man eine Anwendung nutzt, ändert sich dadurch etwas, weil der Nutzer etwas ändern will. Eine Website dagegen ändert sich nicht durch ihren blossen Gebrauch; die Seiten bleiben immer dieselben. (Auch wenn sich die Informationen ändern, sind Webseiten vom Konzept her statisch. Eine Seite mit der Wettervorhersage für morgen z. B. enthält immer diese Information, auch dann, wenn sie an einem Tag das Symbol für Regen, an einem anderen Tag das Symbol für Sonnenschein anzeigt.)

Die Trennlinie zwischen Anwendungen und Websites verwischt

In den vergangenen zehn Jahren wurde der klare Unterschied zwischen Websites und Anwendungen verwischt.

Zunächst haben die Websites auf semantischer Ebene immer mehr Funktionen angeboten. Die erste weit verbreitete Funktion war: "In den Warenkorb", und es war immer eine Richtlinie für E-Commerce-Usability, diese Funktion als Button anzuzeigen, auch wenn sie sich auf einer Website befand.

Mithin sollten Sie bei Anwendungs-Komponenten - also solchen, die eher Funktionen oder Befehle darstellen als reine Informationen - die Richtlinien für Anwendungs-Usability befolgen (wie z. B. bei der Funktion "In den Warenkorb").

Das zweite Thema ist schwerer zu behandeln: Auf der Syntax-Ebene wurde die Grenze zwischen Buttons und Links verwischt, weil einige Befehle als Links angezeigt werden.

Zum Glück haben wir wenigstens eine klare Regel: Verwenden Sie keine Buttons für die Navigation. Um zu einer anderen Seite mit Informationen zu gelangen, sollten die Nutzer einen einfachen Link anklicken.

Doch auch zu dieser Regel gibt es eine Ausnahme: Die Optionen "Einkauf fortsetzen" und "Zur Kasse" auf der Warenkorb-Seite werden traditionell als Buttons angezeigt, obwohl sie reine Navigationsschritte sind. Nichts ändert sich, wenn man eine dieser Optionen anklickt - es erscheint lediglich eine neue Seite, die die gewünschten Befehle enthält. Doch da die Kasse Teil eines Arbeitsprozesses ist, hat sie einen Passierschein, der sie aus der Navigation-durch-Link-Regel entlässt.

Doch im Allgemeinen lautet die Regel, Links zu verwenden, wenn die Nutzer sich von Seite zu Seite bewegen. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Nutzer die neue Seite je nach Wunsch in einem neuen Tab oder einem neuen Fenster öffnen können, und dass man die Links in unterschiedlichen Farben anzeigen kann, je nachdem, ob der Nutzer das Ziel schon einmal besucht hat oder nicht.

Richtlinien für das Design von Befehls-Links

Windows Vista hat einen neuen Bedienungshebel für Befehle eingeführt: den Befehls-Link. Sobald sich etwas in dem System befindet, das die Leute im Alltag verwenden, wird es zum De-facto-Standard. Da sie ihnen in Windows Vista häufig begegnen, kennen die Nutzer Befehls-Links und erwarten sie zu finden.

Viele Websites verwenden bereits Links für Befehle. Zwar wird den Nutzern in zunehmendem Masse bewusst, dass Links einen Befehl auslösen können, doch es besteht noch das Risiko der Verwirrung, da die meisten Links zur Navigation gehören.

Um Verwirrung zu vermeiden, sollte der Link-Text ausdrücklich festhalten, dass der Link zu einem Befehl führt und nicht bloss zu einer neuen Seite. Es reicht nicht, diese Information im umgebenden Text mitzuteilen; die Nutzer scannen Webseiten oft nach Bereichen, in denen sie etwas tun können. Deshalb sollten Sie davon ausgehen, dass die meisten Nutzer nur den Link-Text lesen werden. In der Tat lesen die Nutzer oft nur die ersten paar Wörter des Link-Textes, deshalb ist es wichtig, dass Sie mit einem Wort beginnen (in der Regel einem Verb), das die Aktion anzeigt, die passiert, wenn man den Link anklickt.

Was die Gross- und Kleinschreibung betrifft [Anmerkung der Übersetzung: gemeint ist hier die Gross- und Kleinschreibung von Namen, Überschriften u. ä. im Englischen], halten Sie sich an die Richtlinien für normale Links in Ihrem Firmen- oder Institutions- Styleguide. Wenn Sie keinen Styleguide haben, verwenden Sie die satztypische Gross- und Kleinschreibung (das heisst: Sie schreiben nur den ersten Buchstaben des ersten Wortes der Befehlsbezeichnung gross). Eine Ausnahme wäre ein Textlink innerhalb eines ihn umgebenden Satzes. Es ist aber normalerweise besser, innerhalb des Fliesstextes Befehls-Links zu vermeiden; solche Text-Links sollten auf die Navigation begrenzt sein.

Beschränken Sie die Verwendung von Befehls-Links auf:

  • Aktionen mit eher geringfügigen Konsequenzen, da die Nutzer möglicherweise etwas anklicken, was wie ein Link aussieht, weil sie erwarten, dass dadurch nur eine neue Seite aufgerufen wird. In einer Börsen-Anwendung zum Beispiel sollten Sie den Befehl "Diese Aktie kaufen" weiterhin als Button anzeigen.
  • Zweitrangige Befehle, da die Nutzer den Bildschirm nach einem Button absuchen werden, wenn sie einen "ernsten" oder wichtigen Befehl suchen. Sie sollten also die wichtigsten Befehle - sei es aus der Perspektive der Nutzer, sei es aus Ihrer Perspektive - als Buttons präsentieren. Verwenden Sie zum Beispiel weiterhin einen Button für "In den Warenkorb".

Trotz dieser Beschränkungen haben Befehls-Links ihren Platz, weil sie einige Vorteile mit sich bringen. Besonders bemerkenswert: Bei einem Link können Sie einen längeren Befehlsnamen unterbringen und so die beschreibende Qualität verbessern; Bezeichnungen in Buttons müssen dagegen kurz sein (höchstens vier kurze Wörter), sonst sieht der Button unförmig aus. Natürlich sollten Sie die Befehlsbeschreibungen weiterhin so kurz wie möglich halten, da die Nutzer ungern lesen.

Vista stellt einen weiteren Vorteil von Befehls-Links heraus: die Möglichkeit, zusätzlichen erklärenden Text unterhalb des primären Linktextes unterzubringen. Sie können diese Erläuterung in einer kleineren Schrift präsentieren, um ihre sekundäre Natur zu betonen (damit erfahrene Nutzer keine Zeit damit verlieren, sie zu lesen). Da Buttons eingekapselt und in sich abgeschlossen sind, ist es schwerer, einen erklärenden Text zu einem Befehls-Button hinzuzufügen. Und wenn Sie es tun, werden viele Nutzer ihn wahrscheinlich übersehen.

Die Zeit ist gekommen, einige Ihrer Befehle als Links anzuzeigen. Aber übertreiben Sie es nicht.

 

© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.

Kommentare auf diesen Beitrag

    Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Die mit * gekenzeichneten Felder sind zwingend auszufüllen