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Hier ist meine Liste von zehn Unarten, die in jüngster Zeit bei
Websites besonders negativ aufgefallen sind.
1. Unklare Zweckangabe
Viele Firmen, besonders in der High-Tech-Branche, benutzen vage und
generalisierende Begriffe, um ihre Absichten zu beschreiben. Das
Verschleiern dieser grundlegenden Fakten erschwert es den Besuchern sehr,
die Informationen und Dienste einer Website einzuschätzen.
Eine belastbares mentales Modell kann aus kleinen Samenkörnern
heranwachsen, so wie jedes zusätzliche Design-Element das bestehende
Verständnis des Besuchers von der Site ergänzt. Allerdings erzeugen viele
Sites verschwommene Vorstellungen in den Köpfen ihrer Besucher. Sie
missachten die Tatsache, dass Benutzer die Informationen in den richtigen
Kontext einordnen können müssen.
2. Neue Web-Adressen für archivierten Inhalt
Mit sehr geringem zusätzlichen Aufwand vergrössern Archive den Wert
einer Site substanziell. Obwohl mehr und mehr Sites alte Inhalte
archivieren, misslingt es den meisten Sites, gute Archive bereitzustellen.
Manche Sites behandeln Archive als separaten Site-Bereich und vergeben
neue Web-Adressen (URLs) an die Seiten, sobald sie aus dem Hauptbereich
ins Archiv gestellt werden.
Die Web-Adresse beim Archivieren zu ändern, verursacht gebrochene
Links. Außerdem führt es dazu, dass andere Sites nur widerwillig
auf Ihre Site verlinken. Obwohl es diese in Betracht ziehen könnten,
auf einen Ihrer aktuellen Artikel zu verlinken, werden sie es oft bleiben
lassen, falls sie sich damit in der Vergangenheit Probleme mit gebrochenen
Links eingehandelt haben. Denn sie möchten sich nicht mit mit dem
Aktualisieren ihrer Seiten herumschlagen, falls Sie Ihre umgestalten.
3. Undatierte Inhalte
Ohne Datum auf Artikeln, Pressemitteilungen und anderen Inhalten haben
die Benutzer keine Ahnung, ob die Information aktuell oder veraltet ist.
Es ist großartig, Inhalte in Archiven bereitzustellen. Die Alertbox zum
Beispiel gewinnt 80% ihrer Leserschaft über alte Kolumnen, welche die
Leser weiterhin nützlich finden. Aber manche Fakten und Empfehlungen sind
stark zeitgebunden, etwa wenn ich empfehle, eine bestimmte Version eines
Software-Pakets zwei weitere Jahre lang zu benutzen. Natürlich meine ich
zwei Jahre vom Tag an, an dem der Artikel geschrieben wurde; wenn die
Leser das Datum nicht sehen können, wissen sie nicht, wie sie der
Empfehlung folgen sollen.
Einem ähnlichen Fehler ist ein Benutzer kürzlich in unserer
Untersuchung begegnet, wie Investoren und Wirtschaftsjournalisten den
Investor-Relations-Bereich von Unternehmens-Websites auswerten. Der
Besucher hat über die Suchmaschine der Site eine Nachrichtenmeldung
gefunden und sie dazu benutzt, die geschäftlichen Aussichten der Firma zu
bewerten. Schön, ausser dass die Meldung schon ein paar Jahre alt war. Die
Suchmaschine hatte den Artikel mit einem irreführenden Datum
versehen – wahrscheinlich dem Datum, an dem die Datei verschoben oder ein
Tippfehler beseitigt worden war.
Die Suchmaschine auf meiner eigenen Site hat das gleiche Problem: Sie
orientiert sich am Dateiüberarbeitungsdatum des Betriebssystems anstatt an
dem Datum, an dem der Inhalt geschrieben worden ist. Ich habe daraus die
Konsequenz gezogen und die Datumsfunktion in den Suchergebnislisten
abgeschaltet. Solche Daten können sehr nützlich sein, aber sie richten
mehr Schaden an als Nutzen, wenn die Benutzer sich nicht auf sie verlassen
können. Natürlich wäre die Ideallösung ein Content-Management-System, das
die Suchmaschine mit dem Entstehungsdatum füttert. Jede große Site mit
IT-Personal sollte das so handhaben.
4. Kleine Daumennagelbilder von großen, detailreichen Fotos
Es ist großartig, dass Websites jetzt kleinere Bilder verwenden. Die
aufgeblasenen Designs der Vergangenheit zu vermeiden, reduziert die
Ladezeiten und steigert den Informationsgehalt. Es ist ebenfalls gut, wenn
kleine Bilder auf den Sites zu größeren Bildern verlinken, so dass die
Benutzer die Möglichkeit haben, das Bild im Detail zu betrachten.
Das Hauptproblem dabei ist, dass die Websites normalerweise kleine
Bilder produzieren, in dem sie die großen Bilder einfach verkleinern. Wenn
ein Originalfoto eine Menge komplizierter Details enthält, ist das
Daumennagelbild oft unverständlich.

Das linke Foto stammt von der Site whitehouse.gov. Es zeigt den
US-Präsidenten, den Innenminister und den Nationalparkdirektor in den Bergen von
Santa Monica. Wenn ich Ihnen das nicht gesagt hätte, würden Sie es beim
Anschauen des Daumennagelbildes nicht erkennen: Es ist bloß ein Foto von
drei Personen. Sie können noch nicht einmal wirklich feststellen, dass sie
in einem Park sind, geschweige denn, in welchem.
Das rechte Foto stammt von cnn.com, die gewöhnlich auf ihrer Homepage
gut mit kleinen Bildern arbeiten. Das Foto hat eine Geschichte über
Hochwasser illustriert; in diesem Fall können Sie klar erkennen, was
vorgeht, obwohl das Bild bloß 65*49 Pixel groß ist.
Wenn Sie Fotos im Web benutzen:
- Zeigen Sie weniger Leute und Objekte, und weniger komplizierte
Settings als Sie für Fotos im Printbereich verwenden würden
- Bevorzugen Sie Nahaufnahmen mit sauberem Hintergrund
- Benutzen Sie Techniken der relevanzabhängigen Bildreduktion, wenn Sie
ein kleines Fotos aus einem großen herstellen. Verkleinern Sie es nicht
einfach; schneiden Sie das Bild zuerst zurecht, um es auf ein
hervorstechendes und einfaches Element zu fokussieren.
5. Zu detaillierte ALT-Texte
Viele Sites sind dazu übergegangen, auf behinderte Benutzer Rücksicht
zu nehmen, und befolgen dabei Zugänglichkeitsrichtlinien wie jene der ALT-Texte für
Bilder einzubauen.
Leider beachten manche Sites nicht, dass ALT-Text ein Bestandteil der
Benutzeroberfläche ist und nicht ein Zeugnis politischer Korrektheit.
ALT-Text soll blinden Benutzern (und anderen, die keine Bilder erkennen
können) helfen, in der Site zu navigieren und mit ihr zu arbeiten. Der
Text sollte die Bedeutung des Bildes für die Interaktion beschreiben und
was Benutzer über das Bild wissen müssen, um die Site möglichst
effektiv benutzen zu können. Es ist nicht nötig, irrelevante visuelle
Details zu beschreiben.
Zum Beispiel bin ich auf eine Site gestossen, die folgenden ALT-Text
für ihr Logo eingesetzt hat: »Link zur Homepage über das IDEAS-Logo:
Zwei Wirbel umkreisen IDEAS und im Hintergrund geht die Sonne auf.« Es
mag sinnvoll sein, irgendwo in der Site eine Textbeschreibung des Logos
einzubauen, für blinde Benutzer, die wissen wollen, wie es aussieht. Aber
es macht keinen Sinn, wenn der Bildschirmleser jedes Benutzers auf jeder
einzelnen Seite die Anzahl der Wirbel im Logo verkündet.
Es braucht einige Zeit, bis der Bildschirmleser neunzehn Wörter
vorgelesen hat, und die ausführliche Beschreibung macht es schwerer,
die entscheidende Information herauszufiltern: dass die Grafik ein Link
auf die Homepage ist.
Kurz ist gut, wenn man fürs Web schreibt; es ist sogar noch besser,
wenn man für Bildschirmleser schreibt.
6. Keine »Was-ist-wenn«-Hilfe
Alternativen zu vergleichen und auszuwählen ist die Basis für viele
entscheidende Aufgaben im Web, doch die meisten Websites unterstützen die
Besucher nicht, wenn sie Alternativen abwägen wollen.
Was ist, wenn ich nicht am Samstag, sondern am Sonntag verreisen will?
Wie würde das den Preis meines Flugtickets beeinflussen? Bei den meisten
Reisesites, ist der einzige Weg, diese Frage zu beantworten, nochmals beim
ersten Formular anzufangen, einen völlig neuen Trip zu planen und dabei
die ganze Arbeit zu verlieren, die man in das Erstellen der ersten
Reiseroute gesteckt hat.
Was ist, wenn ich keinen Schwarz-Weiß-, sondern einen Farbkopierer
haben will, aber mit allen anderen Attributen des Schwarz-Weiß-Kopierers
zufrieden bin, den ich gerade anschaue? Kann ich nach Attributen
navigieren und bloß einen der Parameter verändern? In der Regel nicht.
Manche Websites erlauben es den Benutzern, einige Produkte auszuwählen
und eine Vergleichstabelle zu betrachten, aber normalerweise haben solche
Tabellen eine geringe Usability und heben die wichtigsten Unterschiede
zwischen den Produkten nicht hervor.
7. Lange Listen, die man nicht anhand von Attributen bereinigen
kann
Früher haben Websites gewöhnlich ein oder zwei Dinge angeboten.
Heutzutage findet man gewöhnlich Sites mit Tausenden oder Millionen von
Artikeln. Wunderbar, aber das bedeutet, dass Artikellisten oft sehr lang
werden und schwer zu benutzen sind.
Eine der Haupt-Usability-Richtlinien für kategorisierte Seiten besteht darin, die Benutzer anhand
ihrer Interessen Artikel aussortieren zu lassen. Eine Liste zu bereinigen
bedeutet im Grunde, Elemente herauszufiltern, auf die bestimmte Kriterien
nicht zutreffen, so dass eine kürzere Liste entsteht, die einfacher zu
handhaben und zu verstehen ist.
Eine nützliche Bereinigung erfordert vier Dinge:
- Zunächst einmal muss die Site das Bereinigen unterstützen, und die
meisten tun das nicht.
- Die Bereinigungsattribute müssen für den Benutzer sinnvoll sein und
nicht hochtechnisch oder betriebsintern (etwa Artikelnummern; allerdings
sollte für Benutzer, die genau wissen, was sie brauchen, eine Suche nach
Nummern angeboten werden).
- Die Kriterien sollten interessante Produkte von solchen
unterscheiden, die der Benutzer ausblenden möchte. Beispiele:
- Nur Produkte zeigen, die am Heiligabend ausgeliefert werden
können.
- Nur Schuhe zeigen, die in Größe 10 extraweit erhältlich sind.
- Schließlich muss natürlich die Benutzeroberfläche, die den
Bereinigungsprozess steuert, einfach sein, damit sich der Benutzer auf
die Attribute und Listen konzentrieren kann und nicht auf die
Bedienungsmechanismen der Site.
8. Produkte, die nur nach Markennamen sortiert werden können
Sites, die viele Artikel anbieten, sollten es ermöglichen, zu
bereinigen und zu sortieren. Dies ist sehr nützlich, wenn man mit Listen
arbeitet, und ist zum Glück ziemlich weit verbreitet. Leider lassen sich
auf vielen Sites die Produkte nur nach Markennamen sortieren. So kann man,
sagen wir, alle Armani-Produkte finden, nicht aber alle roten Pullover.
Um das Sortieren nach Benutzerinteressen möglich zu machen, ist
offensichtlich die erste Frage: »Welche Attribute sind den Benutzern
wichtig?« Die Antworten werden je nach Produktkategorie verschieden sein,
aber Benutzerforschung kann Ihnen helfen, diese herauszufinden, so wie das
auch ein guter Verkäufer kann.
9. Überrestriktive Formularfelder
Belasten Sie den Computer, nicht den Menschen: Lassen Sie die Benutzer
ihre Daten so eingeben, wie sie es möchten. Zwei verbreitete Arten, die
Benutzer unfair einschränken:
- Ausgewählte, überspezifische Formulare. Auf mehrere Felder
aufzuteilen, was die Benutzer als einzelnes Stück Information
betrachten, führt dazu, dass die Benutzer Zeit verschwenden müssen, um
den Cursor fortzubewegen. Ein typisches Beispiel ist, wenn Formulare vom
Benutzer verlangen, Vornamen und Nachnamen als zwei getrennte Elemente
einzugeben, anstelle ihm die Möglichkeit zu lassen, seinen ganzen Namen
in ein einzelnes Feld zu schreiben, was viel schneller geht. Ein anderes
Beispiel:
Telefonnummer: (______) ______-_______
- Gewohntes Formatieren verboten. Jedes Texteingabefeld, das
vom Benutzer verlangt, die Information in einer bestimmten Art und Weise
einzugeben und ihm die natürlichen Variationen, die von den Benutzern
bevorzugt werden, nicht erlauben, kann irritierend sein. Viele Sites
zwingen die Benutzer zum Beispiel, die Kreditkartennummer als
1234567890123456 einzugeben, und lassen es nicht zu, nach jeweils vier
Ziffern einen Abstand einzugeben, was die Gefahr für Fehler signifikant
verringern würde. Genau so lassen manche Sites die Besucher keine
Telefonnummern mit Klammern um die Vorwahl eingeben, obwohl viele
Besucher es gewohnt sind, solche Klammern zu setzen. Unsere Tests haben
gezeigt, dass besonders ältere
Bürger darunter leiden, wenn das Format in der Website anders ist
als das Format, das sie seit vielen Jahren gewohnt sind.
Restriktive Dateneingabefelder verursachen auch Internationalisierungsprobleme, weil das eine, heilige
Format, das der Computer akzeptiert, oft an den Grenzen endet und Kunden
aus anderen Ländern ausschliesst.
10. Seiten, die auf sich selbst verlinken
Dieser Punkt wurde im Detail als Punkt #10 meiner Liste der meist-missachteten Homepage-Richtlinien ausgeführt, aber
er ist für alle Seiten wichtig, nicht nur für Homepages.
Web-Usability: Zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück
Viele der Top-Designfehler dieses Jahres sind bezeichnend für ein
positives Phänomen: Wir machen Fortschritte bei der Web-Usability. Da die
Sites jetzt bestimmte Dinge richtig machen, stossen wir auf Phänomene
zweiter Ordnung, die erst dadurch Probleme machen, weil die Benutzer die
Probleme erster Ordnung überwunden haben.
Zum Beispiel tritt die Frage nach guten oder schlechten ALT-Texten erst
bei Sites auf, die sich um ihre Zugänglichkeit kümmern und deshalb
überhaupt ALT-Texte einsetzen. Andere Top-Fehler dieses Jahres kommen von
Sites, die kurze Ladezeiten erzielen möchten, indem sie die Größe der
Bilder reduzieren, die gute Archive bereithalten oder eine breite
Produktauswahl anbieten. Das sind alles positive Design-Entwicklungen,
aber Aufmerksamkeit für Details ist erforderlich, um eine optimale
Usability-Wirkung zu erzielen.
Frühere Top-Ten-Listen
Die meisten der folgenden Top-Ten-Listen sind immer noch hoch relevant
für die Websites von heute. Auch wenn neue Fehler auftreten, verschwinden
die alten nicht, obwohl (zum Glück) ihre Verbreitung abnimmt.
Fehler für 2004 vorrangig behandelnBis heute habe ich buchstäblich mehr als
tausend
Web-Usability-Richtlinien veröffentlicht. Welche Richtlinien sind die
wichtigsten, unter der Annahme, dass nicht alle Sites alles machen können? Diese Frage
ist Thema eines neuen Forschungsprojekts, bei dem wir das Verhalten von
Webbenutzern unter weit reichenden Bedingungen untersuchen werden, um zu
sehen, welche Usability-Punkte den Benutzern am meisten schaden oder
nutzen. Wir werden die Ergebnisse im April und Mai auf meinen Web-Usability-Seminaren in den USA, in Europa und
Australien präsentieren. |