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Es ist zwar schon ein Klischee, wenn man sagt, Teenager pflegen eine
verdrahtete Lebensweise , aber sie tun es tatsächlich. Wie sie in unserer
Studie angegeben haben, benutzen Teens das Internet für
- Hausaufgaben,
- Hobbys und andere spezielle Interessen,
- Unterhaltung (einschliesslich Musik und Spielen),
- Nachrichten,
- Informationen über gesundheitliche Themen, über die sie sich nicht zu
sprechen trauen,
- E-Commerce.
Und auch wenn sie nicht wirklich selber online einkaufen, so benutzen
Teenager Websites doch für Produktrecherchen und um Wunschlisten für die mit
Kreditkarten ausgestatteten Erwachsenen in ihrem Umfeld zusammenzustellen.
Benutzerforschung
Wir führten eine Serie von Benutzertests durch, um festzustellen, wie
Websites Teenager besser zufrieden stellen könnten. 23 Websites wurden
systematisch getestet und wir baten die Teenager, beim Besuch der Sites
bestimmte Aufgaben zu lösen und dabei laut nachzudenken. Weitere Testpersonen
baten wir, Aufgaben im Web zu lösen und dabei alle passenden Websites zu
benutzen. Dadurch erweiterten wir unsere Daten um ein zusätzliches Feld von
Websites und haben Einsichten in die Frage gewonnen, wie Teens entscheiden, mit
welchen Sites sie arbeiten. Schliesslich befragten wir die Teilnehmer, wie und
wann sie das Web benutzen, und liessen uns ihre Lieblings-Sites zeigen.
Insgesamt nahmen 31 Benutzer im Alter zwischen 13 und 17 an den Tests teil.
Die meisten Sitzungen fanden in den USA statt; ein paar Tests führten wir in
Australien durch, um die internationale Anwendbarkeit der Ergebnisse
abzuschätzen. Wir konnten dort keinen grösseren Unterschied feststellen: Die
Faktoren, die Websites für Teens leicht oder schwer benutzbar machen, waren in
beiden Ländern die gleichen, ebenso die charakteristischen Designs, die Teens
anziehend finden.
Der einzige grosse Unterschied zwischen den Ländern bestätigten ein
Stereotyp über die Australier: Australier sind verrückt nach Sport. Auf die
Frage nach ihren Lieblings-Sites hat fast jeder australische Teen eine
Mannschafts-Site der australischen Fussball-Liga nominiert. Ein australischer
Teen hat ausserdem die Google-Funktion gelobt, mit der man ausschliesslich nach
australischen Sites suchen kann. Websites lokal zu verankern und
länderspezifische Inhalte und Dienste anzubieten, ist für alle Altersgruppen
zu empfehlen.
Innerhalb der USA führten wir Studien in ländlichen Regionen Colorados und an
drei Orten in Kalifornien durch. Berücksichtigt wurden dabei sowohl wohlhabende
Vorstädte als auch benachteiligte Stadtviertel. Die Anzahl der getesteten
Jungen und Mädchen war in ungefähr gleich.
Brennpunkt Web-Usability
Teenager nutzen ein breites Spektrum technischer Produkte sehr intensiv;
darunter sind Musik-Download-Dienste und MP3-Spielgeräte, Chat und Instant
Messaging (IM), E-Mail, Handy und SMS, Online-Tagebücher und vieles mehr.
Gleichwohl haben wir unsere Benutzerforschung auf die Website-Nutzung von Teens
konzentriert, aus zwei Gründen:
- Es gibt bereits eine Menge Berichte darüber, wie Teens computergestützte
Kommunikationsmedien nutzen, mobile Geräte und andere Technologien
ausserhalb des Webs. Derartige Studien verwenden bei der Durchführung nicht
immer passende Usability-Methoden und neigen dazu, sich mehr auf
Eigenberichte über das Verhalten zu verlassen als auf direkte Beobachtung
des wirklichen Verhaltens. Dennoch ist dieser Bereich bereits gut von
anderen Forschern abgedeckt.
- Interaktives Design ausserhalb des Webs ist ein enger Markt: Es gibt etwa
drei wichtige Anbieter von Chat- und IM-Software, zehn grosse Handy-Anbieter
und eine Handvoll bedeutender Musik-Download-Dienste. Es macht keinen Sinn,
für so wenig Leser einen allgemeinen Bericht zu veröffentlichen. Dagegen
gibt es 60 Millionen Websites auf der Welt, und ein grosser Anteil davon ist
vielleicht daran interessiert, wie er Teenager besser bedienen könnte.
Webdesign für Teens ist als Gegenstand verbreitet genug, um eine eigene
Spezialstudie zu rechtfertigen.
Wir haben Sites aus den folgenden Genres getestet:
- Schulangebote (BBC Schools, California State University, SparkNotes),
- Gesundheit (Australisches Drogenhilfswerk, KidsHealth, Nationales
Institut für Drogenmissbrauch),
- Nachrichten und Unterhaltung (BBC Teens, ChannelOne.com, MTV, The
Orange County Register),
- E-Commerce (American Eagle Outfitters, Apple, Volcom),
- Unternehmens-Sites (McDonald's, Pepsi-Cola, The Principal Financial
Group, Procter & Gamble),
- Regierungsstellen (Portal der australischen Regierung, Abteilung
Motorfahrzeuge in Kalifornien, Weisses Haus),
- Gemeinnützige Stellen (Alzheimer-Gesellschaft, The Insite, Museum
für Toleranz, Nationaler Naturschutzbund).
Wie die Liste zeigt, haben wir sowohl spezielle Sites getestet, die
ausdrücklich auf Teenager abzielen, als auch Sites von allgemeinem Interesse,
für die Teens Teil eines grösseren Zielpublikums sind.
Missverständnisse über Teenager
Viele Leute denken, Teens seien Technik-Freaks, die mit Hingabe durchs Web
surfen. Man nimmt auch allgemein an, der beste Weg, Teens anzuziehen, sei eine
volle Ladung fetter, glitzernder, blinkender Grafiken.
Unsere Studie hat diese Stereotypen widerlegt. Teenager sind keineswegs die
grossen Web-Genies, die mit allem zurecht kommen, das die Sites ihnen zuwerfen.
Wir haben bei den jugendlichen Benutzern in dieser Studie eine Erfolgsrate
von nur 55% gemessen, deutlich weniger also als die 66% bei erwachsenen
Benutzern in unserem letzten gross angelegten Test über ein breites Spektrum
von Websites. (Die Erfolgsrate zeigt im Verhältnis an, in wie vielen Fällen
die Benutzer auf der Ziel-Site eine repräsentative, von vorne bis hinten
durchführbare Aufgabe vollständig lösen konnten. Mithin steht jede Rate unter
100% für einen Designfehler und für verlorene Geschäfte mit der Site.)
Das schlechte Abschneiden der Teens wird von drei Faktoren verursacht:
ungenügenden Lesefähigkeiten, weniger geschickten Recherchestrategien
und einem dramatisch niedrigeren Geduldsniveau.
Wir konnten nachweisen, dass Teens cool aussehende Grafiken mögen und
überhaupt dem visuellen Erscheinungsbild einer Website grössere Aufmerksamkeit
schenken als erwachsene Benutzer. Allerdings waren die Sites, über die unsere
jugendlichen Benutzer gesagt haben, dass sie mit ihnen am meisten zufrieden
sind, solche mit einem relativ moderaten, klaren Design. In der Regel
haben sie übermässig glitzernde Sites als zu schwierig zu benutzen abgewertet.
Die Teenager möchten allerhand anstellen im Web und mögen keine Sites, die
langsam sind oder zwar fantastisch aussehen, sich aber schwerfällig verhalten.
Warum gibt es so viele Missverständnisse über Teens? Zwei Gründe: Erstens
befinden sich die meisten Leute, die für Websites verantwortlich sind, am
oberen Ende der Köpfchen- und Technik-Enthusiasmus-Kurve. Diese Leute sind
hochgebildete und oberschlaue Technik-Pioniere und verbringen eine Menge Zeit
online. Die meisten Teens, die sie kennen, teilen diese Eigenschaften. Nur wenig
Leute aus den oberen 5 Prozent verbringen nennenswert Zeit mit den 80 Prozent
der Bevölkerung, die die breite Mehrheit des Publikums bilden.
Zweitens, wenn Sie einige Teenager kennen, wird Ihnen der eine Super-User in
der Schar am ehesten im Gedächtnis bleiben und künftig als "typischer
Teen" dienen, auch wenn er oder sie in Wirklichkeit eine Ausnahme war.
Teens, die sich nicht freiwillig melden, um Ihren auf "12:00"
blinkenden Videorekorder in Ordnung zu bringen, bleiben Ihnen nicht im
Gedächtnis.
Bloss keine langweiligen Sites
Die Teens haben sich oft über Sites beklagt, die sie langweilig fanden.
Langweilig zu sein ist der Todeskuss, wenn es darum geht, Teens auf Ihre Site zu
ziehen. Dieses Stereotyp hat unsere Studie bestätigt: Teens haben eine kurze
Aufmerksamkeitsspanne und wollen stimuliert werden. Das ist auch der Grund,
weshalb sie Sites verlassen, die ihnen zu schwer zu durchschauen sind.
Teenager wollen im Web nicht viel lesen. Davon haben sie in der Schule
schon genug. Ausserdem sind die Lesefähigkeiten vieler Teens geringer, als man
hoffen möchte, besonders bei jüngeren Teens. Sites, die man leicht
überfliegen kann oder die ihr Anliegen visuell illustrieren, wurden andern
Sites mit dichtem Text stark vorgezogen.
Ein Ergebnis der Studie überraschte: Teenager mögen kleine Schrift genau
so wenig wie Erwachsene. Wir haben schon oft davor
gewarnt, in Websites kleine Schriftgrössen zu verwenden, wegen der
negativen Wirkung auf ältere Bürger - und auch auf Leute in den oberen
Vierzigern, deren Sehkraft bereits nachlässt. Stets haben wir angenommen, dass
kleine Schriftgrössen im Web deshalb vorherrschen, weil die meisten
Web-Designer jung sind und noch die volle Sehkraft haben, deshalb haben wir
nicht erwartet, dass die Schriftgrösse auch bei jüngeren Benutzern ein Thema
sein könnte. Jedoch haben kleine Schriften bei den jugendlichen Benutzern in
unserer Studie oft zu Problemen geführt oder negative Kommentare ausgelöst.
Die meisten Teens sind zwar genügend scharfsichtig, bewegen sich aber zu
schnell und sind zu schnell abgelenkt, um klein geschriebenen Texten folgen zu
können.
Was war gut? Folgende interaktiven Funktionen haben alle gut
funktioniert, weil sie es den Teens ermöglichen, etwas zu tun und nicht bloss
lesend dazusitzen:
- Online-Quizfragen,
- Formulare für die Eingabe von Kommentaren und Fragen,
- Online-Abstimmungen,
- Spiele,
- Funktionen, bei denen man gemeinsam Bilder malen oder Geschichten
erzählen kann,
- Pinnwände für Botschaften,
- Foren, in denen man Rat anbieten oder bekommen kann,
- Funktionen, mit denen man eine Website bauen oder auf andere Weise Inhalte
hinzufügen kann.
Diese interaktiven Funktionen erlauben es den Teenagern, ihre Spur im
Internet zu hinterlassen und sich selbst auf verschiedenste Art und Weise
auszudrücken - die einen im Grossen, die anderen im Kleinen.
Unterschiede zwischen den Altersgruppen
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen den
Webdesign-Ansätzen für jüngere Kinder, Teenager und Erwachsene zusammen. (Die
Ergebnisse über Kinder stammen aus unseren besonderen
Tests mit sechs- bis zwölfjährigen Benutzern.)
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Animation und Klangeffekte |
Minensuche nach Links |
Werbung |
Scrollen |
Lesen |
| Kinder |
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| Teens |
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| Erwachsene |
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Legende:
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angenehm, interessant und attraktiv, oder die Benutzer
können sich leicht darauf einstellen |
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Die Benutzer akzeptieren es bis zu einem gewissen Grad, aber
übermässige Verwendung kann problematisch sein. |
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Die Benutzer mögen es nicht, tun es nicht oder finden es
schwierig zu handhaben. |
Klar, es gibt viele Unterschiede zwischen den Altersgruppen, und das höchste
Usability-Niveau bei Teenagern erreichen Designs, die speziell auf ihre
Ansprüche und ihr Verhalten abzielen. Teens haben andere Ansprüche als
Erwachsene und nochmals andere als jüngere Kinder. Das gilt sowohl fürs
Interaktionsdesign (wie in der Tabelle aufgeführt) als auch für
offensichtlichere Faktoren wie die Auswahl der Themen und den inhaltlichen Stil.
Manche Websites in unserer Studie versuchen, Kinder und Teens im gleichen
Bereich zu bedienen, den sie gewöhnlich Kids oder so ähnlich nennen. Das ist
ein schwerwiegender Fehler; das Wort "Kids" schreckt Teens ab.
Teenager sind heftig stolz auf ihren neu gewonnenen Status und mögen keine
allzu kindischen Inhalte (ein weiterer Grund, die heftigen Animationen und
blutigen Farbschemata aufzulockern, die man zurzeit für jüngere Zielgruppen
einsetzt). Wir empfehlen, getrennte Sektionen für jüngere Kinder und Teens
einzurichten und sie Kids und Teens oder vergleichbar zu benennen.
Marktlücke Teenager
Der Durchschnittsteilnehmer unserer Studie verbringt fünf bis zehn
Stunden pro Woche im Web. Und das zusätzlich zu den vielen Stunden, die sie
mit anderen Techniken verbringen.
Laut dem Pew Internet
and American Life Project sind 83% der amerikanischen Teenager online.
Andere fortschrittliche Länder weisen ähnliche Raten auf. Die Websites sollten
ihr Design verbessern, um die wirklichen Ansprüche und Wünsche dieser
gewaltigen Benutzergruppe besser zu treffen, anstatt auf irrige Stereotypen zu
zielen. Bedarf ist vorhanden.
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