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Die Suche spielt eine derart prominente Rolle im Web-Benutzererlebnis, dass
die Benutzer ein festes mentales Modell dafür entwickelt haben, wie sie zu
funktionieren hat. Die Benutzer erwarten, dass eine Suche aus drei Elementen
besteht:
- einem Eingabefeld, in das sie Wörter hineintippen können,
- einem Knopf mit der Aufschrift "Suche" (engl. "Search"),
den sie anklicken müssen, um die Suche zu starten,
- einer Liste von Suchergebnissen, die linear und nach Rang geordnet auf
einer neuen Seite erscheint - der Suchmaschinen-Ergebnisseite (engl. SERP
für "search engine results page").
Bei Benutzertests sagen uns die Leute, sie wollen, dass die Suche auf
Websites und in Intranets funktioniert wie bei X, wobei X für ihre
Lieblingssuchmaschine steht. Zum Glück funktionieren alle drei grossen
Suchmaschinen (Google, Yahoo und MSN) in gleicher Weise: genau so, wie oben in
der Liste beschrieben.
Abweichungen von diesem erwarteten Design verursachen fast immer
Usability-Probleme. Sites, die einige Suchergebnisse herausgreifen und in
Extra-Kästen präsentieren, riskieren, dass gerade diese Ergebnisse übersehen
werden, weil man sie für Werbung hält. Stattdessen sollten solche "besten
Treffer" als oberste Punkte in der linearen Liste erscheinen.
(Normalerweise kümmern die Benutzer sich nicht darum, ob solche Treffer einen
editorischen oder algorithmischen Ursprung haben.) Auch Bereichssuchen,
die nur eine aktuelle Unter-Site abdecken, führen Benutzer oft in die Irre, da
sie es nicht gewohnt sind darüber nachzudenken, welche Bereiche durchsucht
werden sollen.
Die früheren Richtlinien zur Such-Usability
bleiben gültig und werden durch das neue mentale Modell sogar noch wichtiger.
Die derzeit dominierenden Suchmaschinen halten diese Usability-Hauptrichtlinien
ein, was offensichtlich der Hauptgrund dafür ist, dass sie an der Spitze
stehen. Heutzutage beschreiben die Richtlinien nicht bloss die gute Suche; sie
beschreiben die Suche, die man erwartet.
Wann ist eine Suche eine "Suche"?
Gerade weil es so tief verwurzelt ist, ist es entscheidend, dass Sie das
mentale Modell für die Suche nicht bei anderen Interaktionen abrufen. Verwenden
Sie den "Suche"-Knopf nicht für Parameter-Suchen. Solche Suchen
sind zwar oft sinnvoll, aber sie passen nicht ins Muster einer Suche. Um
Verwirrung zu vermeiden, sollten Sie solche Vorgänge anders nennen.
Ein klassisches Beispiel für eine Parameter-Suche ist z.B. , wenn Sie eine
Website für Schuhe durchsuchen können, indem Sie Ihre Schuhgrösse, eine
Farbe, eine Marke und eine Stilrichtung auswählen. Das ist ein grossartiger
Weg, um Schuhe für den Kauf zu bestimmen, und sicher viel nützlicher als eine
Suche nach Schlüsselwörtern. Dennoch gibt es Probleme, wenn auf dem
Aktivierungsknopf
dafür das Wort "Suche" ("Search") steht.
Nach unserer Erfahrung neigen Benutzer beim Anblick eines fetten "Suche"-Knopfs
dazu, hektisch nach dem Eingabefeld zu suchen, "wo ich meine Wörter
reinschreiben kann". Das mentale Modell ist so stark, dass die
Bezeichnung "Suche" ("Search") mit der Schlüsselwortsuche
gleichgesetzt wird - und nicht mit anderen Arten der Suche.
Die meisten Datenbank-Programmierer betrachten Parameter-Suchen und andere
Abfrageformen als eine Art der Suche. - Schön: Bloss nennen Sie sie in der
Benutzeroberfläche einfach irgendwie anders.
Derzeit hat sich noch keine einzelne Bezeichnung für
Nicht-Schlüsselwortsuchen durchgesetzt, aber [auf englischsprachigen Seiten]
scheinen "Find" ("Finden") und "Retrieve"
("Abfrage") gut zu funktionieren. Zum Aussortieren können Sie
Bezeichnungen wie "Refine Results" ("Ergebnisse
verfeinern" bzw. "Suche verfeinern") verwenden. Aber benutzen Sie
solche Bezeichnungen nicht für Schlüsselwortsuchen - wenn es ein Eingabefeld
gibt, in das die Benutzer Wörter hineinschreiben können, müssen Sie den
Aktivierungsknopf mit "Suche" ("Search") beschriften.
Schliesslich können erweiterte Suchen hilfreich sein, die die
Schlüsselwortsuche mit anderen Suchformen kombinieren, aber das sollte eine
sekundäre Option sein, die nur dann angezeigt wird, wenn Benutzer danach
verlangen.
Die Benutzer bilden jetzt mentale Modelle aus, von denen sie erwarten, dass
sie im ganzen Web und sogar in ihren Intranets angewandt werden. - Das ist gut
so: Wenn Vorwissen über Interaktionstechniken vorhanden ist, können sich die
Benutzer auf ihre Ziele konzentrieren statt auf die Bedienungsmechaniken der
Oberfläche. Doch all' das bricht zusammen, wenn Ihr Design mit den mentalen
Modellen in Konflikt gerät, die die Benutzer im Kopf haben.
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