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Für die diesjährige Liste der schlimmsten
Webdesign-Fehler habe ich etwas Neues ausprobiert: Ich habe
die Leser meines Newsletters gebeten, die Usability-Probleme
zu nominieren, die sie am irritierendsten fanden.
Ich hatte angenommen, meine Leser würden viele Themen
vorbringen, die ich in meinen eigenen Benutzertests noch nicht
bemerkt hatte. Das war nicht der Fall. Im Gegenteil, die 30
meistgenannten Probleme werden bereits durch bestehende
Usability-Richtlinien abgedeckt. Wenn Sie also die
diesjährige Top-Ten-Liste lesen, sagen Sie sich
wahrscheinlich: "Ja, davon habe ich schon gehört."
Da diese Fehler aber weiterhin so häufig vorkommen, ist es
verständlich, dass sich die Leute immer noch über sie
beschweren.
1. Probleme mit der Lesbarkeit
Mängel in der Schriftart haben die Abstimmung mit Abstand
gewonnen und fast doppelt so viele Stimmen bekommen wie Fehler
Nr. 2. Etwa zwei Drittel der Benutzer beschwerten sich über kleine
oder fixierte Schriftgrössen; etwa ein Drittel über ungenügenden
Kontrast zwischen Text und Hintergrund.
2. Keine Standard-Links
Die fünf Hauptrichtlinien für Links sind folgende:
- Machen Sie klar erkennbar, was klickbar
ist: Verwenden
Sie farbigen, unterstrichenen Text für Textlinks (und
unterstreichen Sie keinen unverlinkten Text).
- Unterscheiden Sie zwischen besuchten und nicht besuchten
Links.
- Erklären Sie, was die Leute am anderen Ende des Links
vorfinden werden, und fügen Sie einige informative
Schlüsselbegriffe in den Ankertext selbst ein. Damit
erhöhen Sie zusätzlich sowohl die Scannbarkeit als auch
die Suchmaschinen-Optimierung (sog. SEO: Search Engine
Optimization). Verzichten Sie für Links auf nichtssagende
Texte wie "hier klicken".
- Vermeiden Sie JavaScript und andere technische Tricks,
die die Standard-Interaktionstechnik der Links
durchbrechen.
- Öffnen Sie insbesondere auch keine Seiten in neuen
Fenstern (ausser bei PDF-Dateien und ähnlichem).
Links sind das klassischste Interaktions-Element im Web.
Wenn Sie die gängige Erwartung an die Funktionalität von
Links verletzen, verwirren sie die Benutzer und halten sie auf
- letztlich können Sie damit die Besucher sogar ausserstande
setzen, Ihre Site zu benutzen.
3. Flash
Ich betrachte es als persönliches Versagen, dass Flash die
Bronzemedaille für Ärger bekommen hat. Vor nunmehr drei
Jahren setzte ich ein grösseres Projekt in Gang, um
Gegenmittel zu den Flash-Problemen zu finden, und
veröffentlichte Richtlinien für den richtigen Gebrauch von
Flash. Als ich auf der wichtigsten Konferenz für
Flash-Entwickler sprach, gingen fast alle mit mir einig, dass
die Exzesse der Vergangenheit angehören und Flash in Zukunft
nützliche Benutzeroberflächen liefern sollte.
Trotz dieser guten Vorsätze begegnen Web-Benutzer im
Alltag meist schlechtem Flash, dessen einziger Zweck darin
besteht, die Leute zu nerven. Der einzige Lichtblick ist, dass
"spritzige" Vorschaltseiten und Flash-Intros fast
ausgestorben sind. Sie sind so schlecht, dass selbst die
dümmsten Webdesigner sie nicht empfehlen, wenn auch ein paar
(noch dümmere) Kunden noch manchmal danach verlangen.
Flash ist eine Programmierumgebung und sollte eingesetzt
werden, um den Benutzern zusätzliche Mittel und Funktionen
anzubieten, die von einer statischen Seite aus nicht
zugänglich sind. Flash sollte nicht zum Aufpeppen einer Site
dienen. Wenn Ihre Inhalte langweilig sind, schreiben Sie den
Text neu, damit er spannender wird, und engagieren Sie einen
professionellen Fotografen, der bessere Fotos schiesst. Aber
bringen Sie keine Bewegung in Ihre Seiten. Denn das ist der
Aufmerksamkeit der Benutzer nicht dienlich und scheucht sie
weg; die meisten Benutzer interpretieren animierte Inhalte
als nutzlose Inhalte.
Flash zur Navigation zu benutzen ist fast genau so
schlecht. Die Leute mögen eine vorhersehbare transparente
Navigation und statische Menüs lieber.
4. Inhalte, die nicht speziell fürs Web geschrieben
wurden
Fürs Web schreiben heisst, die Texte
- kurz,
- scannbar (überfliegbar) und
- auf den Punkt zu formulieren (und nicht, sie mit
Marketing-Englisch aufzublasen).
Ausserdem sollten Webtexte
- die Fragen der Benutzer beantworten und
- die Umgangssprache benutzen - und keine selbst
gestrickten Ausdrücke (was zudem die Sichtbarkeit in
Suchmaschinen verbessert, da die Benutzer ja mit ihren
eigenen Worten suchen und nicht mit den Ihren).
5. Schlechte Suchfunktionen
Die andern Punkte auf dieser Liste sind ziemlich leicht zu
beheben - aber eine Verbesserung der Suchfunktion erfordert
leider beträchtlichen Aufwand und Investitionen in eine
bessere Software. Gleichwohl lohnt es sich, denn die Suche ist
eine fundamentale Komponente des Benutzererlebnisses im Web,
und sie wird jedes Jahr wichtiger.
6. Inkompatible Browser
Ich gebe es zu: In meinen Seminaren im Frühjahr 2004 habe
ich die plattform-übergreifende Kompatibilität zu einer
Ein-Stern-Richtlinie degradiert (was heisst: "Bedenken,
wenn man noch etwas Zeit im Projekt übrig hat, aber ohne
Priorität"). Damals benutzte fast jeder den Internet
Explorer, und es wurde vor dem Hintergrund des ROI ziemlich
schwierig, ein Projekt zur Unterstützung anderer Browser zu
rechtfertigen.
Heutzutage aber verwenden so viele Benutzer Firefox (sowie
verschiedene andere Browser mit kleinen Marktanteilen wie
Opera und Safari), dass dieser Punkt wieder wichtig fürs
Geschäft wird: Weisen Sie keine Benutzer ab, bloss weil sie
eine andere Plattform bevorzugen.
7. Lästige Formulare
Die Leute haben sich über zahlreiche Probleme im
Zusammenhang mit Formularen beklagt. Was ist das Grundproblem?
Formulare werden im Web zu oft verwendet und sind
tendenziell zu lang, sie enthalten zu viele unnötige
Fragen und Optionen. Auf längere Sicht brauchen wir auf dem
Internet eher eine Anwendungs-Metapher fürs
Interaktionsdesign. Im Moment stossen die Benutzer aber noch
auf eine Unzahl an Formularen - wir müssen jede dieser
Begegnungen so sanft wie möglich gestalten. Zu diesem Zweck
gibt es fünf grundlegende Richtlinien:
- Streichen Sie jede unnötige Frage.
- Legen Sie keine unnötigen Pflichtfelder fest.
- Unterstützen Sie die Komplettierungsfunktion der
Browser (Autofill) so weit es geht, indem Sie unübliche
Feldbezeichnungen vermeiden und statt dessen
"Name", "Adresse" usw. verwenden.
- Setzen Sie die Einfügemarke ins erste Feld, wenn
das Formular erscheint. So ersparen Sie den Benutzern
einen Klick.
- Lassen Sie flexible Eingaben für Telefonnummern,
Kreditkartennummern und dergleichen zu. Der Computer kann
nachträglich mit Leichtigkeit Klammern, Zwischenräume
usw. eliminieren. Das ist vor allem für ältere Benutzer
wichtig, die oft leiden, wenn sie Daten in ungewohnten
Formaten eingeben müssen. Wollen Sie Bestellungen
verlieren, bloss weil die Benutzer ihre Kreditkartennummer
lieber in übersichtlichen Vierergrüppchen eintippen als
in einer zentimeterlangen, fehleranfälligen Schlange aus
16 Ziffern?
Formulare, die die Richtlinien für
Internationalisierung verletzen, lassen viele
ausländische Kunden fluchen. Wenn beispielsweise die Eingabe
einer französischen oder österreichischen Postleitzahl eine
Fehlermeldung hervorruft, brauchen Sie sich gar nicht zu
wundern, wenn Sie in diesen Ländern nur sehr wenig Umsatz
machen.
8. Fehlen von Kontaktdaten und Informationen zum
Unternehmen
Zwar werden als Kontaktdaten meist Telefonnummern und
E-Mail-Adressen verlangt, aber eine physische Postanschrift
auf der Site könnte noch wichtiger sein - schliesslich ist
sie für die Glaubwürdigkeit sehr zentral. Einem Unternehmen
ohne Adresse gibt man nur ungern Geld.
Tipps, wie man die Kontaktinformationen am besten
präsentieren sollte, finden Sie in der Alertboxe zum "Über
Uns"-Teil einer Website.
9. Starre Layouts mit fixierter Seitenbreite
Die Beschwerden darüber bilden zwei Kategorien:
- Auf grossen Bildschirmen sind Websites schwer zu
benutzen, wenn sie sich nicht ans jeweilige Fenster
anpassen. Wenn Benutzer dagegen ein kleines Fenster haben
und die Seite sich nicht anpasst, kommt es zu
unerträglichem waagerechten
Scrollen.
- Der Teil ganz rechts auf der Seite wird beim Ausdrucken
starrer Seiten einfach abgeschnitten. In Europa ist das
besonders gravierend, da hier im Gegensatz zu den USA noch
schmaleres Papier zum Einsatz kommt (A4 vs. Letter
Format).
Bei den Schriftgrössen handelt es sich um ein verwandtes
Thema. Wenn eine Site Fehler Nr. 1 umschifft und die
Schriftgrössen nicht einfriert, dann vergrössern jene
Benutzer mit hochauflösenden Bildschirmen meist die Schrift.
Wenn sie dann aber auch das Fenster vergrössern wollen, um
den grösseren Text besser lesbar zu machen, durchkreuzt ein
starres Layout ihre Bemühungen.
Die schlimmsten Übeltäter sind jene Sites, die Breite und
Höhe des Blickfeldes fixieren, wenn sie Informationen in
einem Popup-Fenster präsentieren. Popups sind eigentlich ein
Fehler für sich - wenn Sie sie aber schon verwenden müssen,
zwingen Sie die Benutzer wenigstens nicht, in einem winzigen
Schlüsselloch zu lesen. Die absolute Mindestanforderung ist,
daß die Benutzer die Grösse jedes neuen Fensters einstellen
können.
10. Unpassende Vergrösserung von Fotos
Nach der Abstimmung kämen Pop-ups eigentlich auf diesen
10. Platz - aber ich habe schon viel darüber geschrieben (das
meiste, als sie als Nr. 1 der meistgehassten Werbetechniken
rangierten). Deshalb möchte ich hier lieber ein Problem
behandeln, das etwas weniger Stimmen bekommen hat, aber ein
tiefergehendes Problem illustriert.
Eine schon lange bestehende Richtlinie für
E-Commerce-Usability verlangt, den Benutzern die Möglichkeit
zur Vergrößerung von Produktfotos zu geben, damit sie sich
Ausschnitte ansehen können. Dank Detailansichten oder der
visuellen Beurteilung z.B. einer Oberfläche kann ein
Einkäufer das notwendige Vertrauen für eine
Online-Bestellung schöpfen.
Es ist erfreulich, dass die meisten Sites diese Richtlinie
befolgen und Zoom-Funktionen anbieten, oft gekennzeichnet mit
einem symbolischen Vergrösserungsglas. Doch viele Sites
wenden diese Funktion falsch an.
Der schlimmste Fehler ist es, wenn die Benutzer einen Knopf
"grösseres Foto" anklicken, und die Site dann einfach
das gleiche Foto anzeigt wie vorher. Es ist immer ein
Fehler, tote Links anzubieten, die nichts bewirken,
wenn man sie anklickt. Solche funktionslosen Links und Knöpfe
vergrössern den Wirrwarr, verschwenden Zeit und steigern die
Verwirrung der Benutzer: Was ist passiert? Habe ich etwas
falsch gemacht? (Noch häufiger ist die tote Option, auf der
Startseite ein Link zur Startseite selbst zu platzieren. Das
war die Nr. 10 unserer Liste der am häufigsten verletzten
Homepage-Richtlinien.)
Ein anderer Fehler, und fast genau so schlimm, ist es, wenn
die Site das Vergrössern von Fotos zuläßt - aber nur für
einen Ausschnitt. Wenn die Benutzer ein grosses Foto haben
wollen, dann zeigen Sie ihnen doch ein grosses Foto. Oft ist
es am besten, eine Vergrösserung anzubieten, die das von
Ihren Kunden am häufigsten verwendete Bildschirmformat (der
aktuelle Stand (2005) bei B-to-C-Sites liegt bei 1024*768). In
anderen Fällen ist das unbefriedigend, und es ist besser, den
Benutzern die Details in einer Reihe von Ausschnittbildern
anzubieten als sie über ein übergrosses Foto scrollen zu
lassen.
Ja, Ausgangsseiten sollen kleine Fotos verwenden, damit sie
nicht flockig aussehen. Ja, Sie wollen auf die Download-Zeiten
achten und halten Ihr Seitengewichtsbudget im Auge. Selbst in
diesem Breitband-Zeitalter lagen lange Reaktionszeiten auf
Platz 15 der Gesamtliste der Designfehler. Wenn die Benutzer
aber ausdrücklich nach grösseren Bildern verlangen, dann
sind sie bereit, auf das Herunterladen zu warten - es sei
denn, am Ende des Wartens steht ein mittelgrosses Bild, das
die Details, die sie für ihre Kaufentscheidung brauchen,
immer noch nicht zeigt.
Zurück zu den Grundlagen des Webdesigns
Die diesjährige Liste der grössten Probleme beweist klar
die Notwendigkeit, zu den Grundlagen des Webdesigns
zurückzukehren. Auf Mailinglisten und Websites der
Internetbranche wird viel über die neuen fantastischen
"Web 2.0"-Funktionen gesprochen, genau so auf den
Konferenzen. Aber den Benutzern sind Techniken egal, und sie
verlangen nicht besonders nach neuen Funktionen. Was sie
wollen, sind qualitative Verbesserungen bei den Grundlagen:
- Text, den sie gut lesen können,
- Inhalt, der ihre Fragen beantwortet,
- eine Navigation und Suche, die ihnen zu finden hilft,
was sie suchen,
- kurze und einfache Formulare (glatte Registrierungs-,
Abmelde- und ähnliche Prozesse); und
- keine Bugs, keine Tippfehler, keine Datenkorruption;
keine toten Links; keine veralteten Inhalte.
Jedes Mal, wenn Sie die Versuchung verspüren, auf Ihrer
Site eine neue Funktion oder eine fortgeschrittene Technik
einzubauen, überlegen Sie zuerst, ob Sie keinen höheren ROI
erzielen, wenn Sie mit den vorhandenen Ressourcen das bereits
Bestehende aufpolieren. Die meisten Unternehmen,
E-Commerce-Sites, Regierungsstellen und gemeinnützigen
Organisationen würden mit besseren Überschriften viel mehr
für die Geschäftsziele ihrer Website tun als mit irgendeiner
neuen Technik (abgesehen von einer besseren Suchmaschine
natürlich).
Weitere Listen mit klassischen Design-Fehlern
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