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Irgendwann im 2005 haben wir in aller Stille einen
einschneidenden Meilenstein in der Internet-Geschichte erreicht,
als der milliardste Nutzer online ging. Weil wir kein zentrales
Internetnutzer-Register haben, wissen wir nicht, wer dieser
Nutzer war, oder wann er oder sie zum ersten Mal eingeloggt
ist. Statistisch gesehen sprechen wir aber von einer 24jährigen Frau
aus Shanghai.
Gemäss Schätzungen von Morgan
Stanley sind momentan 36% der Internetnutzer aus Asien und 24%
aus Europa. Nur 23% der Nutzer sind aus den USA, wo alles 1969
damit begann, dass 2 Computer - einer in Los Angeles und einer in
Palo Alto - miteinander vernetzt worden sind.
Um die erste Milliarde Internetnutzer zu erreichen, wurden
also letztendlich 36 Jahre benötigt. Die zweite Milliarde mit
mehrheitlich asiatischen Nutzern folgt in den nächsten 10
Jahren, das heisst bis 2015. Die dritte Milliarde wird
schwieriger und wahrscheinlich nicht vor 2040 zu erreichen
sein.
Im 2002 schätzte die NUA
die Zahl der Internetnutzer auf ungefähr 605 Millionen.
Seitdem hat die Internetnutzung also um jährlich 18%
zugenommen - diese Zunahme ist sicher nicht so hoch wie die in den
90iger Jahren, aber immer noch sehr beachtlich.
Alles in allem war das gesamte Internetwachstum beeindruckend. Während das Internet vor 10 Jahren meist nur
von so genannten Geeks genutzt wurde, stellt es heute einen
Standardweg dar, um Geschäfte abzuwickeln. In unseren
europäischen und amerikanischen B2B-Studien haben uns viele
Geschäftsleute gesagt, dass sie als erstes Firmenwebsites besuchen, um
potentielle Anbieter ausfindig zu machen.
Auswirkungen auf den e-Commerce Handel
E-Commerce wird weiter wachsen. Da es im Regelfall seit der
ersten Nutzung ein bis
zwei Jahre dauert, bis Leute genügend Vertrauen haben, um
online einzukaufen, werden sich die e-Commerce Verkäufe
mindestens verdoppeln, wenn die jetzige Milliarde Nutzer
anfängt, online einzukaufen.
Das "Milliarden-Nutzer Internet" ist ein
facettenreiches Umfeld, das sich weit weg von der Elite des Silicon Valleys und anderen Technologie
Hubs entfernt hat. Darauf tummeln sich beispielsweise einige hundert Millionen ältere
Menschen, und noch mehr ohne akademischen Abschluss. Der Unterschied zwischen der
ursprünglichen Elite und den so genannten Mainstream-Nutzern wird
somit jeden Tag grösser.
Das heisst, dass e-Commerce
Sites ihr Potential nur nutzen können, wenn sie systematisch bestehenden e-Commerce Usability-Richtlinien folgen.
An 200 Millionen so genannte "Early Adopters" zu
verkaufen, war nämlich einfach. Die 800 Millionen
Mainstream-Nutzer, die jetzt anfangen online einzukaufen brauchen aus
verschiedenen Gründen viel bessere
Sites; und die nächste Milliarde wird sogar
noch hochwertigere Usability verlangen.
Demografische Veränderungen
Bis ins Jahr 2015 werden die Amerikaner weniger als 15%
der Internetnutzer und ungefähr 1/3 des Internet-Umsatzes
ausmachen (Amerikaner geben normalerweise mehr aus als andere
Nutzer). Die Tatsache, dass 2/3 aller Internet-Einnahmen von
anderen Ländern stammen deutet auf die zunehmende Wichtigkeit
internationaler
Usability hin. Leider führen im Moment nur sehr wenige
Firmen im Ausland Usability-Tests durch und noch weniger haben
eine wirklich umfassende Internationalisierungs-Strategie.
Früher oder später werden aber die lokalen Möglichkeiten
zunehmen und Nutzer aus Übersee werden aufhören, Sites zu
nutzen, die ihren Ansprüchen nicht genügen.
Eine weitere Auswirkung der demografischen Veränderung:
U.S. Marktanteile und die Silicon Valley Begeisterung werden
für die Bewertung einer Firma oder neuer Technologien in
Zukunft viel weniger wichtig sein als die internationale
Nutzung. Der Mac beispielsweise spielt bereits jetzt eine weit
weniger wichtige Rolle, als allgemein angenommen, denn in
Asien ist der Mac praktisch "inexistent" und mit
einem weltweit einstelligen Marktanteil kann nicht von dominanter
Marktbeherrschung gesprochen werden.
China, Indien und Usability
Weil China und Indien eine weitere Milliarde Internetnutzer
beisteuern, wird das Bedürfnis für Usability in diesen beiden
Märkten explodieren. Wie ich schon bereits vor drei Jahren
erwähnt habe, können die beiden Nationen aber noch nicht
einmal die gestellten Offshore-Usability Anforderungen
erfüllen.
Kürzlich habe ich sogar von einigen grossen amerikanischen
und europäischen Firmen noch
schlimmere Geschichten gehört. Für sie war es praktisch
unmöglich, hochqualifizierte Usability-Mitarbeiter für ihre
Entwicklungsteams in China und Indien zu rekrutieren.
Es gibt ein offensichtliches Risiko, dass
Offshore-Projekte sämtliche lokalen Talente in China und
Indien absorbieren. Leute für die Realisierung lokaler
Websites werden demzufolge fehlen. Schwierig nutzbare chinesische und indische Sites werden als
Resultat davon schlimme Konsequenzen für die Produktivität
und Zufriedenheit der zweiten Milliarde Nutzer haben. Um die
Nachfrage an führenden Usability-Fachleuten während der
nächsten 10 Jahre zu befriedigen, brauchen beide Länder --
und auch andere grosse Nationen in Asien und Latein-Amerika --
ein Crash-Programm, um die Anzahl lokaler
Usability-Fachleute zu erhöhen.
Auch wenn wir die Details, wie wir das
Multi-Milliarden-Nutzer Web funktionsfähig machen, beiseite
lassen, deutet die Tatsache, dass es realistisch ist eine
weitere Milliarde Nutzer zu erwarten auf den überzeugenden
Wert interaktiver Medien hin.
Leute auf der ganzen Welt erfahren so eine beispiellose
Bevollmächtigung: fähig sein, Dinge zu tun ist nämlich mitunter
ein Grund, warum das Web sich so
schnell entwickelt hat und sich auch in den nächsten Jahren
weiterentwickeln wird.
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